Oktoberfest Wie der Olympia-Looping den Menschen den Kopf verdreht

Der Olympia Looping auf dem Oktoberfest.

(Foto: Florian Peljak)

Die aufregende Geschichte der größten transportablen Achterbahn der Welt.

Von Laura Hertreiter

Ganz oben, kurz bevor die Wagen kippen und über eine Steilkurve in die Tiefe donnern, wird Otto Barths Achterbahn eigentlich lebendig. Fliegende Arme, Adrenalinjubeln und atemloses Ächzen. An jenem Samstag vor sieben Jahren aber hielt die voll besetzte Bahn an genau dieser Stelle einfach an.

Durchgebrannter Motor, Stillstand.

Das war so ein Moment, sagt der Bonner Schausteller Otto Barth heute, in dem sein Olympia-Looping auch ihm unten am Kassenhäuschen auf dem Münchner Oktoberfest wieder einmal den Puls in die Höhe gejagt hat. Eine halbe Minute lang hatte sich der Zug zuvor über die orangefarbenen Gleise in mehr als dreißig Meter Höhe geschoben.

28 Menschen hingen fest, ganz oben

Auf den Sitzen die übliche Stille am Fahrtbeginn, weil der Horizont immer weiter wird und sich die Passagiere unter den Schulterbügeln mit jeder Sekunde kleiner fühlen.

Ganz oben hingen sie dann fest, 28 Menschen. Drüber blauer Himmel und Wolken, als wäre Zuckerwatte in ein Windrad geraten. Drunter Fetzen von Volksfestmusik und winzig klein das Gewimmel der Stadt. Otto Barth, 49 Jahre alt, hat einige solcher Augenblicke mit seiner Achterbahn erlebt. Und schlimmere. "Eigensinnig ist sie", sagt er, "aber auch einzigartig."

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Der Olympia-Looping, 27 Jahre alt, ist die größte transportable Achterbahn der Welt. Früher reiste sie auf 50 Lastwagen durch das ganze Land, vom Hamburger Dom bis zum Münchner Oktoberfest und bis nach Frankreich und in die Niederlande, acht Stationen im Jahr. Heute lohnt sich das nicht mehr, das Geschäft mit dem Rummel ist härter geworden.

Der deutsche Schaustellerbund fürchtet, dass kleinere Veranstaltungen ganz verschwinden könnten. In den vergangenen 15 Jahren ist die Zahl der Volksfeste von 12 000 auf knapp 10 000 zurückgegangen. Die Besucherzahl sank von 178 auf 148 Millionen, 17 Prozent der Geschäfte wurden aufgegeben. Vor allem solche, die sich nicht wie der Looping einen Platz auf Riesenfesten wie dem Münchner Oktoberfest oder der Cranger Kirmes in Herne sichern konnten.

Kosten für den Transport nach Hamburg: bis zu 50 000 Euro

Das sind auch die einzigen Festplätze, auf denen Barth seinen Olympia-Looping in der vergangenen Saison aufbauen ließ. Vor einigen Jahren, als der Benzinpreis auf seinem vorläufigen Maximum war, rechnete er aus, dass der Transport der Achterbahn von München nach Hamburg mehr als 50 000 Euro kosten würde, und beschloss, nur noch die profitabelsten Plätze anzusteuern.

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"Solange wir das so machen, können wir uns auch in schwierigeren Zeiten finanziell nicht beklagen", sagt Barth. Weil viele Schausteller auf diese Weise kalkulieren, sind etliche kleine Dulten und Feste vom Aussterben bedroht. Damit ist die Geschichte des berühmten Fünferloopings nicht nur eine Geschichte voller Eigensinn, voller Höhen und Tiefen, sondern auch: Volksfestgeschichte.