Münchner Bewerbung„Als Kind saß ich bei Olympia vor dem Fernseher und dachte: ‚Da will ich auch hin!‘“

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Clara Hegemann ist U-18-Europameisterin im Hammerwerfen.
Clara Hegemann ist U-18-Europameisterin im Hammerwerfen. (Foto: Jan Papenfuss/Eibner /Imago)
  • Im Münchner „Haus der Athleten“ leben 61 Nachwuchssportler, die das Gymnasium München-Nord besuchen und gezielt für Olympia trainieren.
  • Erfolgreiche Absolventen wie Volleyball-Nationalspieler Lenny Graven und Olympiateilnehmer Timo Cavelius gingen aus dem Sportinternat hervor.
  • Die Athleten schätzen die kurzen Wege zu Training und Schule sowie die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten im Internat.
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Im Münchner „Haus der Athleten“ leben junge Leistungssportler verschiedenster Disziplinen zusammen. Sie eint ein Ziel: Olympia – und Spiele in der Stadt wären für viele erreichbar. Vier von ihnen erzählen von ihrem Traum.

Von Thomas Becker

Spannend sei es stets Anfang September, sagt Marion Dasecke, „wenn bei den ersten Kochversuchen immer mal wieder der Rauchmelder angeht“. Sie ist Leiterin des Jugendwohnheims München-Nord des Katholischen Jugendsozialwerks, das am Milbertshofener Platz seit 20 Jahren in Kooperation mit dem Olympiastützpunkt Bayern auch das „Haus der Athleten“ betreibt.

Im Sportinternat soll talentierten jungen Leistungssportlern ermöglicht werden, die Anforderungen aus Sport und Schule besser zu organisieren. Derzeit leben hier 61 Athleten, besuchen das Gymnasium München-Nord, eine „Eliteschule des Sports“, und werden an ihren Trainingsstätten gezielt gefördert. Im „Haus der Athleten“ wohnen sie und bekommen gesunde, ausgewogene Mahlzeiten. Zudem sind stets pädagogische Fachkräfte vor Ort. Das Ziel fast aller Bewohnerinnen und Bewohner: Olympia.

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Eröffnet wurde das Münchner „Haus der Athleten“ – es gibt noch welche in Nürnberg, Berchtesgaden und Oberstdorf – unter der Leitung von Gert Heinzelmann, der als Zehnkämpfer selbst Leistungssportler war und der auch zur Jubiläumsfeier kam. Erfolgreiche Sportler wie Volleyball-Nationalspieler Lenny Graven, die Fußball-Nationalspielerinnen Franziska Kett und Alara Sehitler sowie die Olympiateilnehmer im Judo, Timo Cavelius und Dominic Ressel, gingen aus dem Sportinternat hervor.

Für Leiterin Marion Dasecke geht es im Leistungssport nicht nur um Medaillen, „sondern es geht um Haltung, Durchhaltevermögen, Teamgeist und auch darum, dass man mit Niederlagen umgehen kann – wichtige Qualitäten, die das gesamte Leben bereichern“. Ihr bereite es große Freude zu sehen, wie sich junge Leistungssportler zu selbständigen und selbstbewussten Persönlichkeiten entwickelten, Rauchmelder hin oder her. Und was sagen die Athleten? Vier Sportlerinnen und Sportler erzählen.

Die Hammerwerferin

Die Münchnerin Clara Hegemann sagt: „Zu Hause an Olympia teilzunehmen, wäre einfach noch mal was ganz anderes und Besonderes.“
Die Münchnerin Clara Hegemann sagt: „Zu Hause an Olympia teilzunehmen, wäre einfach noch mal was ganz anderes und Besonderes.“ (Foto: Jurij Kodrun/Getty Images for European Athletics)

Clara Hegemann, 18, seit zwei Jahren im Haus, U18-Europameisterin 2024: „Es werden uns viele Alltagsprobleme abgenommen, was den eh schon stressigen Tag entspannt. Schon praktisch, dass man nicht noch kochen muss, wenn man abends vom Training kommt. Ein paar mehr Kohlenhydrate und Nahrungsergänzungsmittel wären gut. Auch die Atmosphäre unter Sportlern finde ich cool. Das ist eine schöne Gemeinschaft, weil jeder versteht, dass hier alle für ihren Sport brennen. Die Wege zu Schule und Training sind viel kürzer, als wenn ich daheim wohnen würde. Ich komme aus Waldperlach und trainiere in der Werner-von-Linde-Halle im Olympiapark – mit den Öffentlichen bräuchte ich da eine Stunde. Mein größtes Karriere-Ziel ist Olympia. Das ist der Grund, warum man im Leistungssport dran bleibt. Als Kind saß ich bei Olympia vor dem Fernseher und dachte: ‚Da will ich auch hin!‘ 2036, wenn Olympia nach München kommen könnte, wäre ich 29, 2040 wäre ich 33: Das würde schon noch gehen. Ich bleibe so lange dran, wie ich kann. Die European Championships 2022 im Olympiastadion waren schon speziell, aber zu Hause an Olympia teilzunehmen, wäre einfach noch mal was ganz anderes und Besonderes. Das war immer schon mein Traum, und an dem bleibe ich auch dran – weil ich dafür brenne.“

