Wiesn-Sicherheitskonzept Polizisten, besser als eine Gesichtserkennungs-Software

Polizisten patrouillieren am 19.09.2015 in München über das Oktoberfest.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Die Münchner Polizei hat ihr Sicherheitskonzept für das Oktoberfest vorgestellt.
  • 47 Kameras wird es auf dem Gelände geben, sogenannte Super-Recogniser werden die Aufnahmen auswerten.
  • Diese Polizisten können mehr Gesichter erkennen als elektronische Gesichtserkennungs-Software.
Von Martin Bernstein

Ein tiefer Blick in die Augen - das muss auf der kommenden Wiesn nicht unbedingt der Beginn eines Anbandelversuchs sein. Es könnte auch sein, dass einer der 37 "Super-Recogniser" des Münchner Polizeipräsidiums Fährte aufgenommen hat. Erstmals will die Polizei beim Oktoberfest nämlich probeweise Beamte einsetzen, die besondere Fähigkeiten beim Wiedererkennen von Gesichtern haben.

Taschendiebe und andere Übeltäter, die im Gewühl unentdeckt bleiben wollen, haben es künftig also noch schwerer. Denn die Super-Spüraugen sind nicht nur eine Alternative zu elektronischer Gesichtserkennungs-Software. Sie sind schlichtweg besser. Hundert Mal besser.

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Wissenschaftler der Universitäten Harvard und Greenwich hatten bereits vor knapp zehn Jahren herausgefunden, dass es solche Super-Recogniser gibt. Bei der Londoner Polizei zeigte sich das nach den "London Riots" genannten Unruhen von 2011. Mehr als 200 000 Stunden Videomaterial hatten die Ermittler, doch die damals beste Software zur Gesichtserkennung konnte gerade einmal eine einzige Person identifizieren. Einigen wenigen Beamten gelang es dagegen, 1300 Tatverdächtige wiederzuerkennen.

Die Verantwortlichen im Münchner Polizeipräsidium und im Bayerischen Landeskriminalamt waren beeindruckt. Sie flogen nach London, um mehr über die Arbeit ihrer britischen Kollegen zu erfahren. An der Ettstraße ist man sich der unterschiedlichen Rahmenbedingungen durchaus bewusst: die niedrige Kriminalitätsrate in München und die im Vergleich zu London geringe Dichte an Videokameras - denn die Super-Polizisten brauchen Bilder, die sie mit ihren Spüraugen absuchen können.

Die Idee, mit Super-Recognisern zu arbeiten, hält man für vielversprechend

47 Videokameras gibt es auf dem Oktoberfest in diesem Jahr, zehn mehr als 2017. In einem Raum der Wiesnwache haben Beamte auf Bildschirmen das gesamte Wiesn-Areal im Auge, inklusive dem berühmt-berüchtigten Hügel zur Schwanthalerhöhe, auf dem mancher Wiesnbesuch in Schlaf und Rausch endet. Deshalb hält man in München die Idee, mit Super-Recognisern auf dem Oktoberfest auf Verbrecherjagd zu gehen, für "vielversprechend".

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä stellten den diesjährigen Einsatz der noch einmal ausgebauten Videoüberwachung sowie die Erprobung von eigenen Super-Recognisern am Mittag im Polizeipräsidium vor. "Auch dieses Jahr dürfen sich die Wiesnbesucher auf Münchens größtem Fest sicher fühlen", versprechen sie. Dazu setzt die Polizei auch 20 Beamte mit Body-Cams und eigene Messenger-Dienste ein.

Und erstmals probeweise eben auch die Superaugen. Sie sollen mit ihren Fähigkeiten zur Identifizierung bislang unbekannter Straftäter oder bei der Zuordnung von Straftaten behilflich sein. Die Super-Recogniser sollen sowohl im Video-Kontrollraum als auch an den Eingängen zur Wiesn eingesetzt werden. Testpersonen sollen ausprobieren, wie zuverlässig die Spüraugen Menschen wiedererkennen.

Das Polizeipräsidium hat 37 solcher Spürnasen

Schon vor einem Jahr waren die menschlichen Gesichtsscanner in München im Einsatz. Beamte der Londoner Metropolitan Police zeigten ihren Münchner Kollegen, was Super-Recogniser können. Sie begleiteten Taschendiebfahnder über die Wiesn und erkannten bei einem Test am Wiesn-Eingang zivil gekleidete Beamte wieder, die sich unter die Oktoberfest-Besucher gemischt und von denen sie zuvor nur Fotos gesehen hatten.

Die Münchner Polizei startete daraufhin einen internetbasierten Test für ihre eigenen Beamten. 5300 Polizisten und Angestellte des Präsidiums nahmen freiwillig daran teil, berichtete Polizeipräsident Andrä im Juni. Etwa jeder Vierte kam in die nächste Runde, nach der noch 90 Mitarbeiter übrig blieben. Diese Gruppe absolvierte im April eine mehrstündige Abschlussprüfung.

Das Ergebnis: Das Polizeipräsidium hat jetzt 13 weibliche und 24 männliche Super-Recogniser. Zwei davon, Elizabeth M. und Andreas H., wurden am Dienstagmittag vorgestellt. Auf der Wiesn wird man sie sehen. Aber vor allem wird man von ihnen gesehen werden.

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