Oktoberfest Sturmtief reißt Zaun an der Oiden Wiesn ein

Der Sturm hat den Zaun an der Oidn Wiesn umgeworfen

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Am ersten Wochenende besuchen 800 000 Menschen das Oktoberfest. Wirte und Schausteller sind zufrieden - nur wegen des starken Winds macht sich nun Unruhe breit.

Von Franz Kotteder

Bis zum Sonntagabend war die Wiesn so, wie man sie von früher kennt. Lag's am schönen Wetter zum Auftakt am Samstag? Jedenfalls war anders als in den vergangenen Jahren von Zurückhaltung bei den Besuchern nichts mehr zu spüren. Schausteller- und Wirtsbudenstraße waren voll wie eh und je, bereits am Nachmittag mussten einzelne, wenn auch nicht alle Zelte wegen Überfüllung geschlossen werden, ein ganz normaler Wiesnsamstag also.

Auch was das Anzapfen anging, war allerorten große Normalität zu beobachten. Die scheint sich mittlerweile bei zwei Schlägen pro Fass einzupendeln. Bei Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sowieso. Bei ihm wäre alles so gewesen wie seit Jahren, hätte er diesmal nicht den Ausruf: "Auf eine friedliche Wiesn!" vergessen. Vielleicht lag's daran, dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) neben ihm stand. Dessen Stellvertreterin, Verkehrs- und Bauministerin Ilse Aigner (CSU), zapfte eine Stunde später im kleinen Volkssängerzelt Zur Schönheitskönigin auf der Oiden Wiesn an, zum zweiten Mal bereits. Im vergangenen Jahr war das ein rechtes Gepritschel, diesmal brauchte sie nur zwei Schläge. Geübt habe sie aber nicht, versicherte sie. Zwei Schläge waren es auch beim Kabarettisten Helmut Schleich im Herzkasperlzelt. Und bei seiner Kollegin Luise Kinseher, die im Schichtl zugange war? "Zwei Schläge!", rief sie stolz, und fügte dann nach kurzem Nachdenken hinzu: "Und ein Sicherheitsschlag."

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Die Besucherzahlen scheinen sich inzwischen ebenfalls wieder auf das Niveau von vor ein paar Jahren einzupendeln. Am ersten Wochenende zählte die Festleitung insgesamt an die 800 000 Besucher auf dem Gelände, das waren 200 000 mehr als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr. Da hatte es am ersten Wochenende aber auch stark geregnet. Wiesn-Chef und Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) gab sich sehr zufrieden: "Ein hervorragender Wiesnstart, der Lust auf mehr macht." Auch die Touristen aus dem Ausland sind wieder gut vertreten, vor allem Australier, US-Amerikaner, Gäste aus Asien sowie viele Italiener. Der Trend weg vom "Italiener-Wochenende" in der zweiten Woche hält also offenbar an.

So waren auch die Wiesnwirte recht zufrieden, auch wenn es von ihnen noch keine Umsatzzahlen gibt, was zum Beispiel den Bierverbrauch angeht. Die Ochsenbraterei jedenfalls war am Sonntag schon beim 13. Ochsen angekommen; im Vorjahr waren es nach zwei Tagen erst elf. Auch die Händler im Straßenverkauf, heißt es aus der Festleitung, könnten nicht über ihren Umsatz klagen. Und nicht nur wegen der vollen Zelte waren auch die Biergärten davor gut besetzt. Wirtesprecher Peter Inselkammer, der das Armbrustschützenzelt betreibt, erkannte "einen gesteigerten Durst" bei den Wiesnbesuchern. Der wegen der erhöhten Umsatzpacht überdurchschnittlich stark gestiegene Bierpreis hält also anscheinend kaum jemanden vom Besuch eines Bierzelts ab. Das merkt auch der Sanitätsdienst der Wiesn: Schon am ersten Tag hatte man sich um 469 Patienten zu kümmern.

"Wir fragen permanent den Wetterdienst wegen etwaiger Veränderungen ab."

Unruhe verbreitete dann jedoch die Wetterlage am Sonntagnachmittag. Ein Gewitter mit Sturmböen war frühzeitig für den Abend angekündigt gewesen. Um 14.10 Uhr warf eine aus südlicher Richtung kommende Böe den Zaun vor der Oiden Wiesn auf voller Länge um. Wie eine Linie von Dominosteinen kippte er rasch nach vorne auf die freie Wiese. Verletzt wurde niemand. Auch der Zaun auf der Westseite des Geländes wurde umgeschmissen. Beide Absperrungen waren nach einer guten Viertelstunde wieder aufgebaut, die Ordner waren schnell zur Stelle, sodass nur wenige Besucher die widrigen Winde für einen kostenlosen Oide-Wiesn-Gang nutzten.

Polizei und Feuerwehr kümmerten sich darum, die Absperrungen zu sichern, um zu verhindern, dass der Zaun noch einmal weggeblasen wird. Wegen des starken Windes wurde der Zaun am frühen Abend dann aber sicherheitshalber umgelegt und beschwert. Die Festleitung stand bis in die Nacht hinein in ständigem Kontakt mit Polizei und Feuerwehr und versuchte, die Lage einzuschätzen. "Wir fragen permanent den Wetterdienst ab", sagte Wiesn-Chef Schmid. Kurz vor 21 Uhr wurde den Gästen über die Lautsprecheranlage empfohlen, den Außenbereich zu verlassen.

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