Partyzone Flußufer:Beschäftigt mit Träumen und Trieben

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Partyzone Flußufer: Jede Menge leerer Flaschen liegen nach einer Partynacht am Ufer der Isar - obwohl es Mülleimer gibt.

Jede Menge leerer Flaschen liegen nach einer Partynacht am Ufer der Isar - obwohl es Mülleimer gibt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Es wird kühl um 21.30 Uhr, erste Gruppen machen sich auf den Heimweg. Fünf Jungs hocken zusammen, einer steht auf und geht, nur die halbvolle Jim-Beam-Pulle in der Hand. Die anderen folgen, Grill und Müll bleiben liegen.

Daneben macht sich eine zweite Gruppe bereit. Ein Mädchen beginnt, Pappteller und Besteck in eine Plastiktüte zu stecken, alle machen mit. Nichts bleibt liegen. Es sind zwei unterschiedliche Arten von Gruppendynamik.

Drei junge Frauen stehen auf dem Flauchersteg, eine hat ein verheultes Gesicht. "Er will nicht mit mir reden", schluchzt sie. Zwei andere Mädchen tuscheln. "Hat sie gekotzt?", fragt die eine. "Nein, sie sagt nur die ganze Zeit: Ich liebe dich." Teenager sind hier mit Träumen und Trieben beschäftigt. Nicht mit leeren Flaschen.

Polizisten auf Pferden reiten vorbei, Sicherheitskräfte eines privaten Sicherheitsdiensts patrouillieren. Sie greifen ein bei einer gebrochenen Nase, nicht bei einer zerbrochenen Flasche.

Samstagmorgen, 5.58 Uhr. Der Kiesstrand ist bunt - vor Müll. Einige Steine sind rot gefärbt. Niemand hat sich den Fuß aufgeschlitzt, es ist nur Fleischmarinade. Angel, ein fröhlicher Bulgare in Warnweste, lacht. Er zupft ein Müllstück nach dem anderen vom Boden. Von einer zertrümmerten Sektflasche am Ufer greift er die großen Stücke, die kleinen unter Wasser kriegt er nicht.

Sechs Stunden später, Samstagmittag. Kinder spielen am Wasser, es riecht nicht mehr nach verranzter Kneipe, sondern nach Grill und Sonnencreme. Angel und seine Leute sind etwa 150 Meter weit gekommen.

Der Kioskwirt vom Flauchersteg sieht zu ihnen hinüber. Er findet, dass die Beschilderung der Abfalleimer zu schlecht sei. Manche würden die Container einfach gar nicht als Mülleimer erkennen.

Pfingstmontag, 8.30 Uhr, am Flauchersteg steht ein Angler im Wasser. "Seit der Renaturierung ist das eine einzige Partyzone. Da kann man nichts machen." Die Reinigungstruppe hat an diesem Tag schon früh das Gröbste beseitigt.

Vom Steg aus ist der Blick wunderschön, die Sonne kommt durch die Wolken und scheint auf die verästelten Seitenarme der Isar. Das Wasser ist klar, man kann bis auf den Grund sehen. Auf die zersplitterten Flaschen.

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