Rüstungskonzern in München:Panzer, streng vertraulich

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Rüstungskonzern in München: Sichere Arbeitsplätze im Panzerbau: 1000 Menschen demonstrierten am Dienstag in Allach für die Erhaltung der Panzerteststrecke.

Sichere Arbeitsplätze im Panzerbau: 1000 Menschen demonstrierten am Dienstag in Allach für die Erhaltung der Panzerteststrecke.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Standort ist für Krauss-Maffei Wegmann ideal: Er liegt am äußersten Stadtrand bei zugleich exzellenter Schienenanbindung. Hier lassen sich die Kettenfahrzeuge diskret testen.

Kommentar von Thomas Kronewiter

Es ist, so seltsam sich das angesichts der laufenden Lärmschutz-Debatte anhören mag, ein eher stilles Geschäft. Panzer verkauft man nicht mal eben, indem man die Werbung ankurbelt. Und man kann die Kettenfahrzeuge auch nicht einfach über den Mittleren Ring rollen lassen, wie das die Autohersteller mit ihren in Tarnfarbe gestrichenen Prototypen machen. Im Gegenteil: Entwicklung, Testergebnisse und exakte technische Spezifikationen eines derart hochgerüsteten Kampfpanzers wie der Leopard-Reihe sind streng vertraulich. Insofern ist der Standort für den Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann ideal: Er liegt am äußersten Stadtrand bei zugleich exzellenter Schienenanbindung.

Dass das Unternehmen die Chance hat, sein Prestigeprodukt am Standort ausgiebig und doch diskret testen zu lassen, ist also alles andere als Luxus. Es ist für KMW genauso Grundlage des Kerngeschäfts wie für BMW seine Lackiererei oder für die Bahn ein Rollenprüfstand. Für die Stadt bedeutet das: sichere Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Wenn genervte Nachbarn annehmen sollten, über das Vehikel einer formal fehlenden Betriebsgenehmigung mehr als ordentlichen Lärmschutz, nämlich das Aus für die Teststrecke erzwingen zu können, dürften sie enttäuscht werden.

Die am Dienstag bei der Kundgebung zur Erhaltung der Arbeitsplätze zu erkennende Solidarität mit dem Unternehmen wie mit dessen Mitarbeitern signalisiert vielmehr, dass sich die Stadtpolitiker dieser Zusammenhänge mehr als bewusst sind. Der deutschlandweite Abbau von immer mehr Industriearbeitsplätzen hinterlässt arbeitsmarktpolitisch ohnehin schon genug Spuren, die kein Politiker gerne in seinem Zuständigkeitsbereich sieht. Und dass die Anwohnerschaft der benachbarten Siedlungen geschlossen für eine Verlegung des Testgeländes wäre, darf man ebenso für ein Gerücht halten: Nicht wenige Nachbarn dürften ihr Geld beim Rüstungskonzern verdienen, der seit Jahrzehnten zum Gesicht von Allach gehört.

Die wahre Frage ist nicht die nach dem Standort innerhalb oder außerhalb einer Großstadt wie München. Die wirklichen Fragen stellen sich gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Ukraine-Konflikts. Vom Kampfpanzer-Bedarf der Bundeswehr mit ihren nur mehr wenigen hundert Exemplaren kann ein Unternehmen wie Krauss-Maffei-Wegmann nicht leben. Der Export einer Spitzentechnologie ist Teil des Geschäftsmodells - und sichert übrigens auch der Bundeswehr die Option auf Nachschub, Ersatzteile und Technologie-Kompetenz.

Aber wem will und wem darf man außerhalb Deutschlands derart durchschlagende Waffentechnologie liefern? Darauf gibt weder die geltende Rechtslage zu Ausfuhrgenehmigungen noch der Umgang damit eine befriedigende Antwort.

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