Oper für alle, „Tristan und Isolde“ am 31. Juli 2021, coronabedingt am Münchner Marstallplatz. Moderator Thomas Gottschalk im blauen gemusterten Sakko bittet einen sehr wichtigen Herrn von BMW, dem Sponsor des Events, doch kurz mal sein Script zu halten, damit er – Gottschalk – seine etwas verrutschte Hose hochziehen könne. Ein typischer Gottschalk-Moment, den man nun zum Fremdschämen finden konnte oder eben unglaublich lässig. Was Oper für alle 2024 angeht, hat man das untrügliche Gefühl, dass so etwas für den neuen Moderator Steven Gätjen ein absolutes No-Go wäre. Der Mann ist schließlich Hamburger (auch wenn er in Phoenix, Arizona, zur Welt kam). Mit Gätjen hat die Staatsoper jemanden gefunden, der so schnell nicht die Contenance verliert. Was hat er nicht alles schon moderiert?

Wenn Gätjen in der Spielshow „Joko & Klaas gegen ProSieben“ den beiden Entertainern die Regeln für die verrücktesten Challenges erklärt, trägt er schon mal Sweatshirt oder Holzfällerhemd. Stets hat man aber das Gefühl, dass der 51-Jährige seine Aufgabe äußerst ernst nimmt. Egal, was er gerade zu moderieren hat, seien es in der Vergangenheit MTV-Sendungen, die „Wok-WM“, das „TV total Turmspringen“, der Bayerische Fernsehpreis, die Goldene Kamera, die Invictus Games und in jedem Jahr die Live-Übertragung vom Red Carpet bei den Oscars. Man erinnert sich an das Interview mit Boris Becker über dessen Haft. Und beeindruckend feinfühlig war Gätjen in der ZDF-Doku „Mit 80 Jahren um die Welt“, als er Seniorinnen und Senioren bei einer Tour rund um den Globus begleitete.

Und nun der Moderatoren-Job bei Oper für alle als Nachfolger von Thomas Gottschalk und Nina Eichinger. Was er empfunden hat, als die Anfrage kam? „Ich habe mich sehr gefreut. Dieser neuen Herausforderung stelle ich mich gerne. Toll, dass die Oper für alle für alle frei zugänglich ist und jeder in den Genuss von Giacomo Puccinis ,Tosca’ kommen kann, und ich werde versuchen, mit meinem Beitrag abzurunden. Und wer nicht vor Ort dabei sein kann, kann alles im Stream auf Staatsoper.tv erleben.“ Wie es seine Art ist, werde er sich auch dieses Mal wieder detailliert vorbereiten und alles aufsaugen, was es zu diesem Event und dieser Oper zu sehen und zu hören gibt. „Auch wenn ich nicht der Opernexperte bin, kann mein interessierter und objektiver Blick hoffentlich Laie wie Profi begeistern.“
Wann er zuletzt in der Oper war? „Das ist schon ein bisschen her, aber umso mehr freue ich mich jetzt, wieder hautnah dabei zu sein.“

