Organisierter Callcenter-Betrug:Wieder ein "Abholer" weniger

Falsche Polizisten hatten zuvor Seniorin um Zehntausende Euro erleichtert

Die Polizei hat erneut einen Tatverdächtigen im Zusammenhang mit organisiertem Callcenter-Betrug festgenommen. Ein 33-Jähriger konnte am Dienstag unter Mithilfe einer Seniorin gefasst werden, die zuvor um mehrere Zehntausend Euro betrogen worden war.

Nach Angaben der Polizei erhielt die 81-Jährige über zwei Wochen hinweg mehrere Anrufe, in denen Unbekannte sich als Kriminalbeamte ausgaben. Sie behaupteten, wegen Falschgeldbetrugs gegen Mitarbeiter mehrerer Münchner Banken zu ermitteln. Die Männer forderten die Seniorin auf, all ihr Erspartes abzuheben und in einem vereinbarten Versteck zu hinterlegen. Daraufhin ließ sich die Frau bei zwei verschiedenen Banken jeweils 15 000 bis 25 000 Euro auszahlen und platzierte das Geld in einem Briefumschlag vor ihrer Wohnungstür. Unbekannte holten es dort ab. Als sie zum dritten Mal einen fünfstelligen Betrag abheben wollte, verweigerte die Bank die Auszahlung. Daraufhin wurde die Frau stutzig, schöpfte Verdacht und kontaktierte die Polizei, der es gelang, den "Abholer" vor der Wohnung der Frau festzunehmen. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl erlassen.

Die Masche ist seit Längerem bekannt. Die Tat ist dem organisierten Callcenter-Betrug zuzurechnen, bei dem die Hintermänner in der Türkei sitzen und täglich bis zu 600 Münchnerinnen und Münchner anrufen. Sie geben sich meist als Polizisten aus, denen man sein Geld oder seine Wertsachen überlassen solle, um bei Ermittlungen zu helfen. Vor Ort holen Komplizen die Beute ab. Ein solcher ist wohl auch der festgenommene Verdächtige.

Während die Abholer manchmal gefasst werden, kommen die Hintermänner meist davon. Vergangene Woche konnte die Polizei jedoch einen Mann verhaften, der der höheren Führungsebene seiner Organisation zugerechnet wird und selbst Anrufe getätigt haben soll. Warum der Mann sich in Deutschland aufhielt, ist unklar.

© SZ vom 30.07.2021 / DWUE
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