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Pasinger Moschee:Anschlag war offenbar länger geplant

Solidaritätskundgebung vor Moschee in Pasing, 2015

Eine Woche nach dem Brandanschlag demonstrieren rund 100 Pasinger ihre Solidarität mit der Türkisch-Islamischen Gemeinde.

(Foto: Florian Peljak)
  • Der Anschlag auf die Pasinger Moschee wurde mit einer Art Zeitzünder verübt. Deswegen vermutet die Polizei, dass die Tat lange geplant war.
  • Ob der Brandanschlag politisch motiviert war, ist noch unklar.
  • Am 24. Juni wurde nach dem Morgengebet ein Brandsatz an einem Gartenhaus des Geländes angezündet. Dem Imam der Gemeinde gelang es, dass Feuer am ausbreiten zu hindern.

Der Brandanschlag auf die Pasinger Moschee vor knapp vier Wochen war offenbar von langer Hand geplant. Der Täter, der am 24. Juni unmittelbar nach dem islamischen Morgengebet ein Nebengebäude des Gotteshauses anzündete, hatte seinen Brandsatz im Gepäck: In einem Karton befanden sich Holzstücke, versetzt mit Grillanzündern. Die Gemeinde der Haci-Bayram-Moschee hat die Belohnung mittlerweile auf 10 000 Euro erhöht.

Der Brandsatz war gegen 4.20 Uhr auf einen Vorsprung der Seitenwand eines Gartenhauses gelegt und angezündet worden. Die hölzerne Seitenwand des Häuschens, das im Garten hinter der Moschee steht, fing Feuer. Offenbar, so berichtet Halil Ersoy, der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Pasing (Ditib), versuchte der Täter, ein Loch in die Holzwand zu schlagen.

Was genau passiert ist

Der Imam der Gemeinde, Abdullah Hackali, der wegen des Morgengebets Sabah Namazi wach war, das an diesem Tag um 4.10 Uhr stattfand, habe lautes Klopfen gehört. Er schaute nach - und entdeckte die Flammen. Sofort informierte er den Vorstand der Gemeinde, die Polizei sowie die Feuerwehr und versuchte, mit einem Feuerlöscher die Flammen zu bekämpfen. Es gelang ihm bis zum Eintreffen der Feuerwehr, ein Übergreifen auf die nur eineinhalb Meter entfernte Moschee und ein nahes Wohnhaus zu verhindern. "Das hätte sonst eine Katastrophe gegeben", sagt Volkan Türlü, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit in der Gemeinde kümmert. Für Türlü ist der Imam ein Held.

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Pasing

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Nach dem Brandanschlag auf dem Gelände der Moschee demonstrieren mehr als 100 Menschen gegen Ausgrenzung   Von Jutta Czeguhn

Zwei Tage nach dem Anschlag hat das Polizeipräsidium (Telefon 089/29100) die fünfköpfige Ermittlungsgruppe Moschee eingesetzt. Sie ist angesiedelt beim Kommissariat 44, das für politisch motivierte Straftaten im Bereich des Rechtsextremismus zuständig ist. Erster Kriminalhauptkommissar Klaus Feig, der die Ermittlungsgruppe leitet, will sich nicht vorschnell festlegen.

Welche Spuren es (nicht) gibt

Zumindest im Internet haben die Fahnder noch keine Spuren in die rechte Szene gefunden. Auch Drohungen im Vorfeld habe es nicht gegeben. Andererseits passt die Ausführung der Tat aber auch nicht zu einer Brandserie im Münchner Westen, bei der der Täter anscheinend spontan Feuer in Abfallcontainern oder an frei zugänglichen Stellen legt.

Die chemischen Untersuchungen an den Resten des Brandsatzes laufen nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Wenger noch. Der etwa fünf Kilogramm schwere Brandsatz sollte wie ein Zeitzünder wirken und dem Täter offenbar die Flucht aus dem relativ dicht bebauten Areal an der Planegger Straße ermöglichen.

Die 1999 eingeweihte Moschee in Pasing ist nach dem spätmittelalterlichen islamischen Mystiker Haci Bayram Veli benannt. Die Gemeinde ist für ihre Bemühungen um interreligiösen Dialog bekannt. Nach ihren Angaben besuchen jährlich rund 6000 Menschen aus Schulen, Vereinen und Kirchen die Moschee. Rund 100 Pasinger demonstrierten eine Woche nach dem Brandanschlag ihre Solidarität mit der Gemeinde. Im September 2001 war das Gotteshaus schon einmal Ziel eines Anschlags gewesen. Damals hatte, ebenfalls frühmorgens, ein Fußgänger einen Molotow-Cocktail mit brennender Lunte vor dem Kulturzentrum entdeckt. Der Täter wurde nie gefasst.

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