Olympiaturm:Münchens Spitze

Vor 50 Jahren eröffnete der Münchner Fernsehturm. Der höchste in Deutschland sollte es werden, doch mit 291 Metern scheiterte das Wahrzeichen. Beeindruckend ist es dennoch.

Von Günther Knoll

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Das Münchner Olympiagelände, 2007

Quelle: Stephan Rumpf

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Die Spitze

Ursprünglich hätte er einmal 330 Meter hoch werden sollen, der Turm, den die Stadt München und die Bundespost gemeinsam auf dem Oberwiesenfeld errichten ließen. Wegen der Nähe zum Flugbetrieb in Riem musste man sich dann aber mit einer Höhe von nicht ganz 290 Metern begnügen. Immerhin war das bei der Fertigstellung 1968 noch hoch genug, um sich als Deutschlands höchster Fernsehturm brüsten zu können. Außerdem war dieses Bauwerk wie geschaffen als Wahrzeichen für die Olympischen Sommerspiele 1972 in München.

Inzwischen ist Münchens höchstes Gebäude, dreimal so hoch wie die Frauentürme, im internationalen Vergleich der Fernsehtürme aber nur noch ein Zwerg. Der Turm in Tokio bringt es als Rekordhalter auf stolze 624 Meter. Und obwohl der Münchner Olympiaturm 2005 eine um 1,75 Meter höhere neue DVB-T-Sendeantenne erhielt, die per Hubschrauber montiert wurde, ist er mit nun 291,28 Meter Höhe nicht einmal mehr Bayerns Rekordhalter, der Nürnberger Fernsehturm ist mit 292 Meter um knapp einen Meter höher.

Olympiaturm Olympiapark

Quelle: Florian Peljak

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Wer sich ganz hinauf begeben will bis zur Antenne, der muss zum einen klettern können und schwindelfrei sein und zum zweiten Strahlenschutzausrüstung tragen, denn gesendet wird von Münchens höchstem Punkt aus noch immer. In der Regel müssen heute nur noch die Leuchten an der Antenne ausgetauscht werden. Das erledigen Spezialisten, die unter anderem auch für die Technik des Senders auf dem Brocken zuständig sind.

Obwohl inzwischen die neue Technik Einzug gehalten hat mit Kabel und Satellit, die hochaufragende Sendeanlagen überflüssig machen, wird aus dem Olympiapark weiter gesendet, analog wie digital, fürs Fernsehen wie fürs Radio und sogar für den Amateurfunk. Insgesamt versorgt der Sendebereich des Olympiaturms etwa sechs Millionen Zuschauer mit Fernsehprogrammen. Auch in Südtirol sind mit guten Antennen die Sendesignale aus München locker zu empfangen.

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Quelle: Claus Schunk

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Die Treppen

Sogar Spezialeinsatzkräfte der Polizei kommen zum Training ins Treppenhaus, wie Betriebsleiter Ulrich Bodammer. Er selbst sei einmal mit einem jungen italienischen Touristen von der Aussichtsplattform heruntergelaufen, weil der sich nicht mehr in den Aufzug getraut habe.

Der Brandschutz im Treppenhaus wurde nach einem Feuer im Moskauer Fernsehturm aufgerüstet: unter anderem mit Düsen, die feinen Löschnebel produzieren, und Überdruck bei Feueralarm. Die Betontreppe reicht bis auf 204 Meter, dann geht es auf einer schmalen Wendeltreppe aus Stahl auf fast 250 Meter, danach heißt es klettern bis zur Antenne.

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Quelle: Claus Schunk

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Die Plattform

Sie ist die Attraktion für viele Besucher des Olympiaparks, die Aussichtsplattform auf dem Turm. Die Bautechnik spricht von einem Aussichtskorb, der dort zwischen 174,15 und 192,6 Metern Höhe angebracht ist. Neben Betriebsraum und Restaurant sind es die Plattformen, von denen aus die Besucher einen herrlichen Blick auf die Landeshauptstadt und die Umgebung haben.

