Wer einem Verein radikaler Abtreibungsgegner angehört, kann nicht Münchner Gesundheitsreferent werden. Wer mit christlichen Rechtsradikalen sympathisiert, darf kein politisches Amt in dieser Stadt besetzen. Also ist der Rückzug von Markus Hollemann von der Kandidatur als Umwelt- und Gesundheitsreferent die einzig mögliche und richtige Konsequenz.
Hollemann weg, Thema erledigt, alles gut? Mitnichten. Denn der Schaden, den diese Causa angerichtet hat, ist groß - für den Kandidaten, für die CSU, aber auch für die Stadt. Am größten für Markus Hollemann, den ÖDP-Bürgermeister aus dem Badischen: Aus dem Traumjob in München wird nichts, in seiner Gemeinde ist er höchst umstritten, die (politische) Karriere ist vorbei, ehe sie richtig begonnen hat. Das hat er sich selbst zuzuschreiben: Wer zu christlich-fundamentalen Schreihälsen geht, muss auch dazu stehen, wenn er sich für ein öffentliches Amt bewirbt. In der Bewerbung hat er das unter den Tisch fallen lassen.
Eine Steilvorlage für neuen Blödsinn der Bagidas
Natürlich hätten Josef Schmid und seine Partei den Kandidaten und seine Vorlieben auch besser prüfen müssen. Paradoxerweise ist das nicht passiert, weil es die CSU bei dieser Referentenentscheidung besonders gut machen wollte. Schmid hatte im Wahlkampf Personalpolitik nach Qualifikation, nicht nach Parteibuch gefordert, sich aber das Amt des Wirtschaftsreferenten gleich selbst geschnappt.
Die Nominierung Hollemanns hätte nun sein Versprechen von einst eingelöst: ein Umweltexperte von der ÖDP, vorgeschlagen von der CSU. Von der Idee der unpolitischen Kandidatur waren die Christsozialen - und, ja, auch diese Zeitung - so begeistert, dass glatt vergessen wurde, den Kandidaten nach seinem politischen Weltbild zu fragen. Ein Fehler bleibt aber ein Fehler, auch wenn er in gutem Willen begangen wurde.
Die Causa Hollemann beschädigt aber auch die anderen Parteien im Rathaus und die Stadt. Denn der Fall ist eine Steilvorlage für neuen Blödsinn der Bagidas. Ein braver Christ darf nicht Referent werden, nur weil er islamfeindliche Freunde hat, werden sie zetern. Alle Fraktionen sind gefragt, dagegen anzustehen: indem sie Kandidaten genau prüfen, bewerten - und notfalls verhindern. Aber bitte bevor sie stolz der Öffentlichkeit präsentiert werden.