Vitalik geht nicht ans Telefon, seine Mutter Katya bombardiert ihn – aber dieses Wort ist hier völlig unangebracht – mit Textnachrichten. Er lässt sie unbeantwortet. Ihr Sohn ist in Kiew geblieben, um als Freiwilliger verwaiste Haustiere in den Kriegsgebieten aufzusammeln. Katya haben die Umstände – ein hochschwangeres Mädchen musste außer Landes in Sicherheit gebracht werden – nach Deutschland gespült. Dort ist sie aus dem Bus gestiegen und quasi von der Straße weg als Floristin in einem Blumenladen angestellt worden. Katya kann kaum Deutsch, aber sie spricht die Sprache der Blumen, bindet und verkauft schöne Sträuße, um in der Apotheke Blutstiller für die ukrainischen Männer an der Front zu kaufen. Schicken russische Soldaten ihren Frauen Rosen? „Gott sei Dank bin ich keine Scheißrussin!“ Applaus in der Wagenhalle der Pasinger Fabrik.
Ukrainisches Theaterfestival in MünchenVom Glück, keine Russin zu sein
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Beim ukrainischen Theaterfestival in der Pasinger Fabrik verschwimmt im Auftaktstück die Grenze zwischen Bühne und Publikum. Das ist manchmal schwer auszuhalten.
Kritik von Jutta Czeguhn

Zwischen Ukraine und Deutschland: Regisseur Stas Zhyrkov:„Der Krieg hat mich meine ganze Karriere begleitet“
Der ukrainische Regisseur Stas Zhyrkov lebt seit dem russischen Überfall im Exil - und inszeniert. Dafür wird er auch angefeindet. Er selbst versteht sich als eine Stimme seines Landes. An den Münchner Kammerspielen bringt er „Sie kam aus Mariupol“ heraus.
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