Oktoberfest 2025Wo Wiesn-Besucher jetzt mit Karte zahlen können – und wo das immer noch nicht geht

Lesezeit: 4 Min.

Im Armbrustschützenzelt sollen am ersten Wiesnwochenende zunächst einmal ein Dutzend Bedienungen mit einem mobilen Kartenterminal ausgestattet werden.
Im Armbrustschützenzelt sollen am ersten Wiesnwochenende zunächst einmal ein Dutzend Bedienungen mit einem mobilen Kartenterminal ausgestattet werden. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das Oktoberfest folgt eigenen Regeln. Dazu gehört, dass die Gäste fast überall am liebsten Scheine auf den Tisch legen. Nun aber zieht ein großes Festzelt beim bargeldlosen Bezahlen nach.

Von Jacqueline Lang

In weniger als 100 Tagen heißt es wieder: O’zapft is! Und wenn es so weit ist, dann werden Besucher im Armbrustschützenzelt erstmals auch ganz ohne Bargeld am Platz ihre Mass bezahlen können. Das Zelt von Wiesn-Sprecher und Wirt Peter Inselkammer arbeitet heuer erstmals mit der Firma Mein Fest GmbH zusammen, die mittels mobiler Geräte das Bezahlen mit allen gängigen Zahlungsmethoden – sprich Giro- und Kreditkarte sowie Apple Pay oder Google Pay – ermöglicht.

Wobei es Einschränkungen gibt: Am ersten Wiesnwochenende werden im Armbrustschützenzelt zunächst nur ein Dutzend Bedienungen über solch ein Gerät verfügen, die meisten Gäste werden also zum Anstich wie gewohnt Bargeld benötigen. Laut Otmar Mutzenbach, Geschäftsführer des Armbrustschützenfestzelts, ist dieser Testlauf aber notwendig, um zu sehen, ob das System wirklich funktioniert. Sollte das der Fall sein, werde man von Montag oder Dienstag an die übrigen Teams ausstatten. Denn auch das sagt Mutzenbach: Pro Team wird immer nur ein Gerät ausgegeben. Man gehe davon aus, dass das reicht. Auf dem Oktoberfest würden schließlich immer noch viele Menschen bar bezahlen. Außerdem sind die Geräte bei rund 2000 Bedienungen ein Kostenfaktor, eins kostet 59 Euro.

Nachgedacht hatte das Armbrustschützenzelt schon länger über bargeldlose Bezahlung. Dass es die Lösung mit den sogenannten mobilen Kartenterminals des deutsch-britischen Unternehmens Sumup geworden ist, sei dabei einfach Zufall, sagt Mutzenbach. Die Firma Mein Fest, die die Sumup-Geräte für die Wiesn zur Verfügung stellt, sei einfach zum richtigen Zeitpunkt auf ihn zugekommen.

Bargeld ist immer noch das gängigste Zahlungsmittel auf der Wiesn

Mein Fest wird von Werner Franzl und seinem Sohn Maurice geführt und beliefert mit der Hardware von Sumup mittlerweile neben dem Armbrustschützenzelt eigenen Angaben zufolge rund 160 kleinere Zelte und Stände auf der Wiesn, sprich etwa die Hälfte aller Schausteller. Darunter – selbstverständlich – auch „Franzls Leberkäs Speiserei“, die Franzl Senior seit vielen Jahren gemeinsam mit seiner Frau Sabine betreibt.

Als Marktbeschicker hatten sie dort immer häufiger mit Kundschaft aus Asien zu tun, die mit dort gängigen Bezahldiensten wie Alipay oder Wechat bezahlen wollte. So fing es 2016 an. Mittlerweile, darauf ist Franzl stolz, habe jeder zweite Schausteller eines seiner Geräte. Und nun konnten sie auch das Armbrustschützenzelt als Kunden gewinnen. Mit zwei weiteren der großen Festhallen sei man derzeit im Gespräch, mehr könne er aktuell nicht verraten. Aber so viel steht fest: Das Interesse sei enorm. „Ich kriege jeden Tag Anfragen“, sagt Franzl. Das ermutigt ihn, eine Prognose abzugeben: Spätestens in zwei Jahren werde man in der Fläche vertreten sein, sprich bis zu 90 Prozent aller Betriebe auf der Wiesn mit Geräten ausstatten.

