Olga Scheps setzt sich hin und spielt Klavier. Sie justiert nicht ihre Sitzbank auf einen Zehntelmillimeter genau, sie starrt auch nicht sekundenlang ins Leere, ehe sie sich zum ersten Ton entschließt. Sie spielt, allürenfrei, und wird dafür geliebt. Bei Beethovens Pathétique-Sonate hat sie zwar noch kalte Hände, da dröhnen im Kopfsatz die Tremoli und die eine oder andere Note ist danebengegriffen. Aber auch das ist die Wahrheit: Olga Scheps ist keine Pianistik-Maschine. Sie ist eine menschlich agierende Künstlerin, bei der es deshalb auch, wie etwa in Chopins vierter Ballade, zu Gedächtnislücken kommen kann - die sie gut zu kaschieren weiß.
Olga Scheps im KonzertMensch statt Maschine
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Klangkultur und Sinn fürs Erzählerische: Die Pianistin Olga Scheps im Prinzregententheater.
Von Paul Schäufele