Die Fußballerin

Samira Di Lauro (li.) läuft als Verteidigerin für den FC Bayern München und die Nationalmannschaft auf.
Samira Di Lauro (li.) läuft als Verteidigerin für den FC Bayern München und die Nationalmannschaft auf. (Foto: Norina Toenges/Imago)

Samira Di Lauro, 17, FC Bayern München: „Ich wohne seit Anfang August im Haus, im Doppelzimmer mit Sophie Klein, einer Teamkameradin aus der Nationalmannschaft, und fühle mich echt wohl da. Ich komme aus der Nähe von Heidenheim, habe beim FC Gundelfingen immer in Jungs-Mannschaften gespielt und wollte zur U16 in eine Mädchen- oder Frauen-Mannschaft wechseln. Das ist schon schön mit Gleichgesinnten zu spielen; auch in der Umkleidekabine ist es natürlich mit Mädels ganz anders als mit Jungs. Man fühlt sich einfach wohler, auch wenn ich mich bei den Jungs ebenfalls wohlgefühlt habe. Ich hatte dann zwei, drei Angebote, auch vom FC Bayern, und wer schon Länderspiele absolviert hat, bekommt eben die Chance auf einen Platz im „Haus der Athleten“. Zum Training am FC Bayern Campus brauche ich mit der U-Bahn oder dem Fahrrad eine Viertelstunde, was ganz entspannt ist. Da ist einfach alles viel professioneller: Mit Physiotherapeuten hatte ich vorher nie zu tun. Die anderen Athleten im Haus trifft man immer mal wieder beim Kochen oben in der Gemeinschaftsküche. Aus meiner Mannschaft wohnen auch noch ein paar hier. Bei Bayern habe ich einen Vertrag über drei Jahre; der mit dem Sportinternat läuft immer ein Jahr, und ich hoffe, dass ich bis zum Abi in drei Jahren hier wohnen kann.“

Der Volleyballer

Marcelo Teschner zog erst im September ins „Haus der Athleten“ ein.
Marcelo Teschner zog erst im September ins „Haus der Athleten“ ein. (Foto: privat)

Marcelo Teschner, 15, Volleyballer: „Ich bin seit Anfang September hier. Die erste Woche war ein bisschen ungewohnt und fremd, aber so langsam bin ich in meiner Routine drin. Ich komme ja aus Lübeck und war vorher nur mal ein Wochenende mit meinen Eltern in München. Im vergangenen Jahr wurde ich für eine Nationalmannschafts-Sichtung nominiert, und es hieß, ich könne zu einem der Bundesstützpunkte wechseln, also nach Berlin, Frankfurt, München oder Friedrichshafen. Im Januar wurde ich zu einer Probewoche ins „Haus der Athleten“ eingeladen und musste mich dann relativ schnell entscheiden. Ein Wochenende lang habe ich mich mit den Eltern beraten, und dann waren wir alle ziemlich überzeugt von der Idee. Jetzt trainiere ich in der Halle unserer Schule und hier im Kraftraum: kurze, schnelle Wege. Der Tag ist auch so schon voll genug. Mein Ziel ist Olympia, vielleicht sogar schon 2028. Oder eben danach.“

Der Schwimmer

Florian Vogel wurde 2016 in Rio Sechster mit der 4x200-Meter-Staffel.
Florian Vogel wurde 2016 in Rio Sechster mit der 4x200-Meter-Staffel. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Florian Vogel, 31, Ex-Bewohner, Olympiateilnehmer 2016: „Ich bin kurz nach meinem 17. Geburtstag eingezogen, kam aus Bayreuth, was anfangs schon sehr aufregend war. Bayreuth ist kein Dorf, aber mit der Landeshauptstadt nicht zu vergleichen. Das hatte ich mir einfacher vorgestellt. Da ist abends schon die ein oder andere Träne geflossen. Alles neu und aufregend, eine überwältigende Gefühlslage. Ich wusste gar nicht, wie ich mit der U-Bahn zur Schule am Isartor komme, bin am ersten Tag gleich ein paar Stunden zu spät gekommen, weil ich mich verfahren habe. Im Nachhinein bin ich sehr glücklich über den Schritt, den ich mich damals getraut habe zu gehen. Das Internat hat mir viel Struktur gegeben, was man als 17-Jähriger auch noch braucht. Abends gab es warmes Essen, und es hat auch mal jemand nach mir geschaut. Drei Jahre war ich hier, habe mich immer wohlgefühlt, bin dann im Studenten-Wohnheim im Olympia-Dorf untergekommen und habe parallel zu EM, WM und Olympia Bau-Ingenieur studiert. Den Weg haben die mir hier gut geebnet. Mit meiner Frau, die ich in München kennengelernt habe, und unserem Neugeborenen lebe und arbeite ich immer noch hier. Mein Tipp an die Jungen: Mit dem Erfolg wird’s leichter!“

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