Gerade feierte die Bayerische Staatsoper mit ihrer Neuinszenierung von Charles Gounods Faust die erste Premiere im neuen Jahr. Und abgesehen vom Arte-bedingten Stolperer beim Livestream war die Sache ein Erfolg bei Publikum und Kritik. Schon wird es schwer, für die Vorstellungen im Februar noch Karten zu bekommen, um Jonathan Tetelman in der Titelpartie, Kyle Ketelsen als Méphistophélès und Olga Kulchynska als Marguerite zu erleben. Und eine Nathalie Stutzmann am Pult, die man in bayerischen Breiten dann allenfalls erst wieder bei der großen Wagner-Jubiläumssause der Bayreuther Festspiele zu hören bekommt. Aber wer gehört schon zu den happy few, die Karten für den „Rienzi“ ergattert haben.

Womöglich aber hat Stutzmann ja Gefallen gefunden am Staatsorchester und am Münchner Haus. Ein „au revoir“ wäre schließlich schön. Steht doch, was man so hört, in der kommenden Spielzeit eine weitere Goethe-Oper als Klassiker des französischen Repertoires an: Massenets „Werther“. Kandidat für die Titelpartie wäre dann, einfach mal dreist dahin phantasiert, Stutzmanns Landsmann Benjamin Bernheim. Aber all das ist Wunschkonzert! Nach der Spielzeitpräsentation für die Saison 2026/27 am 15. März um 11 Uhr (auch Live-Übertragung auf staatsoper.tv) weiß man mehr, auch darüber, ob Kirill Petrenko im Nationaltheater mal wieder eine Oper, eine russische zumal, dirigieren könnte. Auch da gibt’s Munkeleien.

Wie Roland Schwab den „Fürst Igor“ am Gärtnerplatztheater inszeniert:„Ich mag Geheimnisse im Leben und auf der Bühne“
Ein Pazifist, der ein Kriegsdrama vertont: „Fürst Igor“ war schon für den Komponisten Alexander Borodin eine Herausforderung. Regisseur Roland Schwab, der die Oper am Gärtnerplatztheater München inszeniert, findet jedoch nicht nur diese Schieflage reizvoll.
Ganz real ist an diesem Samstag, 14. Februar, am Gärtnerplatztheater Alexander Borodins Oper Fürst Igor. Roland Schwab inszeniert. Für den gebürtigen Münchner eine „delikate Challenge“, wie er der SZ verraten hat. Eine Herausforderung war das Kriegsdrama auch für den nur im Nebenberuf als Komponist tätigen Chemie-Professor Borodin (Fachgebiet: Polymerisation der Aldehyde), denn der war seiner ganzen Persönlichkeit nach ein harmoniesüchtiger Pazifist. Was aber wohl nicht der Grund war, weshalb er das Werk zu Lebzeiten nicht mehr zu Ende komponieren konnte und diese Aufgabe seinen Komponistenfreunden hinterließ. In einer Szene der Schwab-Inszenierung, von der es bereits ein Foto gibt, sieht man wild diskutierend Alexander Glasunow, Nikolai Rimski-Korsakow und Alexander Borodin um ein Klavier gruppiert. Die Entstehung von Musik als gruppendynamischer Prozess, wie schön.

Zuletzt ging der Preis an das altehrwürdige Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel. Am 23. Februar wird dem kleinen Theater Regensburg bei den internationalen Opera! Awards 2026 der Titel „Bestes Opernhaus 2025“ verliehen. Die Gala findet im eigenen Haus statt, die Jury der Zeitschrift Oper! Das Magazin wird dort insgesamt 20 Preise in verschiedenen Kategorien verteilen. Zu den Gästen des längst ausverkauften Abend-Events gehören Cecilia Bartoli, Jonathan Tetelman, Barrie Kosky, Christof Loy, Ermonela Jaho, Nadezhda Karyazina, Erin Morley und Miina-Liisa Värelä.
Der Lebens- und Ehrenpreis geht an Jürgen Rose, 88. „Ein Lebensgesamtkunstwerk, das in keine Schublade passt. Fast sämtliche Gewerke hat dieser Künstler bedient, Bühne, Kostüme und Dramaturgie mitgeschaffen für mehr als 300 Opern, Schauspiele, Ballette und Operetten, auch selbst Regie geführt. Sogar als Schauspieler trat er auf, in seinen Anfängen. Den Durchbruch erzielte er mit 25, mit Crankos Romeo und Julia in Stuttgart. Seinen Abschied nahm er mit Wagners Ring in Genf, mit 76. Stets traf er den Punkt, als Perfektionist im Team. Dafür wurde er geliebt, gefürchtet – und stilbildend für eine ganze Schülergeneration.“ So heißt es in der offiziellen Laudatio der Jury.
An der Bayerischen Staatsoper kann man Roses großartiges Schaffen wieder am 28. Februar und dann im März in John Crancos Ballett „Onegin“ bewundern. Seit 1972 im Repertoire des Bayerischen Staatsballetts, fasziniert diese Produktion noch immer mit Roses stimmungsvollem Bühnenbild und der detailreichen Eleganz der Kostüme.

Überhaupt, die Bayerische Staatsoper ohne Jürgen Rose? Kaum vorstellbar. Allein in den kommenden Monaten ist seine Kunst zudem in John Neumeiers Balletten Illusionen – wie Schwanensee und Die Kameliendame sowie in seiner wohl berühmtesten Großtat am Haus, Bellinis Oper Norma aus dem Jahr 2006, zu erleben. Hier hat Rose nicht nur die schräge, azurblaue Bühne und die Kostüme entworfen, sondern auch selbst inszeniert.

