bedeckt München 25°

Oper:Töte, was du liebst

Johannes Erath inszeniert Verdis "I Masnadieri" am Nationaltheater. Das selten gespielte Musiktheater basiert auf Friedrich Schillers Drama "Die Räuber". Diana Damrau gibt darin ihr Rollendebüt als Amalia, die muskalische Leitung hat Michele Mariotti.

Flieh, aber töte mich erst", so fordert es Amalia von Carlo am Ende von Verdis "I Masnadieri". Das Stürmende und Drängende, das in dieser unabdingbaren Konsequenz auch in der literarischen Vorlage von Friedrich Schiller liegt, hat Librettist Andrea Maffei übernommen. 1845 begann Verdi Schillers "Die Räuber" als Musiktheater zu denken, die Uraufführung, der Queen Victoria beiwohnte, folgte 1847 in London. Giuseppe Verdi hat sie selbst dirigiert.

Für die Bayerische Staatsoper, die "I Masnadieri" nun in einer Neuinszenierung von Johannes Erath zeigt, erfüllt sich in dieser tödlichen Konsequenz aber auch das diesjährige Spielzeitmotto drastisch. "Kill your Darlings" lautet das und eigentlich bezeichnet die englische Phrase einen Prozess, in dem sich etwa ein Künstler von einer liebgewonnenen Idee trennt. Doch in der Selbstaufopferung von Amalia, die letztlich von ihrem Geliebten erstochen wird, wird dieses Motto wörtlich genommen. Der Geliebte tötet seine Geliebte. Der Bruch und der Konflikt zwischen den Brüdern Carlo und Francesco ist eskaliert.

Regisseur Johannes Erath, der an der Bayerischen Staatsoper bereits 2016 Verdis "Un ballo in maschera" inszeniert hat, hat für diesen archaischen Konflikt nun einen beinahe rationalistischen Lösungsvorschlag. Denn Erath argumentiert psychologisch. Er fragt, wo in dem Konflikt der Brüder um Amali die zweite wichtige Frau im Leben der Männer sei. Denn die Mutter fehlt in der Vorlage genauso wie im Libretto. Also inszeniert Erath die Mutter als Tote und als große Leerstelle.

Düstere Szenerie: Selbstmordgedanken und die Imagination seines Bruders (rechts) plagen Charles Castronovo als Carlo in "I Masnadieri".

(Foto: Wilfried Hösl)

Um das zu visualisieren, nutzt er eine musikalische Besonderheit. Die Ouvertüre dieses Werks ist beinahe wie ein Cello-Konzert komponiert. Diese Solostimme ist tragend, schmerzlich und warm - und völlig ungewöhnlich für den musikalischen Vorspann einer Oper. Erath verknüpft diese Stimme nun gedanklich mit der Mutter, vielleicht sei diese Cellistin gewesen? So legt er ein psychoanalytisches Erklärungsmodell über die Handlung.

Diana Damrau gibt in der selten aufgeführten Oper ihr Rollendebüt als Amalia, Charles Castronovo (Carlo) und Igor Golovatenko (Francesco) singen die beiden Brüder unter der musikalischen Leitung von Michele Mariotti.

I Masnadieri, So., 8. März, 18 Uhr (Premiere), Nationaltheater, Max-Joseph-Platz 2, Telefon 21851920, Live-Übertragung auf BR-Klassik

© SZ vom 05.03.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite