Online-Shoppping:So will Amazon Fresh den Münchner Supermärkten Konkurrenz machen

Online-Shoppping: Von der Hopfenpost aus beliefert Amazon Münchner Kunden.

Von der Hopfenpost aus beliefert Amazon Münchner Kunden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • In wenigen Monaten will Amazon Fresh in München auch leicht verderbliche Waren an Kunden liefern - in nur ein bis zwei Stunden Lieferzeit.
  • Bereits jetzt werden Produkte wie vakkuumverpackte Weißwürste oder Brote von der Bäckerei Rischart angeboten.
  • Der Konzern hat seine Deutschlandzentrale seit 16 Jahren in München und baut in der Stadt derzeit den vierten Standort.

Von Pia Ratzesberger

Die Weißwürste kosten 3,59 Euro, vier Stück, vakuumverpackt, von der Metzgerei Vinzenzmurr. Die Webseite schlägt einem gleich noch süßen Senf vor, auch Obazda und Brot vom Bäcker Rischart. In Amazons digitalem Supermarkt finden sich manche Münchner Händler, schon jetzt liefern die Boten innerhalb von ein bis zwei Stunden in der ganzen Stadt Tausende Artikel aus. In wenigen Monaten soll Amazon Fresh starten und dann auch noch leicht verderbliche Waren an die Haustüre bringen. Also vielleicht frische Weißwürste statt vakuumverpackte.

In einem Gewerbegebiet im Osten ziehen Arbeiter gerade eine neue Logistikhalle hoch, insgesamt 15 000 Quadratmeter, zwei Etagen und Kühlräume, es ist der mittlerweile vierte Standort in München. Keine andere deutsche Stadt ist so mit dem Konzern verbunden wie diese, vor 16 Jahren hat Amazon seine Deutschlandzentrale hierher verlegt.

Hier führt das Unternehmen ein eigenes Logistikzentrum mitten in der Innenstadt, gleich beim Augustiner-Keller, probiert neue Angebote aus, wie die Lieferung innerhalb von zwei Stunden oder die Lieferung aus dem Kühlregal. Im Laufe des Jahres will die Firma mehr als 2000 neue Stellen in Deutschland schaffen, einige davon auch in der Region München. "Hier sind wir groß geworden und wir sind weiter auf Wachstumskurs", sagt der Amazon-Chef für Deutschland, Ralf Kleber.

In der Zentrale in der Marcel-Breuer-Straße in Schwabing arbeiten heute mehr als 1000 Leute, als Amazon vor 16 Jahren aus einem Gewerbegebiet in Hallbergmoos zum ersten Mal umzog, damals in die Moosacher Straße, waren es gerade einmal um die 200. Die Firma plante, Räume an andere unterzuvermieten. Man brauchte noch nicht so viel Platz, Amazon war vor allem als Online-Buchhändler bekannt. Mittlerweile handelt der Konzern mit schier allen denkbaren Waren, allein für seinen schnellen Lieferservice in München führt er mehr als 10 000 Artikel, ob Toilettenpapier, Büroklammern oder Entrecôte.

Vor zwei Jahren hat Amazon ein eigenes Verteilzentrum in Olching eröffnet, wollte unabhängiger sein. Schon damals mutmaßte man, dass Kunden ihre Waren noch am gleichen Tag der Bestellung erhalten sollen. Im früheren Zentralpostamt der Stadt, in der Hopfenpost beim Hauptbahnhof, richtete der Konzern noch ein zweites Zentrum ein, dorthin schickt zum Beispiel die Bäckerei Rischart ihre Semmeln und Laibe, von dort verteilt sie Amazon an seine Prime-Kunden weiter, seit vergangenem Sommer gibt es dieses Angebot.

Die Kunden zahlen für ihre Mitgliedschaft 8,99 Euro im Monat, wer das Entrecôte innerhalb von nur einer und nicht zwei Stunden in der Küche haben will, muss noch einmal 6,99 Euro pro Lieferung drauflegen, der Einkauf im Netz ist schnell ein teurer. Vielleicht testet Amazon aber auch gerade deshalb in einer Stadt wie München solche Angebote mit als Erstes, wo viele Leute wohnen, die sehr gut verdienen, noch dazu viel arbeiten und wenig Zeit haben.

Beim Handelsverband Bayern glaubt man nicht, dass Amazon Prime Now oder Amazon Fresh das Geschäft der Supermärkte in der Stadt bedrohen, die Waren seien für die Masse noch zu teuer. Bisher würden gerade einmal 0,8 Prozent aller verkauften Lebensmittel in München online bestellt. Zwar rechne man damit, dass dieser Anteil in den kommenden Jahren noch steigen werde, manche Branchenbeobachter gehen von bis zu zehn Prozent bis zum Jahr 2020 oder 2025 aus. Aber es gebe noch immer so viele Supermärkte in der Stadt, dass die meisten Münchner es nicht weit zum nächsten Geschäft hätten, heißt es beim Handelsverband. Der Einkauf dort sei für sie also ähnlich bequem wie der Einkauf im digitalen Supermarkt und vor allem günstiger.

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