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Olympia-Attentat von 1972:Die Architekten schnitten den Hügel quasi seitlich auf

Eine LED-Wand zeigt die damaligen Ereignisse.

(Foto: Stephan Rumpf)

Zur Eröffnung werden nicht nur der israelische Präsident Reuven Rivlin und sein deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier erwartet, sondern auch knapp drei Dutzend Angehörige; je einer von ihnen wird jede der zwölf Opferbiografien enthüllen. Dass Spaenle die von Spitzer am Montag bereits beispielhaft präsentierte, ist kein Zufall. Denn es war vor allem dessen Witwe, die viele Jahre lang bei allen möglichen Stellen beharrlich dafür warb, eine solche Gedenkstätte zu schaffen.

Lange tat sich nichts. Vor sechs Jahren machte sich Tibor Shalev Schlosser, damals gerade frisch zum ersten israelischen Generalkonsul in München ernannt worden, das Anliegen zu eigen - und fand bei Ministerpräsident Horst Seehofer ein offenes Ohr, der bei den Jahrestags-Feierlichkeiten vor fünf Jahren öffentlich den Bau versprach.

Den folgenden Architektenwettbewerb gewann das Tirschenreuther Büro Brückner & Brückner mit einem ausgefallenen Konzept: "Einschnitt" nannten die Architekten es. Sie schnitten den Hügel quasi seitlich auf, fünf Stufen führen nun ins Innere, die Decke wird getragen von jenem Keil, auf dem die Opfer abgebildet sind. Der Raum ist an drei Seiten offen, so dass der Besucher direkt die Orte des Geschehens sehen kann, die Olympiabauten genauso wie die Appartements an der Connollystraße. (Zumindest kann er das im Herbst, wenn kein Laub an den Bäumen ist.)

Auf der vierten Seite findet sich eine zwei mal elf Meter große LED-Wand. Dort läuft in einer Dauerschleife eine etwa 25-minütige Präsentation. Sie schildert vor allem den Ablauf des Attentats, ordnet es aber auch in den historischen Kontext ein: Wie München keine drei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg mit heiteren Spielen der Welt ein neues, offenes Deutschland präsentieren wollte, worin der arabisch-israelische Konflikt wurzelt, und wie das Attentat von 1972, wiewohl es nicht das erste entsprechende war, in der öffentlichen Wahrnehmung doch zur Geburtsstunde des internationalen Terrorismus wurde.

Ursprünglich war als Standort für den Erinnerungsort der sogenannte Pressehügel vielleicht 50 Meter weiter nordwestlich vorgesehen, also jenseits des Kolehmainenwegs und damit näher am Olympiadorf. Dagegen liefen Anwohner Sturm, bis Spaenle schließlich einlenkte und den Lindenhügel als Standort präsentierte. Heute beteuern alle Beteiligten, dass dies ein Glücksfall gewesen sei.

"Das gab uns die Chance, bei der Ausstellungsgestaltung zu reagieren und sie inhaltlich weiterzuentwickeln", sagt der Architekt Peter Brückner. Vor allem weil erst so die riesige LED-Wand ermöglicht wurde; der ursprüngliche Entwurf war noch nach allen vier Seiten hin offen gewesen und hatte für die Präsentation nur einzelne Säulen und Lichtprojektionen im Inneren vorgesehen.

Von Mittwoch an ist der Erinnerungsort frei zugänglich, rund um die Uhr. Freigeschaltet wird dann auch die Internetseite www.erinnerungsort-muenchen1972.de mit vertiefenden Informationen und auch mit den Texten der Ausstellung auf Hebräisch und Arabisch. Die sind im Erinnerungsort nämlich nur auf Deutsch und Englisch zu lesen - aus Platzgründen.

© SZ vom 05.09.2017/mkro
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