Das Atemlos-Barometer

Ein Wiesnhit wird meist nur dann einer, wenn sich der Refrain auch schwer alkoholisiert mitgrölen lässt. Ausnahme der vergangenen Jahre war Hubert von Goiserns "Brenna tuats guat", dessen Text lang und kaum verständlich ist, dessen Rhythmus dennoch die Massen mitriss. Zum Mitsingen war der Song aber nix. Aber dann kam die Fischer Helene daher und tat, was man als Schlagerinterpretin halt so macht: Sie reimte. "Nacht" auf "macht", "Tabu" auf "Liebes-Tattoo" und so fort. Und fertig war der Hit "Atemlos durch die Nacht", der reihenweise die Massen verzückt.

Da lag es für die Wiesnbands natürlich nahe, das Liedchen ebenfalls einzustudieren - und die Högl Fun Band, die zu vorgerückter Stunde im Weinzelt auftritt, hat daraus sogar noch eine Geschäftsidee entwickelt: das Atemlos-Barometer. Es ist ein Zeiger, der wahlweise in den roten oder grünen Bereich gestellt wird. Gäste können der Band Getränke spendieren und sich wünschen, dass sie das Fischer-Liedl entweder spielen oder dies bitte tunlichst unterlassen sollen. Und es gilt: Je höher der Einsatz, desto aussichtsreicher die Erfolgschancen.

Nachteil Nummer eins ist, dass die Atemlos-Fans leider recht spendabel sind. Nachteil Nummer zwei ist, dass Flüchten zwecklos ist. Denn auch in anderen Zelten läuft das Lied gefühlt in einer Dauerschleife - auch ohne Barometer. Von Andreas Schubert

Bild: Stephan Rumpf 1. Oktober 2014, 11:562014-10-01 11:56:22 © SZ.de/sim/tba