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Olympiaparkchef Huber:"Wir brauchen unbedingt eine neue Halle"

Der Stadtrat soll den Bau der neuen Halle im Olympiapark noch vor der Sommerpause beschließen - unabhängig von den Winterspielen 2018.

J. Bielicki

Der gebürtige Bayer Ralph Huber, 44, ist seit Anfang Juni Geschäftsführer der städtischen Olympiapark GmbH. Die SZ sprach mit ihm über neue Veranstaltungen und notwendige Umbauten.

Ralph Huber

(Foto: Foto: oh)

SZ: Sie wollen als Erstes das Olympiastadion zur Autorennstrecke umbauen? Ralph Huber: Wir haben Pläne, hier eine Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft starten zu lassen. Der Rennzirkus wird aber nur für ein Wochenende hier gastieren. Ich halte das für eine tolle Geschichte, weil das Olympiastadion damit die Chance hat, international wieder wahrgenommen zu werden. SZ: Ist es schwierig, das Olympiastadion zu füllen?

Huber: Es ist eine echte Herausforderung. Es gibt ja nicht so viele Künstler, die so ein Stadion füllen können. In diesem Jahr haben wir vier große Konzerte im Olympiastadion, Bruce Springsteen, Madonna, AC/DC und Depeche Mode. Vier Veranstaltungstage wären natürlich etwas wenig. Darum müssen wir ständig neue Veranstaltungsformate finden, die ins Olympiastadion passen. Denn auch große Sportveranstaltungen sind ja rar gesät.

SZ: München bewirbt sich für die Olympischen Winterspiele 2018. Was erwarten Sie sich davon? Huber: Das wäre eine Riesenchance für den Olympiapark und für München. Wenn 46 Jahre nach den Sommerspielen 1972 Olympische Winterspiele hierher kämen, würde das der internationalen Wahrnehmung des Olympiaparks einen Riesenschub geben.

SZ: Sie würden für Olympia zwei neue Hallen bekommen. Brauchen Sie diese auch für die Zeit nach den Spielen?

Huber: Wir hoffen, dass wir die Hallen schon vor Olympia bekommen. Wenn anstelle der Event-Arena, also des ehemaligen Radstadions, eine neue Multifunktionshalle entstehen würde, könnten wir darin bundesligatauglichen Sport wie Eishockey und Basketball unterbringen. Das allein ergibt eine riesige Grundauslastung. München braucht dazu eine Location für Konzerte, die für die Olympiahalle zu klein sind. Ich sehe kein Problem, diese Arena zu füllen. Und die zweite Halle, die kommt, wenn München den Zuschlag für Olympia erhält, würde ja nur die jetzigen Eissporthallen unter dem Olympiaturm ersetzen.

SZ: Wollen Sie die Hallen auch, wenn Olympia nicht nach München kommt?

Huber: Unbedingt. Die Lebensdauer des Radstadions ist begrenzt. Wir wären gezwungen, spätestens 2012 tätig zu werden. Und die neue Multifunktionshalle bräuchten wir dringend, weil sie Ansprüche erfüllt, die heute an so eine Halle gestellt werden.

SZ: Hört der Stadtrat Ihre Wünsche?

Huber: Ich hoffe, er erhört uns. Wir werden den Antrag zum Bau dieser Halle Anfang Juli in den Aufsichtsrat bringen, und wir hoffen, dass der Stadtrat sich noch vor der Sommerpause entschließt, diese neue Multifunktionshalle bauen zu lassen. Was dafür spricht, sind auch noch andere Gründe: Nach der Schließung der Rudi-Sedlmayr-Halle fehlt eine Arena in dieser Größenordnung. Und unsere Olympiabewerber würden mit dem Start dieses Projekts dem Internationalen Olympischen Komitee schon im Vorfeld der Vergabe signalisieren können: Schaut her, wir meinen es sehr ernst!

SZ: Was würde die neue Halle kosten?

Huber: Die genauen Kosten können wir heute nicht wissen. Wir wissen nur: Die Halle muss in den Olympiapark passen, wir können da keine 08/15-Wellblechhütte hinstellen. Sie muss ein Leuchtturmprojekt für Olympia und multifunktional nutzbar sein. Sie muss natürlich dem modernsten Stand entsprechen. Und sie muss sich für Olympia auf 11000 Plätze erweitern lassen, die wir nachher wieder auf 7000 reduzieren wollen. Das macht so eine Halle teurer.

SZ: Wie viel unterm Strich?

Huber: Wir wissen nicht, was den Planern einfallen wird, die am Architekten-Wettbewerb teilnehmen. Wir rechnen damit, dass das Ganze zwischen 70 und 90 Millionen Euro kosten wird. Wir hoffen, dass es billiger wird.

SZ: Was sollen die Neubauten bringen?

Huber: Mit der kleineren Halle, aber auch mit dem Umbau der Olympiahalle, der derzeit im Gange ist, wären wir wieder state of the art. Wir können dann wieder im Hallenkonzert der Großen voll mitspielen. Die Konkurrenz schläft ja nicht. Und auch Besucher wollen nicht mehr auf alten Klappstühlen sitzen.

SZ: Sehen Sie sich durch Einwände von Denkmalschützern behindert?

Huber: Natürlich kommen wir bisweilen in Zielkonflikte. Wir als Betreiber versuchen, attraktive Veranstaltungen in den Park zu ziehen, um ihn lebendig zu erhalten. Die Kunst ist, das Gespräch und den Kompromiss zu suchen, um allen Seiten gerecht zu werden. Ich habe die Hoffnung, dass wir auch künftig gute Lösungen erzielen. Was nicht passieren darf: Wir dürfen kein Museum aus dem Olympiapark machen. Das wäre tödlich. Aber das will ja auch keiner.

© SZ vom 27.06.2009/sonn
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