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Olympia 2018:"Das große, hehre Ziel"

Die Bewerbung für Olympia 2018: Was München schon vorweisen kann - und was der Stadt noch alles fehlt.

Spronks neuer Job beginnt mit einer langen, weiten Dienstreise. Anfang August wird der Olympiapark-Chef ein Flugzeug Richtung Peking besteigen. Er wird die Olympischen Sommerspiele besuchen - aber nicht zum Vergnügen. Seit Dienstag ist der 62-Jährige Geschäftsführer der neu gegründeten Bewerbungsgesellschaft München 2018 und damit Chefwerber der Landeshauptstadt bei deren Kandidatur um die Olympischen Winterspiele.

Wird der Olympiapark wieder olympisch? 46 Jahre nach den Sommerspielen von 1972 könnten unter den spektakulären Zeltdächern (und in ein paar Neubauten) die Eis-Wettbewerbe der Winterspiele steigen.

(Foto: Grafik: SZ)

Natürlich muss er dabei sein, wenn jene Zirkel aus Funktionären, Geschäftsleuten und Politikern zusammenkommen, die sich "olympische Familie" nennen. Schließlich geht es nicht nur um Medaillen, sondern auch um die milliardenschwere Entscheidung, wo das olympische Spektakel künftig tobt.

Beschließen darüber, wohin die Winterspiele 2018 kommen, werden die 110 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zwar erst 2011. Aber natürlich gilt es, lange vorher die richtigen Hände zu drücken. Nach der Gründung der Bewerbungsgesellschaft, an der sich der Deutsche Olympische Sportbund, die Stadt München, der Freistaat und die Mitausrichter Garmisch-Partenkirchen und der Landkreis Berchtesgadener Land (wo in Schönau die für Olympia ausersehene Bob- und Rodelbahn steht) beteiligt haben, muss Spronk nun aus hochfliegenden Ideen handfeste Pläne machen. Bis Ende 2009 hat München Zeit, detaillierte Bewerbungsunterlagen beim IOC einzureichen.

"Es muss jetzt eine richtige Planung geben", sagt OB Ude. Noch vor Spronks Peking-Flug wird die Bewerbungsgesellschaft ein Planungsbüro damit beauftragen, ein genaues Konzept zu erarbeiten. Bisher hat lediglich eine Machbarkeitsstudie aus dem Büro des Frankfurter Stadtplaners Albert Speer das Konzept "2plus" formuliert. Danach sollen im Münchner Olympiapark die Eissportler starten, in Garmisch die Skifahrer und in Schönau die Schlitten.

Zwar steht in München schon vieles von dem, was das IOC von Bewerberstädten verlangt: das Olympiastadion für die Eröffnungs- und Schlussfeier, die gut 10000 Besucher fassende Olympiahalle für Eishockeyspiele, die Olympia-Schwimmhalle für die Curling-Eisstockschützen, reichlich Hotelbetten und beste Verkehrsanbindungen sowieso. Doch im Olympiapark müssen noch drei große Sportstätten entstehen - und nahebei ein Olympisches Dorf für 4500 Athleten.

Wo genau die olympischen Neubauten stehen werden, prüfen jetzt die Planer. Sicher ist: Eiskunstläufer und die Short-Track-Eisflitzer sollen in einer großen Arena mit Platz für 15000 Zuschauer starten. Die Halle könnte an die Stelle der alten Eissporthalle am Olympiaturm oder des ehemaligen Radstadions kommen. Zwei weitere Hallen - eine für Eishockey, die andere für Eisschnelllauf - werden wohl nur für die Zeit der Spiele gebraucht. Deswegen sollen sie als Provisorien, die man wieder abbauen kann, womöglich auf dem Hochschulsport-Gelände nördlich des Olympiastadions stehen.

Noch nicht ganz klar ist, wohin die Athleten in ihr Olympisches Dorf ziehen würden. Mögliche Standorte für die Unterkünfte sind das Gelände der Bundeswehrverwaltung an der Dachauer Straße oder Flächen an der Schwere-Reiter-Straße - oder auch, etwas weiter entfernt, auf dem Grund der früheren Bayern-Kaserne in Freimann.

Im Herbst will Spronk auch den Auftrag für das Werbekonzept vergeben, mit dem München sein olympisches Image stärken will. Außerdem will er noch "so viele Firmen wie nur möglich" als zahlende Förderer der Münchner Kandidatur gewinnen. Denn die Bewerbung allein soll 30 Millionen Euro kosten. Spronk aber gibt sich optimistisch, "das große, hehre Ziel" zu erreichen, ohne Steuergelder auszukommen.

© SZ vom 17.07.2008/sonn