Oktoberfest Drei weitere Wiesnwirte melden falsche Umsätze

Im Schützenfestzelt ist die Wirtefamilie Reinbold Hausherrin. Sie gehört zu jenen Wiesnwirten, die Ende des vergangenen Jahres Umsatzpacht nachgezahlt haben.

(Foto: Imago)

Nicht nur Wiggerl Hagn vom Löwenbräuzelt hat offenbar zu wenig Pacht gezahlt. Auch weitere Wiesnwirte haben ihre Angaben korrigiert und der Stadt nachträglich Geld überwiesen.

Von Franz Kotteder

Noch hat die Nachprüfung zur Umsatzpacht bei den Wiesnwirten gar nicht begonnen, da haben schon drei weitere von ihnen freiwillig nachgezahlt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung haben sie ihre Angaben zur Umsatzpacht 2017 korrigiert und entsprechende Summen nachgezahlt. Dabei handelt es sich um Beträge im vier- bis unteren fünfstelligen Bereich.

Bisher war nur bekannt, dass das Löwenbräuzelt zu wenig Umsatz gemeldet hatte. Bei einer Stichprobe war Ende September herausgekommen, dass der Festwirt Wiggerl Hagn vor allem das Freibier der Brauerei und das Bedienungsgeld nicht angegeben hatte. Dies machte einen Umsatz von etwa 2,2 Millionen Euro aus, Hagn zahlte daraufhin 110 000 Euro nachträglich an die Stadt. Weiter verzichtete er zugunsten seines Enkels darauf, sich für das diesjährige Oktoberfest zu bewerben - nach 65 Jahren auf der Wiesn, davon allein 40 Jahre als Wirt des Löwenbräuzelts.

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Die Summen, um die es nun geht, sind jedoch niedriger und laut einem Rathaus-Insider "auch keine Nachmeldungen im engeren Sinn, sondern mehr die Folge eines Auskunftsbegehrens, wie das im Steuerrecht genannt wird". Die Wirte hätten nachgefragt, wie einzelne Posten zu behandeln seien, und der Sicherheit halber bestimmte Summen gezahlt. Das bestätigt auch Eduard Reinbold vom Schützenzelt, einer der drei betroffenen Wirte: "Da ging's um kleine Korrekturen, was zum Umsatz zählt. Da war manches nicht ganz klar in den Richtlinien, und bei uns war das ein Sonderfall."

Reinbold ist der einzige, der freimütig einräumt, dass er und sein Steuerberater korrigiert haben. Bei den anderen Wiesnwirten heißt es in aller Regel: "Wir waren's nicht!" Peter Pongratz vom größten Wiesnzelt, dem Winzerer Fähndl, der nach SZ-Informationen auch zu den drei betroffenen Wirten gehört, bestreitet vehement, große Summen nachgemeldet zu haben: "Wir haben wahrscheinlich eh schon mehr bezahlt als alle anderen! Ich tu' mir doch nicht so ein Theater an, nur um ein bisserl Geld zu sparen."

Andere verweisen auf die beiden Wirtesprecher Peter Inselkammer vom Armbrustschützenzelt und Christian Schottenhamel von der Festhalle Schottenhamel. Die haben, wie sie sagen, "bisher nur gerüchteweise" von Nachmeldungen gehört. "Ich weiß aber auch nicht, um wen es sich dabei handeln soll", sagt Inselkammer. Er selbst und Schottenhamel seien es jedenfalls nicht gewesen. Es bestehe aber "noch Klärungsbedarf, was die Regelungen zur Umsatzpacht angeht". Man sei da schon seit Längerem mit der Stadt im Gespräch, um das Regelwerk eindeutiger und klarer zu fassen.

Um welche Summen es genau geht, war am Donnerstag bei der Stadt nicht zu erfahren. Das Büro von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verweist auf das Wirtschaftsreferat, das für die Wiesn zuständig ist. Das Referat jedoch, das nach dem Ausscheiden des bisherigen Zweiten Bürgermeisters und Wirtschaftsreferenten Josef Schmid (CSU) kommissarisch von Kurt Kapp geleitet wird, gibt sich äußerst bedeckt. Auf die Frage, wie viele Wirte Nachmeldungen zur Umsatzpacht abgegeben hätten, antwortet Sprecher Wolfgang Nickl: "Zu Ihren Fragen kann das Referat für Arbeit und Wirtschaft keine Mitteilung machen, da diese sich auf laufende Verfahren beziehen." Was immerhin schon einmal besagt, dass Verfahren laufen.

Die Wirte der großen und kleinen Oktoberfestzelte waren 2017 stärker als zuvor an den gestiegenen Sicherheitskosten beteiligt worden. Die Stadt führte damals auf Initiative Schmids eine Pacht in Höhe von 5,1 Prozent auf den Umsatz der einzelnen Zelte ein; diese Pacht löste die festen Standgebühren ab, die bis dahin galten. Für die meisten Wirte bedeutete das eine Verdoppelung der Abgaben. Schon im ersten Jahr aber kam zu wenig Geld zusammen, um die Kosten für das zusätzliche Kontrollpersonal an den Wiesnzugängen und eine neue Lautsprecheranlage zu decken. Deshalb erhöhte der Stadtrat die Pacht auf 7,8 Prozent für die 14 großen Zelte und auf 6,1 Prozent für die 21 kleinen Zelte und Ausschankbuden. Die Zelte auf der Oiden Wiesn blieben von der Umsatzpacht verschont.

Klagen über komplizierte Abrechnungsmodalitäten bei der Umsatzpacht gab es von Anfang an, die Korrekturen der drei Wirte kamen aber relativ spät. Fest steht, dass sie erst dann nachrechneten, als die fehlerhaften Angaben des Löwenbräuzelts bekannt wurden, das zufällig für eine Stichprobe ausgewählt worden war. Denn der ehemalige Bürgermeister Schmid, der jetzt für die CSU im Landtag sitzt, weiß von den drei Fällen nichts, und er war noch bis zum 4. November im Amt. Anfang Dezember ordnete Oberbürgermeister Dieter Reiter an, die Bücher sämtlicher Wiesnzelte nachzuprüfen, nachdem das Wirtschaftsreferat das bis dahin unterlassen hatte. Das war offenbar der Anlass für die drei Wirte, ihre Angaben noch einmal genau durchzugehen.

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