Die markanten Punkte sind auf einem Glaspanorama verzeichnet, sodass man bei entsprechendem Wetter die Gipfel der Alpenkette einzeln aufzählen kann. Natürlich darf auch ein Gipfelbuch nicht fehlen: Das besteht im Fall des Olympiaturms aus ein paar Quadratmetern weißer Wand, auf der sich die Besucher, immerhin rund 600 000 pro Jahr, verewigen können. Wenn das "Buch" voll ist, wird einfach frisch gestrichen. Eine Besonderheit ist das kleine, aber feine Rockmuseum im Inneren der Plattform.

'Restaurant 181' im Münchner Olympiaturm, 2011

Quelle: Stephan Rumpf

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Der Drehort

Den Sternen ganz besonders nah können sich die Gäste des "181" im First Class Separee wähnen, das von Arena One Germany betrieben wird. In dem gleichnamigen Drehrestaurant auf 181 Metern Turmhöhe ist der Profikoche Karl-Heinz Kellner zugange. Nicht nur die Speisekarte verspricht dort einen besonderen Genuss, sondern auch der unverstellte Panoramablick.

Diesen gewährleistet eine ganz besondere Schlittenkonstruktion unterhalb der Restaurantplattform: Auf Kufen dreht sich diese Kanzel in 53 Minuten einmal um 360 Grad. Diese Drehgeschwindigkeit lässt sich auch verlangsamen oder erhöhen, doch mit der knappen Stunde genießen die meisten Restaurantbesucher mindestens einmal den kompletten Rundumblick auf München und seine Umgebung.

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Quelle: Claus Schunk

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Der Betriebsraum

Sogar eine Werkbank gibt es, sonst aber dominieren Schalter und Knöpfe. Der Betriebs- und Maschinenraum im Technikgeschoss unter der Aussichtskanzel beherbergt unter anderem die drei Motoren für die beiden Besucherfahrstühle und den Lastenaufzug. Von diesem Raum aus ist auch die Drehmechanik des Restaurants zu steuern und zu warten. Das meiste davon passiert inzwischen per Knopfdruck.

Umständlich wird es mit dem Fettabscheider für die Restaurantküche, der ebenfalls im Technikraum installiert ist. Der muss wöchentlich ausgeleert werden, der Inhalt wird in der Tonne mit dem Aufzug nach unten gefahren. Auch Hinweise auf inzwischen überholte Technik sind hier noch zu finden, etwa ein Schild, das auf die Personensuchanlage hinweist. Die war nötig, als es noch keine Handys gab. Die Feuerwehr hat ihr eigenes Depot weiter unten im Treppenhaus in 150 Metern Höhe.

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Quelle: Claus Schunk

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Der Postkorb

Er ist so etwas wie das Geheimnis des Olympiaturms - der Postkorb, in dem die Sendevorrichtungen untergebracht sind. Die Bundespost hat den Betrieb schon längst weitergegeben, zuerst an die Telekom, inzwischen ist Media Broadcast zuständig, der größte deutsche Anbieter für Bild- und Tonübertragungen. In früheren Zeiten waren bis zu 20 Mitarbeiter in der Kanzel tätig, um den Betrieb zu gewährleisten, heute geschieht das alles längst elektronisch.

Weil sich Stadt und Post damals nicht auf ein gemeinsames Betriebsstockwerk einigen konnten, hat der Münchner Turm zwei Kanzeln: die obere Aussichtskanzel für touristische Zwecke, die untere für den eigentlichen Zweck des Bauwerks als Sendeturm. Die Trennung beginnt bereits unten im Vorfeld des Turms, wo es den "Posthof" genannten Bereich mit dem Zubehör und der Technik für die Sendeanlagen gibt.

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Quelle: Claus Schunk

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Der Aufzug

Die Aufzüge im Turm sind nicht jedermanns Sache. Mit einer Geschwindigkeit von sieben Metern pro Sekunde gelangt man mit ihnen in 30 Sekunden von null auf fast 200 Meter Höhe. Je 30 Personen fassen die beiden Kabinen, die für den Publikumsverkehr gedacht sind. Der Lift für Personal und Restaurant ist kleiner und langsamer. Im Schnitt 600 000 Besucher nutzen die Aufzüge, um dann von oben die Aussicht zu genießen.

