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Online-Handel:Aushilfen statt Kurzarbeit

Lieferanten für Lokale finden in der Krise neue Kunden

Die Münchner Restaurantgäste lassen die Lieferanten ihrer Lieblingslokale nicht im Stich. So erlebte der Züchter Franz Riederer von Paar vom Gutshof Polting mit seinem bekannten Poltinger Lamm einen wahren Boom an Bestellungen nach einem SZ-Bericht ("Es geht ums nackte Überleben") über die Nöte der Lieferanten wegen der Corona-Krise. Riederer, der sonst Restaurants und Sterneköche beliefert, stellte quasi über Nacht auf Online-Handel für Privatkunden um - und kann nun in kürzester Zeit 350 neue Kunden verzeichnen. "Eigentlich dachte ich ja, ich muss jetzt Kurzarbeit anmelden", sagt Franz Riederer, "stattdessen musste ich zwei neue Aushilfen einstellen." Seine beiden Söhne betreuen die Plattform, einer hat bereits entsprechende Erfahrungen mit einem eigenen Start-up in Berlin gesammelt.

Auch die Fischzucht Birnbaum bei Landsberg, die sonst die Gastronomie beliefert, hat viel Zuspruch aus München erfahren. "Wir liefern zwar nicht an Privatkunden nach München aus", sagt Angela Birnbaum. "Da würden wir uns verzetteln. Aber wir hatten viele Anfragen, und manche kommen auch am Hofladen vorbei." Einmal, erzählt sie, kam eine Münchnerin vorbei, die in der Nähe arbeitet, und bestellte Fische für 34 Euro. Sie ließ eine Kühltasche zurück, Angela Birnbaum tat die Fische hinein und legte einen Euro dazu, "als Wechselgeld, falls sie nur einen Fünfeuroschein hat". Die Kundin holte die Fische ab und ließ 50 Euro da: "Zu einem Herz gefaltet - das war wirklich sehr, sehr nett!"

Auch der Gemüseproduzent Johannes Schwarz aus Johanneskirchen, der sonst Sterneköche beliefert, erlebte eine angenehme Überraschung: Die Ismaninger Unternehmensberatung Maihiro überarbeitete ihm kostenlos seine brachliegende Homepage kinara-gemuese.de und installiert gerade einen Online-Shop dafür, der Ende der Woche ans Netz gehen soll. Dann kann man bei ihm online Gemüse bestellen und von kommender Woche an auch Tomaten- und Gurkensetzlinge in der Gärtnerei abholen.

© SZ vom 08.04.2020

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