Ostbahnhof Stopfen auf der Stammstrecke

Gleisstopfmaschinen sorgen dafür, dass - nachdem die Arbeiter die neuen Gleise und Weichen verlegt haben - der Schotter unter den Schienen und Schwellen verdichtet wird.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Bahn legt den Berufsverkehr lahm, weil ein Gerät kaputt geht, das kaum einer kannte.

Glosse von Stefan Simon

Handarbeit wird oft gering geschätzt in diesen Tagen. Wer kann heute noch Knöpfe annähen oder Hosen flicken? Ist ja auch nicht nötig, man bestellt sich im Internet einfach etwas Neues, und die himmlische Schar der Preisvergleichsportale frohlockt: Sehet her und kaufet. Doch all die Pakete, die DHL- und Hermes-Boten an die Haustür liefern, enthalten eine unsichtbare Dreingabe: zwei linke Hände. Das Wissen der Großmütter und der Großväter geht verloren. Kinder lernen in der Schule zwar ein iPad zu bedienen, nicht aber ein Stopfei.

Man kann der Münchner S-Bahn gar nicht oft genug dafür danken, dass sie gegen dieses Vergessen ankämpft und den staunenden Fahrgästen hin und wieder Gerätschaften präsentiert wie die wundersame Gleisstopfmaschine. Die ist in aller Munde, seit sie am Pfingstmontag - ausgerechnet - den Geist aufgab und sich auch tags darauf einfach nicht reparieren ließ. Mehr noch als die Frage, wie man als S-Bahn-Pendler denn nun wieder von A nach B (oder gar nach Berg am Laim) kommen soll, drängte sich der Gedanke auf: Wozu braucht die S-Bahn eine Gleisstopfmaschine?

Jede Großmutter am Bahnsteig weiß: Ein Stopfei benötigt man, um Löcher in Socken zu verschließen. Dass der Einsatz einer Stopfmaschine am Ostbahnhof da nichts Gutes bedeuten kann, liegt auf der Hand. Dort fahren die S-Bahnen durch ein Loch in die Innenstadt und aus einem anderen wieder heraus. Kaputt hin oder her: Würde die Bahn doch nur einmal ihre Kunden fragen, ehe sie solches Teufelszeug zum Einsatz bringt! Ist es nicht so, dass man im Alltag eher eine Gleisentstopfmaschine bräuchte? Einen Apparat, der verhindert, dass "die Gleise durch den vorausfahrenden Zug belegt" sind? Eine Herausforderung für künftige Generationen. Statt Handarbeit.

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