Prozess Angebliche Leibärztin des Papstes ergaunert eine halbe Million Euro

Ernsthaft? Mit hanebüchenen Geschichten über den emeritierten Papst Benedikt soll Magdolna K. eine gutgläubige Münchnerin nach Strich und Faden ausgenommen haben.

(Foto: AFP)
  • Eine 67-Jährige muss sich in München wegen Betrugs und Missbrauchs von Titeln verantworten.
  • Mit frei erfundenen Geschichten, etwa dass sie Geld für einen Treppenlift für den emeritierten Papst Benedikt sammle, soll sie eine Münchnerin um viel Geld gebracht haben.
  • Die Angeklagte stellte sich als "Prof. Dr. med." vor, konnte in Wahrheit aber nur ein abgebrochenes Medizinstudium vorweisen.
Von Susi Wimmer

Magdolna K. ist von Kopf bis Fuß in schwarz gewandet. Nur um ihren Hals baumelt ein funkelndes Kreuz, als Zeichen ihres unerschütterlichen Glaubens. Die Staatsanwaltschaft allerdings glaubt etwas ganz anders, nämlich dass die 67-Jährige eine ausgebuffte Betrügerin ist, die eine prominente Frau aus Tegernsee um fast eine halbe Million Euro gebracht hat. Und zwar mit so hanebüchenen Lügengeschichten, die selbst Till Eulenspiegel als Anfänger degradieren würden.

Magdolna K. gab sich etwa als Leibärztin von Papst Franziskus und dem emeritierten Papst Benedikt XVI. aus, jammerte, dass der arme Benedikt nicht mehr richtig laufen könne und einen Treppenlift benötige. Das andere Mal war es ein Rollstuhl für Benedikt, dann die Hilfe für ein Waisenhaus oder ein Kinderprojekt in Afrika. Jetzt steht "die Papstärztin" wegen Betrugs und Missbrauchs von Titeln in 23 Fällen vor dem Landgericht München I.

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Die Geschädigte kann man gut und gerne als feine und überaus engagierte Dame im Gesellschaftsleben beschreiben. Sie engagierte sich als Honorarkonsulin eines fernöstlichen Königreichs, organisierte internationale Kulturveranstaltungen, ist auch im karitativen Bereich aktiv - und sie ist eine gläubige Christin. Und ausgerechnet, als sie nach dem Tod ihres Sohnes in einer persönlichen Krise steckte, da soll Magdolna K. sie mit ihren Lügengeschichten nach Strich und Faden ausgenommen haben.

Es war ungefähr im Jahr 2011, als sich die beiden Frauen in Schliersee bei einer gesellschaftlichen Veranstaltung kennenlernten. Magdolna K. soll sich als Prof. Dr. med. Magdalena K. vorgestellt haben, und zusätzliche auch noch als Gräfin. Die Frauen hielten losen Kontakt und als der Sohn der Geschädigten im März 2012 nach Hirnblutungen im Koma lag, bot Magdolna K. ihre seelisch-religiöse Unterstützung an.

"Ich wurde dumm - und großzügig", sagt die Frau aus Tegernsee vor dem Landgericht. "Dumm" in ihren Augen wohl deshalb, weil sie der Frau vertraute und ihre Geschichten glaubte: Dass Magdolna K. der Ethikkommission des Vatikans angehöre, Leibärztin von Papst Franziskus und dem emeritierten Benedikt sei, dass sie als Virologin an der Uni in Zürich eine Professur innehabe und aufgrund ihrer exzellenten Kontakte zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem WHO-Flugzeug zu den Armen dieser Welt fliege und sie unterstütze. Dem ehemaligen polnischen Papst Johannes Paul II. habe sie sogar einmal mittels eines Luftröhrenschnittes das Leben gerettet. In Wahrheit konnte Magdolna K. nur ein abgebrochenes Medizinstudium vorweisen, seit 2005 ging sie keiner Arbeit mehr nach, sondern lebte von dem Geld einer Erbtante.

Anfangs waren es kleinere Barbeträge, die die Frau aus Tegernsee der christlichen Helferin zusteckte, später folgten große Beträge in 22 Überweisungen. Im Gegenzug erhielt sie Kerzen aus dem Vatikan, Post von Benedikt, auf Schreibmaschine getippt, die mit "mia cara" begannen und endeten mit "in väterlicher Umarmung, dein Vater Benedikt". Auf den Briefen prangte ein Vatikan-Wappen. "Die Päpste beten für dich und deinen Sohn", versicherte ihr Magdolna K. "Mir hat das damals auch geholfen", gibt die Zeugin zu.

Und selbst in brenzligen Situationen, wenn die mutmaßliche Betrügerin drohte aufzufliegen, war sie um keine Ausrede verlegen. So traf die Dame aus Tegernsee bei der Verleihung des bayerischen Verdienstordens auf Papstsekretär Georg Gänswein, den Magdolna K. ihren Geschichten zufolge auch zu ihren engen Vertrauten zählte. Magdolna K. war an dem Tag mit von der Partie, aber Gänswein würdigte sie keines Blickes. Darauf angesprochen sagte sie: Ja, natürlich könne er nicht mit ihr sprechen, sonst würde es ja heißen, man habe ein Verhältnis.

Die aus Serbien stammende Magdolna K. laviert sich durch die Fragen von Richter Frank Zimmer. Sie sagt, sie sei "nicht unschuldig", sie habe von dem Geld viel gespendet und weitergegeben und selbst von diesen "Projekten rund um den Vatikan" gehört und weitergesagt. "Ja, hat der Papst seinen Treppenlift bekommen?", donnert Franz Zimmer. "Nein", sagt die Angeklagte. "Das nenn' ich Betrug." Am Freitag wird das Urteil gesprochen.

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