Tod von Papst FranziskusWie Münchner um den Papst trauern

Lesezeit: 3 Min.

Die Andacht für Papst Franziskus am Ostermontag im Münchner Dom.
Die Andacht für Papst Franziskus am Ostermontag im Münchner Dom. Catherina Hess

Erschüttert und berührt - die Gläubigen trifft die Nachricht vom Tod des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche mitten im Ostergottesdienst. Wie die ersten Reaktionen ausfallen.

Von Ekaterina Kel

Süßlicher Weihrauch, feierliches Glockenläuten. An diesem Ostermontag sind die Reihen der Frauenkirche voll, dazu drängen viele Touristen in den Dom. Drinnen herrscht Trauer und Betroffenheit: Papst Franziskus ist in den Morgenstunden im Alter von 88 Jahren gestorben. Die Nachricht erreicht die Gläubigen mitten im Gottesdienst, in dem die Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird.

„Möge er dem Auferstandenen begegnen und bei ihm leben“, mit diesen Worten gedenkt Domdekan Lorenz Wolf des verstorbenen Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche am Ende seiner Ansprache. Die Fürbitten schließen ebenfalls ein Gebet für Papst Franziskus ein, der so viel Gutes für die Menschen getan und sich unermüdlich für sie eingesetzt habe. Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, nennt Franziskus in einem schriftichen Statement einen „wegweisenden Papst, einen mutigen Denker und einen überzeugenden Botschafter der Barmherzigkeit Gottes“.

Katholische Kirche
:Was nach dem Tod des Papstes passiert

Papst Franziskus ist am Ostermontag gestorben. Wie sein Begräbnis aussehen soll, wie sein Nachfolger gewählt wird.

SZ PlusVon Marc Beise und Annette Zoch

Nach dem Gottesdienst im Dom hält eine Frau mit ihren beiden jugendlichen Söhnen vor der Kirche inne. Wie hat sie auf den Tod reagiert? „Natürlich ist es schwer, wenn der Papst geht“, sagt die Frau. Allerdings sei für sie der Glaube wichtig - und nicht so sehr die Institution Kirche. Der ältere der beiden Söhne sagt, er habe die Nachricht an diesem Tag nicht erwartet, weil der Papst sich ja am Vortag sogar noch öffentlich geäußert hatte. Immerhin: „Er ist mit Gott“, sagt der großgewachsene junge Mann.

Sie seien zwar evangelisch, sagt ein älterer Mann, aber er und seine Frau hätten trotzdem am Gottesdienst teilgenommen, weil ihre Tochter hier im Chor singe. Und ja, die Nachricht vom Tod des Papstes sei natürlich auch für sie berührend. „Passt auch zur Weltlage“, sagt die Frau. Franziskus sei ja ein Papst gewesen, in den man die Hoffnung gesetzt habe, dass er die Welt ein bisschen besser mache.

Auch in der Michaelskirche wenige hundert Meter entfernt ist die Luft von Weihrauch geschwängert. Vor der Predigt sei der Tod des Papstes allen Besuchern des Gottesdienstes verkündet worden, so berichten es drei Rentnerinnen. „Es war zu spüren, dass die ganze Kirche geschockt war“, sagt eine. „Es war so still. Alle waren betroffen“, sagt die zweite. Es sei so schön, dass der Papst sich gestern noch gezeigt habe, sagt die dritte. „Und dann hat er losgelassen.“

Hiltrud Schönheit, die Vorsitzende des Katholikenrates der Region München, der die katholischen Laien vertritt, zeigt sich ebenfalls erschüttert vom Tod des Papstes: Franziskus habe ihr seit seiner Wahl im März 2013 neue Grundlagen für die Hoffnung auf Wandel in der katholischen Kirche gegeben. Sie sei dankbar, dass er nach den bleiernen Jahrzehnten der vorherigen Pontifikate wieder das eigenständige Denken, Diskutieren und Offen-Miteinander-Reden innerhalb der Kirche ermöglicht und gefördert habe, erklärt Schönheit. „Möge dieses und sein Erbe insgesamt Früchte tragen. Und möge er ruhen in Gottes Oster-Frieden, wie er es geglaubt hat.“

Renate Spannig, die die Frauen-Initiative Maria 2.0 nach München gebracht hat, erinnert sich ebenfalls an die große Hoffnung, die sie in Franziskus gesetzt habe. Allerdings sei diese am Ende enttäuscht worden; es seien doch keine großen Reformen in der Kirche gekommen. Dass Frauen etwa nach wie vor nicht in ihrer Berufung als Priesterinnen anerkannt werden, mache sie traurig. Auch dass es queere Menschen in der katholischen Kirche immer noch schwer haben, kritisiert Spannig. Was Maria 2.0 nun beschäftige, sei die Frage nach dem Nachfolger: „Wer hat den Mut zu so notwenigen Reformen? Wer steht auf gegen Unrecht, Machtmissbrauch und Kriegstreiber?“

In der Frauenkirche werden am Ostermontag zwei Kondolenzbücher mit jeweils einem Foto des freundlich lächelnden Papstes ausgelegt, in die sich unter anderem Landtagspräsidentin Ilse Aigner einträgt. Auch auf Italienisch, Englisch oder Niederländisch verabschieden sich die Leute auf diesem Weg. Dazu erfüllen schweren Orgelklänge den Dom, zu Ehren des Verstorbenen ist kurzfristig eine Andacht angesetzt worden. Auch hier sind die Reihen voll. In vielen katholischen Kirchen in Bayern, darunter im Erzbistum München und Freising sowie im Bistum Würzburg, läuten mittags 15 Minuten lang die Glocken.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Vorsorge
:Die blinde Frau, die Brustkrebs ertastet

Elvira Häußler kann mit ihren Fingern fünf Millimeter große Veränderungen im Gewebe erkennen. Über eine Frau, die ihre Behinderung zu einer Begabung gemacht hat.

SZ PlusVon Nicole Graner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: