Maxvorstadt Gottes Werk und Dan Browns Beitrag

Damenbesuch ist grundsätzlich nicht verboten: Das Wohn- und Studienhaus des Opus Dei hat zwar eine eigene Kapelle, mit einem Kloster aber nichts gemeinsam.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das katholische Opus Dei hat seinen zweifelhaften Ruf satt und eröffnet an der Uni ein neues Wohn- und Studienhaus.

Von Jakob Wetzel

Was einmal auf dem Klingelschild stehen soll, da ist sich Pablo Kunhardt noch nicht sicher. "Studententreff" sei einer der Vorschläge gewesen, sagt er, aber im Haus leben ja nicht nur Studenten, und willkommen seien auch Ältere und Jugendliche. Von einem "Jugendklub" zu sprechen, wäre ebenfalls verkehrt. Und einfach "Opus Dei" neben die Tür zu schreiben, wäre zwar korrekt, aber womöglich etwas arg unvermittelt. So wird dort wohl einfach "MaxTor 95" stehen: Das steht für die Maxvorstadt und für das nahegelegene Siegestor, 95 ist die Hausnummer. Dazu wird es eine Internetadresse geben. Und sollte dann einer wissen wollen, wer da in dieses frisch sanierte, weiß-graue Eckhaus an der Ludwig-Maximilians-Universität gezogen ist, kann er es selber nachlesen.

An der Amalienstraße 95, direkt gegenüber der Universität, eröffnet das Opus Dei gerade ein neues Wohn- und Studienhaus. Vor 75 Jahren wohnte unter dieser Adresse der Widerstandskämpfer Willi Graf. Künftig werden hier zehn bis zwölf Mitglieder des Opus Dei leben und den Kontakt zu den Studenten suchen. Es soll Vorträge geben, religiöse Kurse und Diskussionsabende zu aktuellen Themen, zu denen alle eingeladen sind, egal welchen Glaubens. Die Studentische Kulturgemeinschaft hat das Gebäude gekauft und sanieren lassen, ein mit dem Opus Dei verquickter Verein. Gekostet hat alles etwa sechs Millionen Euro, die er über Spenden und Kredite aufgebracht hat. Noch ist nicht alles fertig, aber im Juni sollen die letzten Arbeiten abgeschlossen werden. Die Bewohner sind bereits eingezogen.

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Pablo Kunhardt leitet das Haus, ein junger Bauingenieur aus Mexiko mit offenherzigem Lächeln. Er lädt zur Besichtigung, er will zeigen, dass es hier nichts zu verbergen gibt. Sogar ein Blick in die Privatzimmer ist gestattet, wenn auch ohne Kamera. Jedes hat ein eigenes Bad und rund 15 Quadratmeter.

Das Opus Dei setzt auf Transparenz. Die konservative katholische Glaubensbewegung kämpft gegen ihren zweifelhaften Ruf. Einen Ruf, der sich aus den strikten Lebensvorschriften speist, denen sich die Mitglieder unterwerfen, dazu aus Vorurteilen und auch daraus, dass viele Mitglieder Bußübungen pflegen, sich also selbst mit dornigen Gürteln und Geißeln Schmerzen zufügen, um der Leiden Christi willen. Der Tiefpunkt aus Sicht von Opus Dei war erreicht, als Dan Brown in seinem 2004 auf Deutsch erschienenen Roman "Sakrileg" eine Verschwörung erfand und seine Protagonisten von einem mordenden Handlanger des Opus Dei verfolgen ließ.

Ein Geheimbund will das Opus Dei nicht sein. Die Mitglieder zeichnen vielmehr das Bild einer Familie, gerade dann, wenn sie zölibatär in Männer- oder Frauengruppen zusammenleben wie an der Amalienstraße. "Wir sind ledig, aber nicht alleine", sagt Pablo Kunhardt. Die Idee ist, den Alltag aktiv als Christen zu gestalten und Beruf und Leben zu heiligen, auch ohne Priesterweihe, sagen sie. Tatsächlich ist das Opus Dei ein Bund vor allem der Laien: Nur etwa zwei Prozent der weltweit mehr als 95 000 Mitglieder sind Priester. Die übrigen sind zu etwa einem Drittel sogenannte Numerarier, die ehelos zusammenleben, die anderen haben oft Familie. Etwas mehr als die Hälfte der Mitglieder sind Frauen.

