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Pasing:Auf die Schiene gebracht

An der Bergsonstraße in Pasing wird das Richtfest für die neue Wartungshalle der DB Regio gefeiert, die Ende 2017 in Betrieb gehen wird und spürbar mehr Zuverlässigkeit des Zugbetriebes ermöglichen soll

Dass bei einem Richtfest auch Geschenke verteilt werden, liegt in der Natur der Sache. Und so hält Hansrüdiger Fritz, der Leiter der Deutschen Bahn Regio (DB) in Bayern, am Mittwoch eine Miniaturausgabe eines Personenzuges in der Hand - ein Geschenk für Gerhard Eck, seines Zeichens Staatssekretär für Bau und Verkehr im bayerischen Innenministerium. Hinter den beiden steht der fertige Rohbau der Wartungshalle der DB Regio an der Pasinger Bergsonstraße. Noch gibt es dort nur diesen einen Miniaturzug, doch schon Ende 2017 sollen nicht unweit des S-Bahnhofes München-Langwied Züge in Originalgröße gewartet und wieder auf Vordermann gebracht werden. Bis dahin sind aus den Holzlatten, die derzeit im Boden versenkt sind, Schienen geworden, die Seitenwände geschlossen und die Innenausstattung der Werkstatt eingebaut.

Mit der neuen Wartungshalle schafft die Bahn eine wirtschaftliche Infrastruktur für die Reparaturen und Wartungen, wie Projektleiter Alfred Kolberg sagt. Das lässt sie sich in etwa 50 Millionen Euro kosten, dafür sei dann aber alles auf technisch neuestem Stand. Das Besondere für Fritz ist, dass die Züge aus eigener Kraft in die Halle fahren; Rangieren mit Hilfe einer fremden Lok wie in der bisherigen Pasinger Wartungshalle, die nur 400 Meter entfernt ist, wird nicht mehr nötig sein: "Das ist quasi ein Boxenstopp". Die neue Werkstatt sei darüber hinaus eine Investition in die Zukunft, die 150 Arbeitsplätze in Pasing sichert: "Die Fahrzeugflotte Oberbayern bekommt hier eine neue Heimat." Eck stellte das Verdienst der Arbeiter in den Mittelpunkt, denen er "Respekt, Anerkennung und Kompliment" aussprach: "Bei Hitze oder Regen, Sie haben hier gearbeitet." Da die Werkstattkapazitäten derzeit in und um München sehr knapp sind, hofft Eck auf eine spürbare Entlastung. Die neue Wartungshalle ist daher für ihn ein "Meilenstein", der für die Bahnkunden mehr Zuverlässigkeit bedeuten wird.

Und was seit dem Baubeginn im vergangenen September entstanden ist, ist tatsächlich imposant: Die Halle ist knapp zwölf Meter hoch, 57 Meter breit und knapp 210 Meter lang. 70 Pfeiler tragen in zwei Reihen die gewaltige Hallendecke, fünf Gleise finden in der Zug-Werkstatt Platz. Eines davon ist längeren Reparaturen vorbehalten, den sogenannten Langstehern - dort werden Züge repariert, die beispielsweise wegen eines Unfalls schwer beschädigt sind. Sechs Hebeböcke, von denen jeder 25 Tonnen tragen kann, stemmen den kompletten Zug bei Bedarf in die Höhe. Eine Hebebühne "wie in der Autowerkstatt", sagt Kolberg, nur eben auf 200 Meter Länge. Auf den anderen vier Gleisen sollen die Züge nicht länger als drei bis fünf Stunden stehen. Selbst wenn Teile eines Zuges, zum Beispiel eine Toilette, kaputt sind. Denn in der neuen Wartungshalle wird dann nicht repariert, sondern kurzerhand das gesamte "WC-Modul" ausgetauscht. Damit es noch schneller geht, kann auf mehreren Ebenen gleichzeitig an den Zügen gearbeitet werden. Außerdem wird das Ersatzteillager vollautomatisch sein, sagt Kolberg: "Der Mechaniker kann ein beliebiges Ersatzteil am Computer bestellen und bekommt es wie beim Zigarettenautomat sofort ausgegeben." Alle Ersatzteile lagern in einem Nebengebäude, in dem auch eine Kantine und Büros untergebracht sein werden.

Geht alles nach Plan, ist die Halle im kommenden Juni fertiggestellt, so dass sie Ende 2017 in Betrieb genommen werden kann. Fritz ist zuversichtlich, dass die Züge ihre neue Heimat pünktlich beziehen können, denn bisher liegen die Bauarbeiten gut im Zeitplan. Sofern der Flussregenpfeifer - ein Vogel, so groß wie ein Spatz - sich nicht entschließt, die Halle erneut zu seinem Zuhause zu machen. In diesem Jahr wurde die Halle zur Heimat einer Vogelfamilie, weshalb in dem Brutbereich nicht weitergearbeitet werden konnte. Dass ein so kleiner Vogel den Bau eines 50 Millionen Euro teuren Projektes aufgehalten hat, amüsiert Hansrüdiger Fritz noch heute. Auch Polier Yücel Capulcu hat gute Laune: Beim traditionellen Polier-Spruch belässt er es nicht bei einem Schluck Wein, sondern leert gleich zwei Weingläser, bevor er sie dann am Pfeiler hinter sich zerschellen lässt.