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Neuhausen:Das soll aus dem Grundstück der Paketposthalle werden

Alte Paketposthalle München

Das Grundstück, auf dem die Paketposthalle steht, hat eine Größe von etwa 14 Fußballfeldern.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Deutsche Post AG hat die Paketposthalle und das umliegende Grundstück an die Büschl Unternehmensgruppe verkauft.
  • Der Investor plant nun mit einem "weitgefassten Konzept mit Gewerbe, Wohnungen, auch im sozialen Bereich und Einrichtungen für Jung und Alt".
  • Die Post soll künftig an anderer Stelle sortiert und verteilt werden.

Auf dem Gelände der denkmalgeschützten ehemaligen Paketposthalle an der Arnulfstraße soll nach Auskunft des Investors Ralf Büschl ein Stadtteilzentrum für Neuhausen und Nymphenburg entstehen. Der Inhaber und Vorsitzende der Geschäftsführung der Büschl Unternehmensgruppe hat das Areal in München und ein weiteres Betriebsgelände in Schorn, Landkreis Starnberg, von der Post erworben.

Der Investor plant in München eine "urbane Bebauung des Grundstücks unter Einbeziehung der Halle", wie er der SZ mitteilt. Er spricht von einem "weitgefassten Konzept mit Gewerbe, Wohnungen, auch im sozialen Bereich und Einrichtungen für Jung und Alt". Die Halle biete sich für eine kulturelle Nutzung an. Dazu kündigt er Gespräche mit der Stadt an. Für die Münchner gebe es "keinen Abschied von der Halle, sondern eine noch engere Verbindung".

Das Grundstück in München hat eine Größe von etwa 14 Fußballfeldern. Die Entwicklung dieses Gebiets soll laut Büschl "im besten Einvernehmen" mit der Stadt, dem Bezirksausschuss und den in der Umgebung lebenden Bürgern erfolgen. Der Bebauungsplan sieht bislang nur "postalische Nutzungen" auf dem Gebiet vor. Grundsätzlich sind kulturelle Nutzungen für die Halle denkbar, heißt es aus dem städtischen Planungsreferat. Dafür wäre allerdings eine Änderung des Bebauungsplans erforderlich. Dasselbe gilt für eine eventuelle Bebauung mit Wohnungen.

Das benachbarte Konzert- und Kulturzentrum Backstage ist von dem Verkauf des Postareals nicht berührt. Allerdings muss laut Planungsreferat geprüft werden, inwieweit eine künftige Nutzung dort mit bereits genehmigten Veranstaltungen im Backstage zusammenpasst.

Der Erhalt der Halle und eine attraktive Nutzungsmischung aus Kultur und Einkaufen sind für den CSU-Fraktionsvorsitzenden Manuel Pretzl die zentralen Forderungen. Für eine Aussage, wie viele Wohnungen oder Gewerbebauten im Umfeld errichtet werden könnten, ist es nach Ansicht Pretzls noch zu früh. Man stehe am Anfang des Planungsprozesses.

Die Gewerkschaft reagiert mit scharfer Kritik

Grünen-Stadträtin Anna Hanusch, die auch Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg ist, sieht große Chancen für die Stadtentwicklung. Das benachbarte Neubaugebiet Am Hirschgarten kann ihrer Ansicht nach besser mit der Stadt verknüpft werden. Bisher wirke das Gewerbegebiet der Post wie ein Riegel. Hanusch fordert, dass die Halle für die Bürger geöffnet wird. Dort könnten Geschäfte und auch ein sozialer Treffpunkt entstehen. Auch eine Nutzung für private Konzertveranstalter oder ein Konferenzzentrum hält sie für denkbar.

Der Immobilienchef der Post, Thomas Schlickenrieder, verspricht, dass durch den Verkauf der Briefzentren kein Nachteil bei der Auslieferung entsteht: "Die postalische Versorgung der Postleitzahlenregionen, die bisher aus der Arnulfstraße und vom Briefzentrum Starnberg versorgt wurden, stellen wir natürlich auch künftig sicher." Deshalb befinde man sich bereits in abschließenden Verhandlungen zu einem potenziellen Ersatzgrundstück in der Region München.

Dem Vernehmen nach geht es dabei um ein Areal im Gewerbegebiet von Germering. Am Standort Arnulfstraße werden täglich rund 4,5 Millionen Briefe bearbeitet. Nach Auskunft der Post sind im Briefzentrum München etwa 1000 Mitarbeiter beschäftigt, in Schorn bei Starnberg liegt die Zahl bei 190 Mitarbeitern, die täglich 1,5 Millionen Sendungen sortieren.

Mit scharfer Kritik reagiert die Gewerkschaft Verdi auf den Verkauf. Mit "kurzfristigen Profitinteressen" seien die Belegschaften und auch Kunden übergangen worden, klagt der zuständige Verdi-Fachbereichsleiter David Merck. Die Gewerkschaft hält den Verkauf für eine "schlechte Entscheidung" und rechnet damit, dass nicht alle Beschäftigten mit nach Germering umziehen werden. Zudem würden sich laut Merck der Dienstbeginn und das Dienstende wegen zusätzlicher Wegstrecken deutlich verschieben, überdies sei zu befürchten, dass die Kunden ihre Post grundsätzlich später erhalten.

Der Gewerkschafter kündigt an, nun mit den Betriebsräten und Arbeitnehmern die "überraschende Lage" und deren Auswirkungen zu beraten. Es gelte, Arbeitsplätze trotz der "Synergieeffekte" langfristig zu erhalten und mit dem Arbeitgeber über "faire Lösungen" zu verhandeln und dafür zu kämpfen, sagt Merck. Er verweist auch auf die Kosten des Umzugs - sprich für den Neubau sowie für die Sozialpläne und die "strukturell höheren Kosten, um die Briefe zu den Zustellstützpunkten zu fahren".

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