Sollte es einmal zu einer Panne kommen, dann ist eine sogenannte Rendezvous-Technik eingebaut: Der funktionierende Fahrstuhl fährt auf gleiche Höhe des stehenden, sodass die Fahrgäste komfortabel durch Nottüren umsteigen und dann weiterfahren können. Wegen der Geschwindigkeit ist die Aufzugstechnik zwar sehr sensibel, dank ständiger Wartung kommt es aber selten zu solchen Störungen, die Lifte fahren täglich von neun bis 24 Uhr.

Fernsehturm: Bau und Eröffnung

Quelle: SZ Photo/UPI

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Die Bauarbeiten

Begonnen wurde am 1. Juni 1965, vollbracht war das Werk am 22. Februar 1968. Dazwischen liegen rund 40 000 Tonnen Beton, 2000 Tonnen Stahl sowie ein Höhenunterschied von insgesamt fast 300 Metern. Der Münchner Olympiaturm hatte ursprünglich mit Olympischen Spielen gar nichts zu tun, sondern wurde zur Verbesserung der Sendeleistung erbaut.

Die Bauweise in sogenannter Kletterschalung ist eine Meisterleistung. Eine Ausstellung auf der offenen Besucherplattform erinnert an den Baubeginn von 1965. Gezeigt werden Fotos zur Baugeschichte sowie Wetterphänomene, die vom Turm aus aufgenommen wurden.

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Quelle: Claus Schunk

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Der Betriebsleiter

Ulrich Bodammer ist als Betriebsleiter für den Olympiaturm zuständig. Seit 17 Jahren macht der 57-jährige staatlich geprüfte Elektroniktechniker diesen Job. Wenn er durch den Turm führt, dann merkt man schnell, dass er diesen in den 17 Jahren in- und auswendig kennen und auch lieben gelernt hat. Vielleicht liegt das auch daran, dass Bodammer nicht nur sein Büro direkt zu Füßen des Turms hat, sondern dort auch "mit Frau und Kind und zwei Hunden" wohnt.

"Man arbeitet in angenehmer Umgebung", antwortet er auf die Frage, wie er mit all den Touristen und dem Rummel im Olympiapark so zurechtkommt. Während der Führung klingelt sein Handy ständig: Lieferanten, die sich für den nächsten Morgen ansagen, Wespenalarm im Drehrestaurant. Bodammer bleibt dennoch cool bei all dem, er ist auch für das benachbarte Olympia-Eisstadion zuständig.

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Quelle: Claus Schunk

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Das Fundament

Laien werden sich womöglich wundern, dass ein fast 300 Meter hoher Koloss aus Beton und Stahl, der gut 40 000 Tonnen wiegt, auf einem solchen Fundament so solide stehen kann: Auf 40 Metern Durchmesser und einer Höhe von 5,20 Metern verteilen sich etwa 12 500 Tonnen Beton und ein Stahlgerüst. Doch dieser Fuß reicht, denn seit 1968 thront der Olympiaturm auf dem Oberwiesenfeld auf dieser Basis "wie eine Eins".

Die konische Bauweise, bei der sich die Wände von unten nach oben verschlanken, garantiert die Standfestigkeit. Der Turmschaft wird immer dünner, er hat unten einen Durchmesser von 16,5 Metern, oben aber nur noch von 4,5 Metern. Diese Technik führt auch dazu, dass der Schwerpunkt des Bauwerks auf 50 Metern Höhe liegt. In knapp zwei Jahren wurde der Bau mit einer inneren und äußeren Schale meterweise hochgezogen. Im Jahr 1999 musste der Turm wegen Sanierungsarbeiten einmal für drei Monate geschlossen werden. Die meisten Wartungsarbeiten finden aber bei laufendem Betrieb oder während der Nacht statt.

Betriebsleiter Ulrich Bodammer hat die Stabilität des Turms bei starkem Sturm auch selbst getestet. Nur wenige Zentimeter Bewegung gebe es, die man kaum wahrnehme, "nur, wenn man sich sehr stark konzentriert", sagt er. Deutlicher spürbar seien da schon die Bewegungen infolge von Temperaturunterschieden. Wenn der Turm in der Nacht auskühlt und am Morgen die Sonne dann stark auf ihn scheint, dann arbeite das Material. Im Bereich des Fundaments sind auch viele Technikräume untergebracht. Das Notaggregat, das innerhalb von 15 Sekunden die Stromversorgung garantiert, wurde erst 2015 ausgetauscht.

© SZ vom 05.08.2015/mmo;jala
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