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Olympiadorf:Kulinarische Rückschau auf die Spiele

Alter Busbahnhof Olympiazentrum am 20.09.2018

Ungeliebt und ungenutzt: Die alte, früher einmal wichtige Busdrehscheibe am Olympiazentrum verrottet langsam.

(Foto: Jan Staiger)

Streetfood aus Sportlerländern soll den Olympia-Busbahnhof im Jubiläumsjahr beleben

Von Julian Raff, Milbertshofen

Wenn Lokalpolitiker derzeit über öffentliche Feste reden, weht fast schon ein Hauch von Utopie durch den Saal. Bis zum Olympia-Jubiläumsjahr 2022 könnte Corona allerdings halbwegs ausgestanden sein, der Bezirksausschuss (BA) Milbertshofen-Am Hart zerbrach sich also nicht den Kopf über Hygienekonzepte, sondern darüber, wie sich der verwaiste Olympia-Busbahnhof zum 50. Jubiläum der Spiele von 1972 beleben ließe.

Die Idee, die seit 13 Jahren ungenutzte, heruntergekommene Betonplatte als Ausstellungsfläche mit zu nutzen, hatte der Stadtrat bereits aufgegriffen und am 19. November bei der Beratung zum Olympiafest beschlossen. Einen entsprechenden Antrag zog die SPD im BA daher als erledigt zurück. Auf dem Tisch blieb dagegen der CSU-Vorschlag, die Brache zum Street-Food-Bereich umzufunktionieren, eventuell mit einem Testlauf schon im kommenden Jahr. Die Idee kam, quer durch die Fraktionen, gut an. Eine etwas skurrile Diskussion entspann sich dabei über den CSU-Vorschlag, eine gemischte Auswahl an Speisen und Getränken der seinerzeit teilnehmenden Länder anzubieten - von denen viele ja heute gar nicht mehr als gemeinsamer Staat existierten, so ein Einwand aus der Grünen-Fraktion. Deren Mitglied Jutta Koller warf etwa die Frage auf, wer denn nun heute kulinarisch die Sowjetunion oder Jugoslawien vertrete. Keine diplomatischen Verwicklungen befürchtet dagegen Leo Meyer-Giesow (ÖDP), schließlich sollen ja nicht Regierungsdelegationen ihre Köstlichkeiten anbieten, sondern Münchner Gastronomen mit jeweiligem Hintergrund. Aus welcher ex-jugoslawischen Teilrepublik die Cevapcici kommen, dürfte auch der hungrigen Kundschaft egal sein, ergänzte Erich Tomsche (CSU), Hauptsache es rühre sich etwas auf dem Busbahnhof. Dass am Ende alle 144 Teilnehmerländer von 1972 aufkochen werden, erwartet im Gremium ohnehin niemand. Versehen mit einem "zum Beispiel" fand letztlich auch die Idee einer kulinarischen Weltreise und Olympia-Reminiszenz ihren Eingang in den einstimmigen Streetfood-Beschluss.

© SZ vom 07.12.2020
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