Pasing:Sensible Bereiche

Pasing: Auf dem Parkplatz der Bezirkssportanlage an Aubinger und Scapinellistraße können sich Lokalpolitiker eine neue Realschule vorstellen, womöglich in Ständerbauweise, damit die Stellplätze erhalten bleiben.

Auf dem Parkplatz der Bezirkssportanlage an Aubinger und Scapinellistraße können sich Lokalpolitiker eine neue Realschule vorstellen, womöglich in Ständerbauweise, damit die Stellplätze erhalten bleiben.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Grüne und CSU bringen zwei potenzielle Standorte für eine Realschule am Westkreuz ins Gespräch und setzen durch, dass die Stadt sie prüft. Die SPD ist dagegen, ein Sportverein fürchtet um seinen Fußballplatz

Von Jutta Czeguhn, Pasing

"Ich find's unglaublich, an einem völlig verlärmten Eck eine Schule prüfen zu lassen, es ist nahezu skandalös." In Rage geredet hat sich Christian Müller (SPD) in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses. Es hat sich wieder einmal gezeigt, wenn es um mögliche neue Schulstandorte im Stadtbezirk geht, kochen die Emotionen ganz schnell hoch. Bei der Erdbeerenwiese im Norden Obemenzings hat man das gesehen, und nun also wieder bei einem potenziellen Realschul-Standort Westkreuz, den die Stadt nun zu prüfen hat. Die Grünen-Fraktion hat dazu im Gremium einen Antrag durchgebracht, gegen die Stimmen von vier SPDlern. Kritik an dieser Idee kommt allerdings auch von anderer Seite: Die Turn- und Sportgemeinschaft Pasing (TSG) wäre mit ihrer Bezirkssportanlage berührt von den Schulplänen und wedelt schon mit der roten Karte.

"Wir sind eindeutig dagegen", sagt TSG-Präsident Reiner Spengler der SZ. Man war eingeladen zu einer Sitzung des Unterausschusses Planung, wo Vereinsvertretern die Idee erläutert wurde, und habe dort gelinde gesagt äußerst zurückhaltend reagiert. Denn mit dem Projekt an dieser Stelle würde der Verein ein Kleinfeld verlieren, das dringend benötigt werde für die Spiele der Fußball-Jugend. Eine Befürchtung, die Christian Müller teilt: "Der Sportplatz ist dann in wesentlichen Teilen weg, das kann man wollen, dann steht man zu der Prüfung, oder man kann's nicht, ich werde keiner Prüfung zustimmen."

Was also haben die Grünen zur Prüfung vorgeschlagen, dass es beim Sportverein auf derlei strikte Ablehnung stößt und Christian Müller das harsche Wort "Skandal" in den Mund nehmen lässt? Wenn die Fraktion von "Westkreuz" spricht, dann meint sie den Zwickel zwischen Aubinger-und Scapinellistraße, der zum Gelände der städtischen Bezirkssportanlage gehört. Dort wäre nach Ansicht der Grünen - und auch der CSU-Fraktion im Bezirksausschuss - ein idealer Standort für eine neue fünfzügige Realschule. Zudem ließe sich, unter Erhalt beziehungsweise Schaffung von ausreichend Parkplätzen, eine Dreifachsporthalle bauen, die auch der Verein nutzen könnte. Die Stadt soll zudem prüfen, ob die Schule in Form eines Ständerbaus wie jenes berühmten am Dantebad möglich ist, das würde deutlich platzsparender sein. Wichtig ist den Antragstellern, dass in der Summe keine Sportflächen verloren gehen, denn auf der Bezirkssportanlage aktiven Vereinen dürften keine Nachteile durch das Projekt entstehen. In der Begründung ihres Prüfantrags listen die Grünen Vorteil um Vorteil auf: Der Standort Westkreuz sei auch aufgrund seiner "zentralen Lage" und des "hervorragenden Verkehrsanschlusses" ideal; mit den S-Bahnen der Linien S 6 und S 8 und in etwas entfernter Zukunft mit der U-Bahn Richtung Freiham sowie den Bussen 57 und 157. Zudem würde die Realschule quasi mittig für beide Stadtbezirke (Pasing-Obermenzing sowie Aubing-Lochhausen-Langwied) liegen. Das Schulgebäude könne an einer ruhigen Nebenstraße errichtet werden, dabei meinen sie die Scapinellistraße. Sportanlagen seien bereits vorhanden, gemeint sind die Plätze der Bezirkssportanlage, die von der TSG genutzt werden. Für den Verein wiederum wäre das Schulprojekt eine Win-Win-Situation, er käme dann endlich an seine lang ersehnte Dreifachsporthalle.

"Wir finden uns in dem Antrag wieder", erklärte CSU-Sprecher Sven Wackermann. Lärmschutzprobleme, wie sie Christian Müller an der Stelle befürchte, könne man lösen, ist er überzeugt. Schließlich habe die CSU vor eineinhalb Jahren bereits einmal den Antrag gestellt, auf besagter Park-&-Ride-Fläche eine Wohnbebauung ins Auge zu fassen. Ein Stelzenbau wie jener auf dem Parkplatz des Dantebads sei eine ideale Lösung, denn es gehe darum, dort dringend benötigte Parkplätze zu erhalten. Wackermann wies aber auch noch auf einen Alternativstandort für die Schule hin: das Gelände der Hoffmann Group an der nahen Haberlandstraße. Das Werkzeug-Unternehmen baue derzeit eine neue Firmenzentrale an der Bodenseestraße/Ecke Hans-Steinkohl-/Ecke Hans-Stützle-Straße in Freiham. Dort sollen laut Wackerman auch die Schulungsbereiche der Firma neu entstehen. Deshalb die Idee, die auch in den Prüfungsantrag übernommen wurde, dass man am alten Firmensitz das Schulungsgebäude für die künftige Realschule nutzen könnte.

Auf SZ-Anfrage kommen seitens der Hoffmann Group dazu grundsätzlich interessierte Signale. Man würde sich nicht verschließen, sagt Frank Jainz, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Büschl Unternehmensgruppe, die für die Hoffmann Group den neuen Firmensitz entwickelt. Im Kaufvertrag für den neuen Firmensitz an der Bodenseestraße haben man sich verpflichtet, den Altbestand an der Haberlandstraße zu Werkswohnungen umzubauen. Man könnte diese Vereinbarung aber auch ändern zugunsten eines Schulstandortes. Das würde von Verhandlungen mit der Stadt abhängen. Natürlich sei zu klären, ob auf dem Altgelände der Hoffmann Group der Platz für eine schulische Nutzung überhaupt ausreiche. Das Unternehmen könne sich, was den Schulstandort angehe, ein PPP-Modell, also eine öffentliche-private Partnerschaft mit der Landeshauptstadt vorstellen. "Wir stehen für Gespräche bereit", sagt Frank Jainz.

© SZ vom 13.07.2021
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