Ostermarsch in München 1400 Menschen demonstrieren für Frieden

Bei der Osterdemonstration für Abrüstung und gegen Krieg haben sich die Menschen am Marienplatz eingefunden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Unter dem Motto "Keine neuen Mittelstreckenraketen in Europa" ziehen über tausend Menschen durch die Münchner Innenstadt. Sie haben es nicht leicht, sich gegen lautstarke Fußballfans durchzusetzen.

Von Julian Hans

Die Uhr am alten Rathaus hat geschlagen, die Sonne steht im Zenit. Eigentlich sollte die Auftaktkundgebung zum diesjährigen Ostermarsch beginnen, aber noch hallen ganz andere Sprechhöre über den Marienplatz: "Sieg! Sieg! Sieg!". Die Ostermarschierer teilen sich den Platz mit den Fans von Werder Bremen, die sich mit Beck's Bier und Trommeln ausgerüstet haben und darauf hoffen, ihr Verein könnte am Nachmittag den FC Bayern bezwingen.

Zahlenmäßig steht es zu diesem Zeitpunkt fast unentschieden zwischen Fußballfans und Friedensfreunden. Aber während letztere noch ihre Wandergitarre stimmen, grölen die Bremer schon: "Unsere Fahnen wehen Grün und Weiß". Fahnen haben auch die Demonstranten mitgebracht, sie wehen in Regenbogenfarben mit der Aufschrift "Pace" oder in Rot - in diesem Fall die Farbe der Marxistisch-Leninistische MLPD und nicht des FCB.

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Etwa 1400 Menschen, so schätzt es die Polizei, sind an diesem Samstag unter dem Motto "Keine neuen Mittelstreckenraketen in Europa" durch die Innenstadt marschiert. Nicht sehr viele, wenn man daran denkt, dass die Ostermärsche in den 80er Jahren einmal eine Massenbewegung mit Hunderttausenden Teilnehmern waren. Nur ein paar Wochen ist es her, seit 40.000 Münchner für ein freies Internet demonstriert haben. 10.000 nahmen an der Sternfahrt für den Radentscheid statt. Ist der Ausbau der Radwege den Münchnern wichtiger ist, als der Frieden auf der Welt? Vielleicht sind sie auch einfach der Auffassung, mit Demonstrationen eher auf den Radwegausbau hinwirken zu können als auf den Weltfrieden.

Nina Peiffer ist überzeugt, dass es trotzdem wichtig ist, ihre Stimme zu erheben. Die 17-jährige Schülerin des Maria-Theresia-Gymnasiums kommt fast jede Woche zu den "Fridays for Future"-Demonstrationen gegen den Klimawandel. Nun haben die Organisatoren des Ostermarsches sie als Rednerin eingeladen. "Wir können Kriege nicht beenden, aber wir können aufhören, Kriege mit Waffen aus Deutschland zu unterstützen", ruft sie. Klimaschutz und Friedensbewegung gehörten zusammen, erklärt eine andere Rednerin noch und bekräftigt das mit Zahlen über den hohen CO2-Ausstoß des US-Militärs. Tobias Pflüger, bekannter Rüstungsgegner und Abgeordneter der Linkspartei im Bundestag, erinnert bei der Abschlusskundgebung noch einmal an die großen Zeiten: "Wir als Friedensbewegung waren ein wesentlicher Grund dafür, dass der US-Präsident Ronald Reagan und der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow 1987 den INF-Vertrag zur Abschaffung atomarer Mittelstreckenraketen in Europa unterzeichnet haben", sagt er. Jetzt, da Donald Trump dieses Abkommen aufgekündigt habe, sei es Zeit, wieder auf die Straße zu gehen. Als Standort großer Rüstungsunternehmen komme München dabei besondere Bedeutung zu.

Die Bremer sind inzwischen leiser geworden, die Touristen erobern den Platz zurück. "Viel Geld für Waffen ist nicht gut", findet Ahmed Aldi, ein Besucher aus dem Irak. Dann macht er ein Selfie mit Demoplakaten und Glockenspiel und schieb seinen Kinderwagen weiter durchs Gedränge.