Paketposthalle Gigantischer Bogen

Der Investor Ralf Büschl informiert erstmals die Bürgerschaft über seine Pläne für die frühere Paketposthalle. Er möchte dort ein neues Stadtzentrum errichten, das die historisch geprägte Altstadt entlasten soll

Von Alfred Dürr, Neuhausen

Ein einzigartiges Industriedenkmal, das jetzt noch das Briefzentrum der Post beherbergt, soll zu neuem Leben erweckt werden. Seit der Münchner Investor und Projektentwickler Ralf Büschl im vergangenen August die riesige Halle und das sie umgebende Grundstück nahe der Friedenheimer Brücke erworben hatte, setzte auch die Diskussion darüber ein, was aus dem gigantischen bogenförmigen Bauwerk aus den Sechzigerjahren werden könnte. Bei der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung zu diesem Thema am Dienstagabend im unmittelbar benachbarten alternativen Kulturzentrum Backstage wurde viel über die Chancen gesprochen, die das Projekt bietet. "Hier kann ein attraktives Quartierszentrum entstehen, das seine Wirkung weit über das Stadtviertel hinaus entfaltet", sagte Ralf Büschl.

Widerspruch bekam er für diese Aussage nicht. Im Gegenteil. "Wir machen uns schon seit vielen Jahren für eine neue Nutzung der Halle mit kulturellen Schwerpunkten stark", sagte Anna Hanusch (Grüne), Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg. Für die Bürger wünscht sie sich "möglichst viel öffentlichen Raum", erschwingliche Wohnungen mit Grünzonen sowie interessante Kulturund Sozialprojekte. Außerdem kann man ihrer Ansicht nach das neue Quartier gut mit der Nachbarbebauung verknüpfen.

Aus dem einzigartigen Industriedenkmal an der Friedenheimer Brücke, das eindeutig in die Jahre gekommen ist, soll eines der bekanntesten Architektenbüros Europas, Herzog und de Meuron, nach dem Auszug der Post in drei Jahren ein Quartier machen, in dessen Umfeld 10 000 Menschen wohnen und arbeiten

(Foto: Jan A. Staiger)

Auch die Stadt signalisiert Unterstützung für neue Konzepte. Andreas Uhmann vom Planungsreferat sprach von den gewaltigen Dimensionen der Halle. Ihr gewölbtes Dach spannt sich über ist eine Fläche in der Größe von vier Fußballfeldern: "Das findet man nicht so schnell wieder in Deutschland." Einerseits will der Investor eine Vielfalt von Nutzungen unterbringen, andererseits darf dabei aber der überwältigende Raumeindruck nicht verloren gehen. Es sei eine spannende Aufgabe, den Spagat zu schaffen, sagte Uhmann.

In diesem frühen Stadium der Projektentwicklung hält sich der Investor mit Aussagen zu konkreten Planungen zurück. Büschl: "Wir haben ja noch drei Jahre Zeit zum Nachdenken, bis die Post ausgezogen ist." Grundsätzlich geht es ihm darum, die historisch geprägte Altstadt durch ein neues Stadtzentrum zu entlasten. Er stellt sich vor, dort auch neue Mobilitätskonzepte - von Carsharing bis zum Flugtaxi - auszuprobieren. Für eine vielfältige kulturelle Nutzung sei er offen, sagte Büschl. Applaus bekam er für seine Bemerkung, auch eine Altenpflegeeinrichtung zu planen. Außerdem will er deutlich mehr erschwingliche Wohnungen errichten, als die Stadt bei vergleichbaren Projekten vorschreibt.

Vier Fußballfelder passen unter das Dach der Paketposthalle, einen Bau aus den Sechzigerjahren, heute das Briefzentrum der Post.

(Foto: Jan A. Staiger)

Das renommierte Architektenbüro Herzog und de Meuron aus Basel arbeitet bereits an einem Masterplan für das Areal. Man habe dieses Büro beauftragt, weil das Projekt "besonders wirken und glänzen" solle, sagte Büschl. Nicht nur mit dem Museum Tate Modern in London oder der Elbphilharmonie in Hamburg haben die Schweizer spektakuläre architektonische Akzente gesetzt. In München ist ihnen das auch mit dem Fußballstadion in Freimann und der Einkaufspassage "Fünf Höfe" im Stadtzentrum gelungen. Architekt Robert Hösl, Partner bei Herzog und de Meuron und seit vielen Jahren in München planerisch und gestalterisch tätig, kümmert sich nun um die Konzepte für die Halle und die städtebauliche Einbindung der sie umgebenden Flächen.

Auch dazu gab es keine konkreten Aussagen zur Neugestaltung des Quartiers. Allerdings zeigte ein Ausblick auf ein ähnlich gelagertes Projekt von Herzog und de Meuron in Basel, in welche Richtung es gehen könnte. In zentraler Lage soll dort auf einem ehemaligen Industriegelände ein Stadtquartier mit drei Wohntürmen, die bis zu 160 Meter hoch werden können, entstehen. Das Büro will demonstrieren, wie trotz enormer Verdichtung eine hohe Qualität für Wohnungen und Büros mit attraktiven Grün- und Freiflächen entstehen kann. Immerhin ist laut Büschl davon auszugehen, dass bis zu 10 000 Menschen auf dem Gelände rund um die frühere Paketposthalle wohnen und arbeiten werden.

Unmittelbare Anwohner und weiter entfernt wohnende Nachbarn wünschen sich jedenfalls eine umfassende Information und Diskussion während der weiteren Planung. Diese sollten vom Gedanken der Ökologie und der Nachhaltigkeit geprägt sein, so eine Rednerin. Außerdem müsse man darauf verzichten, dem Muster der üblichen Einkaufszentren in Neubaugebieten zu folgen. Sie freue sich auf eine interessante Vielfalt von Restaurants und Läden. Er sei gespannt, wie sich das versprochene "urbane Leben" auf die neuen und alten Bewohner der Gegend auswirke, sagte ein Mann. Auszuschließen sei es nicht, dass sich irgendjemand durch die künftigen Aktivitäten in der Halle und drumherum gestört fühle.