Katholische Kirche Leitet künftig eine Frau das Münchner Ordinariat?

Kardinal Reinhard Marx will die Amtschef-Stelle im ersten Quartal 2019 ausschreiben.

(Foto: Marco Einfeldt)
  • Kardinal Reinhard Marx hat bei einer Klausurtagung in Rom eine tief greifende Reform des Erzbistums München angekündigt.
  • Das Ordinariat, die zentrale Kirchenverwaltung, soll künftig von einer Frau oder einem Mann im Laienstand geleitet werden.
  • Bislang wurden die 16 000 Mitarbeiter stets direkt vom Stellvertreter des Erzbischofs geführt.
Von Jakob Wetzel

Das Erzbistum München und Freising steht vor einer für die katholische Kirche unerhörten Reform: Wie die Erzdiözese am Montag mitteilte, soll der Chef des Münchner Ordinariats, der zentralen Kirchenverwaltung, von 2020 an nicht länger ein Priester sein, sondern eine Frau oder ein Mann aus dem Laienstand. Das verkündete Erzbischof Reinhard Marx zum Auftakt einer Klausurtagung in Rom. Damit wird in einem der größten, reichsten und politisch wichtigsten deutschen Bistümer nicht nur weniger Macht in den Händen von Priestern liegen. Sondern die Kirche öffnet auch eine weitere Hierarchie-Ebene für Frauen.

Bislang führt im Erzbistum - wie allgemein in der katholischen Kirche üblich - der Generalvikar das Ordinariat; er steht an der Spitze von etwa 16 000 Mitarbeitern im Kirchendienst, wird vom Erzbischof ernannt, ist dessen Stellvertreter und muss zwar nicht unbedingt Ahnung von Verwaltung haben, aber ein Priester sein. Künftig sollen Weihe- und Verwaltungsamt getrennt und die Aufgaben aufgeteilt werden: Eine Amtschefin oder ein Amtschef soll die Kirchenverwaltung leiten, der Generalvikar soll sich laut Kirche nur noch um "thematische, inhaltliche und theologische Fragen kümmern". Genaue Stellenprofile werden noch erarbeitet, fest steht bereits: Der Generalvikar soll zwar eine dienstliche Aufsicht über den Chef oder die Chefin des Ordinariats ausüben, aber nicht dessen oder deren Vorgesetzter in Verwaltungsfragen sein. Die Amtschef-Stelle soll im ersten Quartal 2019 ausgeschrieben werden. Und mit der Reform wird die Amtszeit des jetzigen Generalvikars Peter Beer enden. Laut Ordinariat wendet er sich 2020 neuen Aufgaben zu.

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Die Kirche erklärt, mit der Reform wolle sie Laien neue Karrierechancen eröffnen. Das betrifft vor allem Frauen, denen eine Priesterweihe weiterhin verwehrt wird. Derzeit leiten Frauen vier von sieben Ressorts in der Verwaltung; im zentralen Gremium, der Ordinariatskonferenz, in dem auch der Finanzdirektor und der Generalvikar sitzen, sind vier von neun Mitgliedern weiblich. Der Posten des Verwaltungschefs aber war bisher einem Mann, eben dem Generalvikar, vorbehalten.

Darüber hinaus will die Kirche ihre Verwaltung weiter professionalisieren und die Konzentration der Macht auf Priester abbauen. Schon seit Jahresbeginn experimentiert das Erzbistum damit, Pfarrgemeinden nicht mehr zwingend von einem Priester leiten zu lassen, sondern von einem Team verantwortlicher Laien. Und erst im September hatte die von der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellte Studie zum Missbrauchsskandal die bestehenden, von Priestern dominierten Strukturen problematisiert: Diese seien ein Grund dafür, dass Taten nicht aufgeklärt und wirksam unterbunden, sondern verschwiegen wurden. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken forderte deshalb erst am Freitag, die Machtstrukturen aufzubrechen und Nicht-Geweihte gleichberechtigt an der Leitung der Kirche teilhaben zu lassen.

Die Führungsspitze des Erzbistums, darunter Marx und Beer, tagt derzeit in Rom, wo sie über Herausforderungen für die Erzdiözese diskutiert. Aus der Kirche ist zu hören, der Noch-Generalvikar und der Kardinal hätten die Reform gemeinsam erarbeitet. Der 52-jährige Beer ist seit 2010 Generalvikar - und da Marx oft nicht in München weilt, ist seine Stellung umso mächtiger. Er ist freilich weder Wirtschafts- oder Verwaltungsfachmann noch Jurist, sondern Theologe und Pädagoge. Von Anfang an musste er sich daher Krisen stellen, für die er nicht ausgebildet war. Gleich 2010 wurde er mit dem Missbrauchsskandal konfrontiert; daraufhin reformierte er das Ordinariat und stellte unter anderem Nachlässigkeiten in der Aktenführung ab, die viele Taten erst ermöglicht hatten. Von 2011 an bemühte sich Beer als Aufsichtsratschef des damals kirchlichen Weltbild-Verlags vergebens, die Firma zu retten. Unter ihm begann das Erzbistum, im Gegensatz zu vielen anderen Diözesen den Großteil seiner Finanzen transparent offenzulegen. Die Kirche erklärt, diesen Reformkurs setze sie nun fort.

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