Olympiadorf Erfolgreiches Modell

Mehr los: Die Olywelt will die Gaststätten-Szene erweitern.

(Foto: Florian Peljak)

Die Genossenschaft Olywelt steht auf sicheren finanziellen Füßen. Nach dem Erwerb des Lokals "Hongkong City" wird nun im Nordteil der Ladenzone ein italienisches Restaurant eröffnet

Von Thomas Kronewiter, Olympiadorf

Das Geschäftsmodell der Genossenschaft Olywelt beweist sich auch gut drei Jahre nach der Gründung als tragfähig. Wie die vor allem aus Bewohnern des Olympischen Dorfes bestehenden Genossen konstatierten, sind die Finanzen in Ordnung - und dies, obwohl man das Ziel, die Ladenmeile am Helene-Mayer-Ring Zug um Zug zu übernehmen, weiter beharrlich verfolgt. Die Genossenschaft will so die Nahversorgung im Viertel sichern. Nach dem Erwerb des Lokals "Hongkong City" wird die Olywelt voraussichtlich im August die Gaststätten-Szene in Olympiadorf und -park in einem eigenen Ladenlokal erweitern: Dann eröffnet im Nordteil der Ladenzone, am Helene-Mayer-Ring 14, im ehemaligen Laden von "Mr. Baker" ein italienisches Restaurant.

"Wir wollen mit diesem Restaurant, das auch über eine Freischankfläche verfügt, den nördlichen Bereich der Ladenstraße beleben und mit einer Bepflanzung auch verschönern." Eberhard Schunck, der bei der Generalversammlung von 100 Anwesenden bestätigte Vorstandsvorsitzende der eingetragenen Genossenschaft, hat dabei die zuständige Eigentümergemeinschaft von der Notwendigkeit einer Freischankfläche überzeugt. Davon verspricht man sich nicht zuletzt eine Belebung des Kirchenvorplatzes.

Vorstandschef Schunck hat bei der Jahresversammlung auch gleich die Chance ergriffen, sich ein Mandat für eine zusätzliche Erweiterung des Immobilienbestandes geben zu lassen: "Eine überwältigende Mehrheit hat sich dafür ausgesprochen." Konkret hat bereits wieder das Einsammeln von Geld begonnen. Ob der Erwerb der ins Auge gefassten, zentral gelegenen Immobilie dann letztlich klappt, ist eine ganz andere Frage. Die Spanne, die zwischen dem auf dem Markt realistischen Wert solcher Ladengeschäfte und den Preiserwartungen verkaufswilliger Eigentümer klafft, ist groß: Die Olywelt-Vorstandschaft hält einen Quadratmeterpreis von rund 2500 Euro für gerechtfertigt, Eigentümer gingen oft vom Preis der Olympiadorf-Wohnungen aus, den Eberhard Schunck mit 4000 Euro pro Quadratmeter beziffert.

Derzeit stehen bei der Olywelt 725 700 Euro an gezeichnetem Kapital zu Buche, zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 619 900 Euro gewesen. Die Masse ist natürlich in den bereits gekauften Immobilien gebunden - allerdings wird beispielsweise der für das "Hongkong City" aufgenommene Kredit voraussichtlich schon bis 2020 getilgt sein. Die dann frei werdenden Pachtzahlungen können spätestens dann wieder in neue Aktivitäten fließen. Das dürften in erster Linie neue Erwerbspläne sein, wiewohl sich die angestrebte Kontrolle und Aufwertung der eigenen Ladenpassage auch oft durch Hintergrund-Gespräche erreichen lässt.

Die Zahl der Olywelt-Mitglieder von nunmehr 392 hat sich jedoch nur unwesentlich gesteigert. "Das liegt wohl daran, dass die meisten der rasch zu überzeugenden aktiven Dorfbewohner erreicht sind", glaubt Schunck, der nichtsdestotrotz auf einen mobilisierenden Effekt durch die bevorstehende Eröffnung des italienischen Restaurants setzt. Viele brauchten offenkundig noch einen Ruck.

Dass nicht alles rund läuft, mussten die Olywelt-Aktivisten allerdings auch schon erleben. So hat der auf Wunsch vieler Dorf-Bewohner eröffnete Service-Laden mit Schlüsseldienst, Nähdienst und Reinigungsannahme wieder geschlossen. Die Genossenschaft will noch einen zweiten Anlauf wagen, da man der Überzeugung ist, die Schwierigkeiten hätten eher an der Person des Betreibers denn am Konzept gelegen. Verzögert hat sich auch die geplante Erneuerung der Decke und Beleuchtung der Ladenstraße, es fehlt ein notwendiger Beschluss einer Eigentümergemeinschaft. Auch der von vielen gewünschte Lebensmitteldiscounter lässt auf sich warten - die dafür von Betreibern vorausgesetzten Flächen hat die Olywelt am Stück noch nicht beisammen.

Wie erfolgreich sich das Olywelt-Team nach dreieinhalbjähriger beharrlicher, oft im Stillen ausgeübter Tätigkeit als erster Ansprechpartner für alle Eigentümer etabliert hat, zeigt sich inzwischen immer wieder, mitunter ist das selbst für das Vorstandsteam erstaunlich. "Wir sind inzwischen die, an die man sich als erstes wendet", bestätigt Eberhard Schunck durchaus selbstbewusst.