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Partyzone Flußufer:100 Meter bis zur nächsten Mülltonne

Kamila spaziert vorbei. "Ich bin oft im Hirschgarten", sagt die 26-Jährige, "da gibt es Sicherheitsleute, die zu jeder Gruppe gehen und von einer Person die Daten aufnehmen. Sie erklären den Leuten dann, dass sie später nachsehen, ob die ihren Müll eingepackt haben. Sonst gibt es eine Anzeige." Verbote, Strafen - die Lösung für die Isar?

Isar, Müll, München

Wenn die Partymeute nach Hause gegangen ist, bleiben an der Isar häufig Scherben, Pizzakartons, Socken, Grillroste und anderer Müll liegen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Am Flaucher feiert gegen 21 Uhr eine Gruppe von 50 Punks. Sie schubsen einander herum, ein paar bewerfen sich gegenseitig mit Steinen. Auf den Kiesbänken liegen so viele Flaschen, dass es selbst nüchtern schwierig ist, nicht auf eine draufzutreten. Benedikt, 29, schaut sich um und sagt: "Es sind aber auch keine Mülleimer da."

Natürlich sind welche da, sogar riesige Container. Insgesamt stehen an der Isar 75 Gittermüllboxen, fünf große Container und zwölf Holzkohlebehälter für Grillasche, die jeden Tag geleert werden. An einem sonnigen Wochenende fallen laut Baureferat bis zu vier Tonnen Müll an.

Doch die Container stehen oft abseits, unter Bäumen. Und von manchen Stellen muss man fast 100 Meter laufen bis zu einer Mülltonne. Betrunkene gehen hier aber keine fünf Meter weit. "Warum stellen die keine Container auf die Kiesbänke?", fragt Benedikt. Müllcontainer mitten in der renaturierten Flusslandschaft.

Ein Mann steht an der Isar und versucht, vorbeischwimmende Flaschen mit Kieselsteinen zu treffen, direkt neben ihm watet eine Frau durch das Wasser, sieben Schwäne paddeln am Ufer entlang. Leere Bierträger und Flaschen versperren den Tieren den Weg.

Vor allem junge Leute treffen sich hier, weil das Grillen erlaubt und der Platz schön ist. Außerdem gibt es Gebüsche für Verliebte, Wasser für Überhitzte, Strand für Romantiker.

Und es herrscht die allgemeine Stimmung, hier ohnehin tun und lassen zu können, was man will. Die Kiesbänke sind Münchens Wildnis und ein bisschen Wilder Westen. Warum den Dreck wegmachen, denkt sich wohl mancher, wenn er am nächsten Tag ohnehin aufgeräumt wird.

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