Was läuft in München im Musiktheater?Von Rigoletto bis Blaubart: Wenn Männer Macht missbrauchen

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Reichlich Münchner Lokalkolorit bringt die Kammeroper Ende März auf die Bühne. „Münchner Leben“ heißt das Stück.
Reichlich Münchner Lokalkolorit bringt die Kammeroper Ende März auf die Bühne. „Münchner Leben“ heißt das Stück. Tobias Melle

Im März dominieren fragwürdige Adlige die Münchner Musiktheaterbühnen: von Verdis Herzog in „Rigoletto“ über Bartóks „Herzog Blaubart“ bis zu Lehárs Grafen. Doch auch starke Frauenfiguren wie Händels „Alcina“ haben ihren Auftritt.

Von Paul Schäufele

Diesen Monat geht es um Männer. Nicht, dass diese sich sonst über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen dürften. Aber auch auf den Bühnen der Münchner Musiktheater können sie in den nächsten Wochen studiert werden, vor allem solche angeblichen Edelleute, die Macht und Einfluss anhäufen und dabei wenig Rücksicht nehmen auf alle drumrum.

Den Anfang macht Giuseppe Verdis immer neu herausfordernder „Rigoletto“, der weit mehr zu bieten hat als die Musik zur Pizza-Werbung. Primär geht es um einen dauererregten Herzog und seinen körperlich deformierten Hofnarren, an dem die psychologischen Effekte eines Fluchs als selbsterfüllende Prophezeiung spürbar werden. Immer spannend, was die Regie aus dem Repertoire-Klassiker herausholt. An der Bayerischen Staatsoper nimmt sich Barbara Wysocka der Aufgabe an. Es ist ihre zweite Regie-Arbeit am Haus, aber ihre „Lucia di Lammermoor“ war seit der Premiere 2015 x-mal zu sehen. Am Samstag, 7. März, wird der Träger des Dschingis-Kahns-Ordens (!) Ariunbaatar Ganbaatar Rigoletto singen – Ludovic Tézier übernimmt die Rolle im Sommer für zwei Festspiel-Abende –, Serena Sáenz spielt seine Tochter und Bekhzod Davronov den affektgeladenen Duca.

Der ist zwar mit seiner skrupellosen Lüsternheit kein Heiliger, wirkt aber neben diesem Adelsmann geradezu niedlich: „Herzog Blaubart“ entführt dank Béla Bartóks ingeniöser Nachtmusik und dem symbolistischen Libretto von Béla Balázs in eine verführerische Traumwelt. Das Jewish Chamber Orchestra Munich übersetzt in den Kammerspielen das Märchenstück am Sonntag, 15. März, in die Form einer „Minimal-Oper“, bei der Levente Páll (sonst am Gärtnerplatztheater) und Andrea Brassói-Jörös den Herzog und seine Frau Judit singen.

Sympathischer ist da schon der Graf von Luxemburg. Sympathisch ist er auch deshalb, weil er zwar Graf, aber knapp bei Kasse ist. Deshalb lässt er sich von einem besser betuchten Baron in eine typisch operettenhaft verwickelte Geschichte einbinden, muss dafür eine Scheinheirat vollziehen, verliebt sich aber wirklich in die zum Schein geheiratete Dame. Am Freitag, 27. März, hat Franz Lehárs Stück am Gärtnerplatztheater Premiere.

Den Operetten-Aficionados geht es überhaupt gut in diesen Tagen. Direkt nach der Lehár-Sause, am Samstag, 28. März, erlebt ein ganz spezielles Stück seine Welturaufführung. „Münchner Leben“ heißt es und ist die neueste Erfindung der immer erfinderischen Kammeroper München. Das freie Ensemble stellt Klassiker der Spielpläne in neuem musikalischen Gewand dar, mit weniger Musizierenden, aber effektvoll bearbeitet. Normalerweise ist das so. Für Ende März hat sich Regisseur Dominik Wilgenbus eine eigene Geschichte ausgedacht, mit reichlich Münchner Lokalkolorit (unter anderem Kini, Wagner, Wiesn). Mit dem musikalischen Leiter Aris Alexander Blettenberg hat er die rasante Handlung mit allerlei Nummern aus den Werken von Jacques Offenbach unterlegt – Pariser Operette in Lederhosen.

Kontrastprogramme bieten die Opernhäuser außerhalb von München, mit älterer Musik und Stücken, in denen weibliche Figuren die Handlung vorantreiben. Das Theater Regensburg, vor wenigen Tagen bei den „Oper!-Awards“ als bestes Haus ausgezeichnet, bringt von Samstag, 21. März, an Händels „Alcina“ auf die Bühne und damit eine der vielschichtigsten Frauenfiguren der Operngeschichte. Im Gegensatz zu Alcina kann die Marchesa in Mozarts „La finta giardiniera“ (Die Gärtnerin aus Liebe) zwar nicht zaubern, nutzt aber ihre Verstellungskünste, um ihre Ziele zu erreichen. Die allerlei erotischen Verwirrungen inszeniert Altmeisterin Brigitte Fassbaender, die vor einigen Jahren die Rolle des Cavaliere Ramiro selbst gesungen hat. Die Opera buffa hat am Staatstheater Nürnberg Premiere, auch am 21. März. Den Schlusspunkt der Opernpremieren im März setzt eine der epochemachenden Musiktheater-Schöpfungen am Samstag, 28. März, am Augsburger Staatstheater. „L’incoronazione di Poppea“ (Die Krönung der Poppea) von Claudio Monteverdi ist Historiendrama, Liebesgeschichte und vor allem eine bissige Abrechnung mit den Intrigen und Machtspielen nicht nur seiner Zeit. Ein ständig aktuelles Meisterwerk.

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