Der Wiesn-Schnulli

Ja, das kommt wohl dabei heraus, wenn sich der stolze Besitzer einer Plastiklederhose von Aldi im Zuge des Oktoberfests mit der feschen Trägerin eines superkurzen Mini-Papageiendirndls mit Großraumausschnitt paart: der offizielle Wiesn-Schnulli 2014. Mit 6,50 Euro ist er deutlich billiger als eine Wiesnmass, bestellen kann man ihn zum Beispiel im Internet auf der Seite www.oktoberfest.de.

Schön ist freilich etwas anderes: Gestalterisch ist es ja eine ziemliche Bankrotterklärung, wenn einem zum Thema Oktoberfest nicht mehr einfällt als ein Gesicht mit weißblauem Rautenmuster. Da hilft auch der Griff in Form einer John-Lennon-Brille nichts mehr.

Früher, so geht übrigens die Kunde, haben die Bayern den Schnuller in Bier getaucht, bevor sie ihn im Munde des greinenden Nachwuchses versenkten. Die Kleinen hätten dann immer so selig geschlummert, heißt es. Heute ist dieses Vorgehen natürlich aus gesundheitlichen Gründen streng untersagt, selbst in Bayern. Im Falle des Wiesn-Schnullis möchte man aber fast eine Ausnahme machen: Wer durch Wiesnbier benebelt ist, muss sich vielleicht nicht mehr gar so sehr wegen des schlechten Geschmacks seiner Eltern in Grund und Boden schämen. Von Franz Kotteder

1. Oktober 2014, 11:562014-10-01 11:56:22 © SZ.de/sim/tba