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Olympiastadion:5000 Liter Bier auf Knopfdruck

Bier Ringleitung im Olympiastadion

Brauingenieur Uwe Daebel steht neben dem sogenannten Biersammler hinter dem Ausschank und erklärt die Funktionsweise der Ringleitung.

(Foto: Florian Peljak)

Eine neue Leitung versorgt Konzertbesucher im Olympiastadion mit kühlem Bier. Die Technik hat sich bereits auf dem Oktoberfest bewährt.

Uwe Daebel steht vor dem Mass-O-Meter in den Katakomben des Olympiastadions. Auf einem Bildschirm sind Bierfässer zu sehen - sie schauen mürrisch drein. Aber sobald das Bier durch die Leitungen zu Füßen Daebels fließt, fangen sie an zu lächeln, schließlich zu strahlen; dann sind sie so gut gelaunt, wie Daebel es gerade ist. Der Brauingenieur von Paulaner erklärt die technischen Details seiner neuesten Bierleitung, hier im Olympiastadion. Die Olympischen Spiele habe er als Kind mitverfolgt, erzählt er, und dass er fast 50 Jahre später hier im Stadion seine Innovation installieren durfte, das mache ihn schon stolz.

Im Olympiastadion fließt das Bier jetzt, ganz "state of the art", wie Daebel sagt, in einer Bierringleitung, wie die Brauerei sie auf der Wiesn schon für das Winzerer Fähndl, das Hackerzelt und die Bräurosl installiert hat. Die Arena One Gastronomie GmbH, die Olympiapark München GmbH und die Brauerei haben sich die Kosten im sechsstelligen Bereich aufgeteilt, um die Logistik und die Qualität der Bierversorgung zu optimieren.

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Kurz gesagt bekommen die 25 000 Menschen, die der Stehbereich des Olympiastadions fasst, ihr Bier jetzt schneller und kälter als vorher - und es muss nicht mehr in Fässern an- und abtransportiert werden. "Früher mussten wir 640 Fässer einkühlen, das sparen wir uns jetzt. Jetzt drücken wir auf einen Knopf und schon funktioniert es", sagt Brauerei-Chef Andreas Steinfatt.

Nun stehen Container unterhalb des Stadions, die mit eiskaltem Bier aus der Brauerei betankt werden, welches dann durch 400 Meter isolierte Edelstahlrohre zu den 36 Zapfstationen im Stadion fließt, und von dort auch zurück. Mit einer Temperatur von zwei Grad fließt es ins Glas, und das ohne einen Durchlaufkühler zu verwenden, wie Daebel betont, was ökologisch sei, weil so weniger Energie verbraucht werde.

Bisher standen die Tanks in der Sonne, weder optisch noch temperaturtechnisch eine gute Lösung. Nach der Veranstaltung wird das Bier jetzt einfach zurück in die Tanks gepumpt, der Bierverlust wird so ebenfalls minimiert.

Wie viele Liter pro Stunde durch die Leitungen fließen, lässt sich am Mass-O-Meter verfolgen, auf das Paulaner, Arena One und der Olympiapark übers Internet Zugriff haben. Theoretisch kann Daebel von seinem Sofa aus verfolgen, wie durstig die Besucher des Konzertes sind. Läuft es, lächeln die kleinen animierten Bierfässer.

Im Olympiapark brauche man keine gar so große Leistung wie auf dem Oktoberfest, sagt der Ingenieur. Dort fließt am ersten Samstag in der ersten Stunde das Bier mit bis zu 12 000 Litern pro Stunde durch die Leitungen. Im Olympiastadion ist der Durst nicht ganz so gewaltig - im Gegensatz zum Wiesnanstich wollen die Konzertbesucher ihr Bier nicht alle auf einen Schlag. Die Stadionleitung liefert etwa 5000 Liter pro Stunde, "8000 würden wir aber auch schaffen", sagt Daebel.

Rechtzeitig zu den Rammstein-Konzerten am Wochenende war die Ringleitung installiert. "Das Bier war so kalt, dass das Glas beschlagen war. Das hatten wir hier noch nie", sagt Wilfried Hohenwarter von Arena One. Versuchsweise wurde es nach dem ersten Konzert nicht wieder in die Tanks zurückgepumpt - was sich als Fehler erwies, weil es für das Konzert am zweiten Abend zu warm wurde in den Leitungen.

Das warme Bier war zwar nach einer Stunde abgetrunken, aber künftig werde man es jedes Mal wieder zurückpumpen. Die "Feuertaufe für die Ringleitung", wie Marion Schöne vom Olympiapark das Rammsteinkonzert nennt, sei aber insgesamt gut gelaufen. Am kommenden Wochenende steht mit Andreas Gabalier gleich das nächste Konzert mit trinkfreudigem Publikum bei Sommerwetter an.

Die Bierversorgung ist jetzt auf dem aktuellsten Stand, die Sanierung des Stadions steht noch aus. Auf 108 Millionen Euro war sie veranschlagt, die Kostenberechnung für einen Kompromiss, bei dem das Stadion nach der Saison 2022 nur 20 Monate gesperrt wäre und die restliche Sanierung bei laufendem Betrieb in den Wintermonaten vorgenommen würde, steht noch aus. Dagegen war die Bierleitung ein Schnäppchen.