Oktoberfest SPD will Ponyreiten verbieten

Nach dem Beschluss des Stadtrats sollen in Zukunft auf dem Dachauer Volksfest keine lebenden Tiere mehr erlaubt sein. Auch die Münchner SPD will das Ponyreiten verbieten.

(Foto: Toni Heigl)
  • Reitbahnen sollen vom Oktoberfest und der Auer Dult verschwinden.
  • Ponyreiten bei Volksfesten sei nicht mit dem Tierschutz zu vereinbaren, heißt es in einem Antrag der SPD-Fraktion im Münchner Rathaus.
  • Die Stadt Dachau hat bereits vom kommenden Sommer an das Ponyreiten verboten.
Von Andreas Schubert

Ist Ponyreiten auf Volksfesten Tierquälerei oder nicht? Diese Frage hat im Sommer in Dachau eine erregte Debatte nach sich gezogen, vor allem nachdem sich die Stadt dazu entschlossen hatte, von 2016 an den traditionellen Kinderspaß zu verbieten - aus Gründen des Tierschutzes. Jetzt will auch die Münchner SPD das Ponyreiten von Münchner Jahrmärkten verbannen. Am Dienstag hat die Stadtratsfraktion ein entsprechendes Verbot beantragt.

Verschwinden sollen die Reitbahnen auf der Auer Dult und auf dem Oktoberfest, wo es dieses Jahr noch zwei Bahnen gab. Für die Genossen steht es außer Frage, dass den Tieren geschadet wird. "Die permanente Lärmbeschallung und das ständige stupide Im-Kreis-Gehen" beanspruchten die Tiere über die Maßen, heißt es im Antrag. Die Ponys bekämen Schäden am Skelett, besonders an Hals und Wirbelsäule. Dies führe zu einer einseitigen Belastung der Beine und Hufe, was fehlerhafte Beinstellungen zur Folge habe.

Zusätzlich, so die Antragsteller, könnten laute Musik, Besucherlärm und Lichteffekte der umliegenden Fahrgeschäfte Stress und Panik bei den Tieren auslösen. "Ponys sind Fluchttiere", sagt Bettina Messinger, die tierschutzpolitische Sprecherin der Rathaus-SPD. Man beschäftige sich schon längere Zeit mit dem Thema. Da aber jetzt auf dem Dachauer Volksfest kein Ponyreiten mehr erlaubt sei, wolle man das auch in München endlich durchsetzen. "Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß", sagt Messinger.

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Expertin rechnet mit Gegenwind

Sie rechne durchaus mit Gegenwind, zum Beispiel von Seiten der Schausteller oder aus der Bevölkerung, die argumentieren werden, dass Ponyreiten schließlich eine Volksfesttradition sei. "Aber die Tierschutzbelange überwiegen eindeutig", sagt Messinger.

Bundesweit gibt es schon seit mehreren Jahren immer wieder Stimmen von Tierschützern, Kirmes-Reitbahnen zu verbieten. Wer die Debatten im Netz verfolgt, etwa auf der Facebookseite mit dem Titel "Wir sind für den Erhalt der Pferdereitbahnen auf Volksfesten", der bekommt immer dieselben Argumente zu lesen. Den Tieren gehe es gut, die Kinder freuten sich, es sei eine alte Tradition. Die Gegenstimmen der Tierschützer sind dabei genauso deutlich.

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Existenz der Schausteller steht auf dem Spiel

Nur die Schausteller selbst sind vorsichtig. So wollte sich Michael Kaiser, Betreiber einer der beiden Reitbahnen auf der Wiesn, zuletzt nicht mehr zum Thema äußern. Unmittelbar nach dem Dachauer Volksfest im August hatte er noch angekündigt, sich gegen die Verbannung zu wehren, schließlich stehe seine Existenz auf dem Spiel. Die Tierschützer, so Kaiser damals, sollten seiner Ansicht nach "weniger verbohrt" und "verbissen" sein.

Im Tierpark Hellabrunn gibt es das Ponyreitenschon seit einigen Jahren nicht mehr. Und auch auf der Wiesn, glaubt die SPD, werde es niemand vermissen. Für kleine Kinder gebe es Alternativen, die ebenfalls Spaß machten. Beim sogenannten Ponykarussell werde Kindern ein falsches Bild von Tieren vermittelt. Sie würden in diesem Umfeld weniger als Lebewesen, sondern eher als Konsumgut und Gebrauchsgegenstand wahrgenommen.

Ob sie die Initiative ihres Koalitionspartners mittragen wird, dazu hatte sich die CSU nach eigenem Bekunden am Dienstag noch keine Meinung gebildet.