Süddeutsche Zeitung

Open-Air:Schleiertanz im Sitzen

Bei der "Oper für alle" auf dem Max-Joseph-Platz ist Richard Strauss' "Salome" zu sehen.

Im letzten Jahr brauchten Zuschauer für die "Oper für alle" ordentlich Sitzfleisch. "Parsifal" stand auf dem Programm, fünf Stunden Bodensitzen auf dem Max-Joseph-Platz. In diesem Jahr ist das Programm da deutlich rückenfreundlicher: "Salome" von Richard Strauss, mit gut zwei Stunden für eine Oper vergleichsweise kurz. Was das Erlebnis aber nicht mindert: Kirill Petrenko dirigiert das Bayerische Staatsorchester, Marlis Petersen singt die Salome, Krzysztof Warlikowski inszeniert sie mit Bühnenbildnerin Małgorzata Szczęśniak zwischen Bücherregalen und Schwimmbad, alles live von der Opernbühne auf den Platz vor dem Nationaltheater übertragen. Das Werk basiert auf einem Schauspiel von Oscar Wilde, Strauss richtete es selbst als Libretto ein. Es geht um die Prinzessin Salome, belästigt vom Stiefvater Herodes und fasziniert vom eingesperrten Propheten Jochanaan, Johannes dem Täufer. Der weist die Avancen der Prinzessin ab, worauf die ihrem Stiefvater mit einem erotischen Schleiertanz einen Wunsch abringt: Sie will den Kopf des Jochanaan. Warlikowski Interpretation kann man bei "Oper für alle" kostenlos sehen.

Am 20. Juli wird dann als zweiter Teil von "Oper für alle" das Festspielkonzert, auch wieder unter der Leitung von Kirill Petrenko, mit Gershwin und Auszügen aus Broadway-Musicals auf dem Marstallplatz übertragen. Bei beiden Veranstaltungen sollte man für einen guten Platz früh da sein. Essen und Getränke dürfen mitgebracht werden, Glasflaschen und sperrige Gegenstände wie Klappstühle und Kinderwagen sind nicht erlaubt.

Oper für alle: Salome, Samstag, 6. Juli, 20 Uhr, Max-Joseph-Platz; Festspielkonzert, Samstag, 20. Juli, Marstallplatz

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SZ Extra vom 04.07.2019/smb
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