bedeckt München 26°

Neue App:Kampf gegen die Parkplatz-Suche

Parkchaos in Freimann während eines Fußballspiels in der Allianz-Arena nahe U-Bahnhof-Kieferngarten

Immer wieder stellt sich in München die Frage: Wo nur findet man einen Parkplatz?

(Foto: Peljak)

Die App "Almo" will das Herumkurven in den Straßen reduzieren. Dazu ist ein Pilotversuch im Gärtnerplatzviertel geplant.

Der Zeitgeist meint es nicht gut mit dem Auto: Angesichts verstopfter Straßen und schlechter Luft in den Städten, Dieselskandalen und drohender Fahrverbote werden die Stimmen derer immer lauter, die Autos komplett aus Innenstädten verbannen wollen. Manche Städte wie Madrid oder Oslo haben den motorisierten Individualverkehr in ihren Zentren drastisch reduziert, was sich viele auch für München wünschen. Ophelie und Michael Jaschke würden nicht so weit gehen, die Autos auszusperren.

Dennoch verfolgen die beiden mit ihrem frisch gegründeten Start-up das Ziel, den Autoverkehr deutlich zu reduzieren. Und zwar, indem sie den sogenannten Park-Such-Verkehr eindämmen. Wie das geht? Mit Technik, die sich das Ehepaar hat patentieren lassen. "Altermobili" heißt die Firma der Jaschkes. Und das System, das zur Luftreinhaltung in der Stadt beitragen soll, nennt sich Almo. Damit soll Nutzern angezeigt werden, wo ein Parkplatz frei wird, sie sparen sich dann das nervige Herumkurven auf der Suche nach einem Stellplatz, das laut Untersuchungen etwa 30 Prozent des gesamten Autoverkehrs in der Stadt ausmacht.

Ophelie und Michael Jaschke wollen bei der Parkplatzsuche helfen.

(Foto: Privat)

Almo besteht aus einer App und einem 2,5 mal 3,5 Zentimeter kleinen, nur sechs Gramm schweren Minisender, der im Auto angebracht wird. "Beacon" nennt sich diese Technologie, bei welcher der Sender per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden wird. Wenn dann jemand in sein Auto steigt, wird einem anderen Almo-Nutzer auf dem Smartphone schon kurz vorher angezeigt, wo gleich ein Parkplatz frei wird. Zudem sollen aufgrund der gesammelten Bewegungsdaten anderer Nutzer die Wahrscheinlichkeit angezeigt werden, wann und wo langfristig ein Parkplatz frei werden könnte. Kleiner Nachteil: Wer einen Parkplatz mit der App sucht, muss erst einmal irgendwo stehen bleiben und den Motor ausmachen, bevor er auf sein Handy schaut - sonst droht mindestens ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderdatei.

Das System soll zudem erkennen, wenn ein Auto in einen Unfall verwickelt wurde. Dann fragt die App den Fahrer oder die Fahrerin, ob alles in Ordnung ist, kommt keine Bestätigung, schickt die App automatisch eine Textnachricht an einen vorher vom Nutzer ausgewählten Kontakt. Eine weitere Funktion soll Menschen helfen, die vergessen haben, wo ihr Auto steht - auch das soll vorkommen.

Das System klingt zunächst verdächtig nach totaler Überwachung. Michael Jaschke legt aber großen Wert darauf, dass die Daten anonym erhoben werden und nicht mit den Namen der Kunden in Verbindung gebracht werden. Der Datenschutz werde strengstens eingehalten. Selbst auf die Seriennummern der Kästchen habe man keinen Zugriff. Die Teilnehmer und die Firma Altermobili erfahren also nur, dass sich ein Auto bewegt, aber nicht welches und wem es gehört. Das Startup wird vom Bund und der Stadt München unterstützt. Derzeit läuft noch eine Crowdfunding-Kampagne. Ende Mai startet der Pilotversuch im an chronischem Parkplatzmangel leidendem Gärtnerplatzviertel. Mehrere Tausend Fahrer sollen teilnehmen, sinnvoll ist das System laut Michael Jaschke nur, wenn mindestens zwölf Prozent der draußen geparkten Autos einen Almo haben.

Die Basisversion der App soll kostenlos sein. Die Zusatzfunktionen kosten nach einem halben Jahr voraussichtlich 1,99 Euro pro Monat. Geplant ist unter anderem eine Kooperation mit der Handwerkskammer. Kontakt aufgenommen haben die Jaschkes auch mit dem Unternehmen Sharenow, das aus den fusionierten Autoverleihern Car2Go und Drive Now besteht. Auch zum Organisieren von Fahrgemeinschaften ließe sich die Technik nutzen, sagt Michael Jaschke. Die Vision des Gründerpaares: Bis 2020 wollen sie die Hälfte des Park-Such-Verkehrs eliminiert haben.

Lesen Sie jetzt mit SZ Plus
Job Pendeln ist die Hölle

Verlust an Lebenszeit

Pendeln ist die Hölle

Er ist einer von 18 Millionen Pendlern - doch nach zehn Jahren und vielen tausend Stunden auf der Autobahn hat unser Autor nun endgültig die Nase voll. Eine persönliche Abrechnung.   Essay von Alexander Hagelüken