Oktoberfest:Promi-Wiesn in Zeiten der Terrorangst

Lesezeit: 2 min

183 Münchner Oktoberfest

Moderator Elton trinkt mit Moderatorin Verena Kerth (rechts) und einer weiteren blonden Dame.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Den einen graut es vor gar nichts, andere schauen kurz vorbei, manche bleiben ganz weg: Wie VIPs und solche, die es gerne wären, auf der Sicherheitswiesn feiern.

Von Franz Kotteder

Nein, das alles unter "tote Hose" zusammenzufassen, wäre übertrieben. Es ist schon was los in der Schießhalle des Armbrustschützenzelts, wo BMW wieder zum Armbrustschießen der Prominenten geladen hat. Jedenfalls mehr als am Mittag im Marstallzelt, wo an diesem Tag eigentlich die Damenwiesn von Regine Sixt hätte stattfinden sollen. Die Chefin des Leihwagenunternehmens Sixt hatte die große Sause für rund 1200 Damen der besseren Gesellschaft vor dem Oktoberfest kurzfristig abgesagt. Die eine oder andere der Eingeladenen hatte zuvor Terrorangst geäußert.

Beim Armbrustschießen ist wiederum Regine Sixt da, sie teilt die Ängste von vielen ihrer Gäste offensichtlich nicht. Und eigentlich möchte sie auf die Absage auch gar nicht mehr angesprochen werden: "Mir ist die Verantwortung zu groß geworden. Die Damen kommen ja wegen mir und wegen des guten Zwecks. Und wenn dann was passiert wäre . . ." Was wäre, wenn: Das scheint sich auch mancher der Eingeladenen beim Armbrustschießen gesagt zu haben.

Freilich, es sind die da, die meistens da sind: Die Dirndldesignerin Lola Paltinger, Andreas Steinfatt, der Chef von Hacker-Pschorr und Paulaner, das im Zelt ausgeschenkt wird. Innegrit Volkhardt vom Bayerischen Hof, der Filmregisseur Josef Vilsmaier und auch Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde. Auffallend ist aber: Es sind weniger als sonst, und viele bleiben nicht sehr lange. Regine Sixt zieht noch weiter ins Schützenzelt, und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) absolviert zwar ein paar Schüsse am Schießstand, verabschiedet sich dann aber. Will er nicht bis zur Siegerehrung warten, mit seinem Ergebnis? Da lacht er: "Ich war grottenschlecht, 15 Punkte nur! Ich bin kein guter Schütze."

Am anderen Ende der Wirtsbudenstraße und noch eine Ecke weiter, im Weinzelt, hat der Spartensender Goldstar TV auf die Galerie zum Promischlagertreff geladen. Hier herrscht Normalbetrieb, wer in der Schlagerbranche arbeitet, fürchtet sich offenbar auch sonst vor nichts. Beispielsweise auch nicht vor Costa Cordalis, der inzwischen ein bisschen so aussieht wie ein dezent aufgepumpter Keith Richards, Gitarrist bei den Rolling Stones. Ralph Siegel sitzt da und der Sänger Julian David, den der Sender als "TV-Onlinegesicht" ankündigt, was immer das auch für ein Beruf sein mag.

Aber es sind auch Otti Fischer da und der Comedian Moses Wolff, der gerade seinen Wiesnkrimi "Monaco Mortale" veröffentlicht hat. Er unterhält sich sehr angeregt mit einer sehr blonden Jungkabarettistin. Und da ist auch wieder Bürgermeister Schmid, der dem Ereignis zum ersten Mal beiwohnt und dementsprechend staunt. Er bleibt nicht lange, was in diesem Fall aber durchaus für ihn spricht. Die Gästeliste, die man am Eingang bekommt, besteht lustigerweise aus Fotos, so kann man den Alterungsprozess der Dargestellten seit Aufnahmedatum des Fotos gut nachverfolgen.

Ach ja, Gästelisten: Die sind in diesem Jahr auf der Wiesn nicht mehr ganz so lang wie sonst. Außer beim "Almauftrieb" in der Käferschänke am ersten Sonntagabend. Da ist alles fast wie immer. Nur dass die Klatschreporter die Promis nicht mehr nach den Designern ihrer Fantasietrachten fragen, sondern danach, ob sie keine Angst haben. Auch die Promi-Wiesn 2016 ist eben anders.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB