Online-Partnerbörsen Wie es on- und offline funktionieren kann

Sabine Brahms hat ihren neuen Freund schließlich ganz anders kennengelernt. Er wohnte nebenan. Verteufeln will sie die Onlinesuche aber nicht. "Wenn man genau weiß, was man will und gezielt vorgeht, kann das gut funktionieren." Viele aus dem Freundeskreis der 40-Jährigen haben sich in Netzbekanntschaften verliebt, daraus sind enge, liebevolle Partnerschaften entstanden.

"Anders ist es einfach schwer in der Stadt: Der Freundeskreis ist irgendwann ausgeschöpft, die Cliquen mischen sich nicht besonders durch. Und alle haben hohe Ansprüche: Du trägst die falschen Klamotten, schon war es das wieder." Auch Julia Germer, Anfang 30 und seit Jahren Single, empfindet das Münchner Nachtleben als schwieriges Pflaster: "Wenn du hier jemand anquatschen willst, brauchst du echt einen guten Spruch, sonst bekommst du gleich so einen Was-willst-du-überhaupt-von-mir-Blick."

Wie Lotto spielen, statt zu arbeiten

Ab 30 sind oft große Teile des Freundeskreises in festen Händen, haben Kinder. Es wird dann für Singles schon schwierig, jemanden zu finden, der sich mit einem in die Nacht stürzen will, um auf Suche zu gehen. Bleibt der Bekanntenkreis, der oft schon so zementiert ist, dass kaum neue Leute dazu kommen. Oder die Arbeit. Immer heikel. Oder der romantische Zufall, der zwei Fremde gleichzeitig zum letzten Joghurt greifen lässt. Aber nur auf den zu vertrauen, das ist ein bisschen wie Lotto spielen statt zu arbeiten. Und dann muss man auch noch den Mut aufbringen, den anderen anzusprechen.

Vor zwei Jahren war die Facebookseite "Spotted: Stabi München" angesagt, auf der Studenten statt zu lernen anzügliche Nachrichten über Kommilitonen veröffentlichen konnten, heute gibt es Apps gegen das Ärgernis "Gesehen - toll gefunden - nicht angesprochen". "Happn" zum Beispiel zeigt die Menschen an, die gerade im eigenen Umfeld waren. Auf der MVV-Seite veröffentlichen Fahrgäste unter der Rubrik "Flirtwillige" Nachrichten wie diese, aus der S 8: "Den großen starken blonden Mann möchte ich wiedersehen, der mir schräg gegenübersaß und einen Apfel gegessen hat, so wie ich."

Fred Hummel nutzt die Dating-App Tinder gern, statt auf den Zufall zu vertrauen. Er hat breite Schultern und ein entspanntes Selbstbewusstsein. Eigentlich niemand, der Probleme haben dürfte, Frauen kennenzulernen. "Aber die Münchner sind einfach distanziert", sagt der 28-Jährige. "In Hamburg oder Berlin sind die Leute offener. Wenn man in München eine Frau anspricht, zieht sie oft so ein Gesicht, als gehe man ihr auf die Nerven. Kann zwar eine Masche sein, aber anstrengend ist das schon."

Von der Tindergeschichte zur Beziehung

Tinder erspart ihm genervte Gesichter. Und eine reine Sexplattform sei es auch nicht. "Viele Frauen, mit denen ich schreibe, wollen sich auf einen Kaffee treffen. Dann sagt jeder einmal, wie albern er Tinder eigentlich findet, und dann schaut man, was draus wird. Das ist auch nicht anders als jedes andere Date." Aus einer seiner Tindergeschichten ist jetzt eine glückliche Beziehung geworden.

Partnersuche "Männer sollten Nutzer anschreiben, die in ihrer Liga spielen"
Interview
Dating-Website Okcupid

"Männer sollten Nutzer anschreiben, die in ihrer Liga spielen"

Wer trifft welchen Liebes-Kandidaten - und warum? Onlinedating-Seiten sind eine riesige Datensammlung über Vorlieben und Verhalten ihrer Nutzer. Für das US-Portal Okcupid hat Mitgründer Christian Rudder sie analysiert.   Von Franziska Schwarz

Um Tinder ist so ein Kult entstanden, dass es mittlerweile Tinder-Mottopartys gibt. Die Gäste bekommen am Eingang einen Stapel Herzen in die Hand. Die können einem potenziellem Flirt aufs Shirt gedrückt werden, und wenn dem das gefällt, klebt er ein Herz zurück. Vor zwei Wochen fand die erste Party in München statt. In anderen Städten war der Andrang allerdings größer. Es erfordert eben mehr Mut, einen Aufkleber zu verteilen, als einmal über den Bildschirm zu wischen. Man riskiert eine Blamage. Und wenn man sich irgendwo nicht gern blamiert, dann in München.

Mona Schwartz hofft jetzt auf die Weihnachtsmärkte. Auf nahes Zusammenrücken in der Kälte und auf den Glühwein, der Hemmungen löst. Falls es da nicht klappt, so weiß man in München zumindest eines sicher: Die nächste Wiesn kommt bestimmt.