Die Einrichtungen des Opus Dei befassen sich hauptsächlich mit Bildung; zu ihnen zählen neben Studentenheimen auch Institutionen wie die Uni Navarra mit ihrer renommierten Management-Schule IESE, die seit 2015 auch in München einen Campus betreibt. In der Stadt gibt es außerdem zwei Wohnhäuser für Frauen und ein Zentrum im Herzogpark. Mit dem neuen Haus an der Amalienstraße wächst das Angebot, freilich auf niedrigem Niveau. Denn in Deutschland ist das Opus Dei winzig: Es zählt nur etwa 600 Mitglieder.

In Nachbarschaft zur Münchner Uni ist das Opus Dei dabei schon länger präsent: Von 1996 an gab es einen Studententreff an der Schackstraße, ebenfalls in der Nähe des Siegestors; dort lebten drei Mitglieder. Auch dort gab es Angebote schon für Jugendliche ab zehn Jahren. Doch die dortigen 120 Quadratmeter wurden zu klein; das neue Haus verfügt nun über mehr als 700. In den alten Studententreff wird eine Familie einziehen.

"Willkommen auf der Baustelle", sagt Michael Winkler. Der Jurist hat früher das Haus an der Schackstraße geleitet, jetzt wohnt er an der Amalienstraße und gehört zum dreiköpfigen Leitungsteam. Winkler führt durchs Gebäude, was umständlich ist, weil die Treppe bislang nur teilweise betreten werden kann. Die Sanierung sollte eigentlich im Dezember 2017 fertig sein, aber es gab Probleme mit der Statik. Die Bewohner machen das Beste daraus: Sie haben ihren Einzug gefeiert, die erste Messe und die Eröffnung der Dachterrasse. Jetzt freuen sie sich auf die Installation der Schließanlage. Dann sind die Bauarbeiten endlich beendet.

Das Haus an der Amalienstraße ist ein heller, freundlicher Ort, eingerichtet mit viel Holz. Winkler präsentiert die Studienzimmer, eine Dachterrasse mit hübscher Aussicht und Bierbänken und auch die Kapelle, die zwei Dutzend Personen fasst; für größere Versammlungen lässt sich die Wand zum Studienraum nebenan beiseite schieben. Im Keller gibt es außerdem einen Multifunktionsraum, in dem Gäste übernachten können.

Ein Kloster ist das Gebäude nicht. Die Bewohner sind alle Männer, aber dass sie zölibatär leben, das habe sich nur so ergeben, es sei nicht vorgeschrieben, erklärt Winkler. Frauenbesuch sei grundsätzlich auch nicht verboten, sagt Kunhardt.

Was an der Amalienstraße künftig geschehen soll, steht im Detail noch nicht fest. "Das Konzept ist Gemeinschaft und Familie", sagt Kunhardt. Wie diese Schlagworte mit Leben gefüllt werden, hänge von den Bewohnern ab. Er selbst wolle irgendwann eine Lebensberatung anbieten, gerade erst habe er einen Lehrgang dazu abgeschlossen, sagt er. Ein Schwerpunkt wird zudem auf religiöser Bildung liegen. Doch wie breit das Spektrum an möglichen Veranstaltungen ist, zeigt ein Blick auf die Schackstraße. Neben vielen geistlichen Referenten sprachen dort etwa auch der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck über seine Arbeit, der Unternehmer Claus Hipp über seine Unternehmenskultur oder auch 2005 der spätere Kultusminister Ludwig Spaenle, damals Vorsitzender des Hochschulausschusses im Landtag, über Studiengebühren.

Auch der Kontakt zu den Studenten soll schrittweise wachsen. Werbung wollen sie nicht machen, erklärt Kunhardt; vielmehr werden sie direkt Bekannte und deren Freunde sowie Professoren einladen. Und helfen wird wohl bereits die Nähe zur Universität. Schon jetzt kämen hin und wieder Leute zum Haus, erzählt Winkler. Letztens hätten ihn direkt vor der Haustür zwei junge Frauen gefragt, ob sie vielleicht noch ein Zimmer mieten könnten. Dass sie es mit dem Opus Dei zu tun hatten, ahnten die zwei wohl nicht. Winkler antwortete ihnen einfach: "Es ist schon alles voll."

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