Etwa die Hälfte aller Schausteller auf dem Oktoberfest bietet mittlerweile bargeldloses Bezahlen an.
Etwa die Hälfte aller Schausteller auf dem Oktoberfest bietet mittlerweile bargeldloses Bezahlen an. Maurice Franzl/Mein Fest

Mit der Stadt München sei man partnerschaftlich verbunden, sagt Franzl. Denn das gemeinsame Ansinnen sei mehr „Barrierefreiheit“ auf der Wiesn. Christian Scharpf erklärt dazu auf Nachfrage: Als Wiesn-Chef begrüße er „ausdrücklich jede Maßnahme, die unseren Gästen den Zugang zu Waren und Dienstleistungen auf dem Oktoberfest erleichtert – dazu zählt auch das Angebot bargeldloser Bezahlmöglichkeiten, da sie insbesondere Menschen mit Einschränkungen mehr Selbstständigkeit und Komfort ermöglichen“. Vorgabe mache man Wirten und Schaustellern allerdings keine. Wo die Stadt selbst verantwortlich sei, etwa an den Kassen an den Eingängen zur Wiesn, könne man längst bargeldlos bezahlen.

Darum, das Bargeld ganz abzuschaffen, geht es den beiden aber keineswegs. Es wäre ohnehin ein weiter Weg: Laut Mein Fest zahlen gerade mal rund fünf bis zehn Prozent aller Besucherinnen und Besucher mit Karte. Viele der Wirte halten die fest installierten Terminals, an denen man mit Karte zahlen kann, deshalb für ausreichend und die Wege dorthin für zumutbar, etwa im Löwenbräu, im Marstall oder in der Bräurosl.

Das Hofbräu-Festzelt akzeptiert bis auf Weiteres nur Bargeld

Andere, wie das Hofbräu-Festzelt, halten offenbar nicht einmal das für notwendig. „Wir werden dieses Jahr auch wieder nur Bargeldzahlung akzeptieren“, heißt es auf Nachfrage. In Kufflers Weinzelt indes schließt man nicht aus, in ein paar Jahren in Sachen bargeldloses Zahlen am Platz nachzuziehen. „Wir lassen erst einmal die Großen vor“, sagt Reservierungsleiterin Daniela Zecha. An einem stationären Terminal kann man aber auch im Weinzelt jetzt schon mit Karte zahlen.

Konstantin Schottenhamel versteht jeden seiner Kollegen, der noch zögerlich ist, wenn es um neuere Bezahlmöglichkeiten geht – dabei bietet er die Möglichkeit, mittels QR-Code zu bezahlen, in seinem Zelt schon seit drei Jahren an. Schottenhamel sagt aber: „Das Oktoberfest ist immer noch bargeldlastig.“ Gründe dafür gibt es viele. Einer ist laut dem Festwirt: Meistens geht es doch schneller, wenn der Gast einfach einen Schein zückt. Seine Bedienungen hätten deshalb aufgrund der Geschwindigkeit „eine Präferenz zum Bargeld“.

Gleichwohl habe die Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens den Vorteil, dass man dem Gast noch etwas verkaufen kann, selbst wenn dessen Portemonnaie leer ist. Funktionieren tut das im Schottenhamel eben mit besagten QR-Codes, jede Bedienung hat einen. Bezahlt ein Kunde oder eine Kundin damit, wandert das Geld nach der Transaktion automatisch auf deren digitales Konto. Damit hat das Festzelt laut Schottenhamel bislang „sehr gute Erfahrungen“ gemacht, von ein paar Beschwerden wegen angeblichen Betrugs mal abgesehen – und die gebe es ja im Übrigen auch bei Bargeld.

In der Ochsenbraterei, dem Schützen- und dem Käferzelt geht bargeldloses Bezahlen ebenfalls bereits seit mehreren Jahren, sowohl mit Kreditkarten als auch mit Bezahldiensten wie Google Pay – und dies bequem am Platz, wenn die jeweilige Bedienung das Gerät gerade dabeihat. Maria Pinzger, Sprecherin der Ochsenbraterei, sagt dazu schlicht: „Das ist die Zukunft.“ Denn ja, auch auf der Wiesn geht man, wenn auch etwas behäbig, mit der Zeit.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Oktoberfest
:Viel „Oh, Oh, Oh“ und „Bam Bam Bam Bam“: München sucht Lied für die Wiesn

Bislang haben sich Wiesn-Hits ganz natürlich während des Fests herauskristallisiert – nun hält die Stadt einen Oktoberfest-Song-Contest ab. Wie er abläuft und was es für Teilnehmer und Abstimmende zu gewinnen gibt.

Von Joachim Mölter

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: