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Oktoberfest:Neues Hackerzelt: Im Himmel gibt es bald mehr Klos

Bruck: Zeltbau DEUTER / Neues Hacker-Pschorr-Zelt

Die Gemälde von Rudi Reintaler über den Boxen zeigen Szenen aus dem Münchner Stadtleben.

(Foto: Johannes Simon)

Außerdem wird das neue Wiesnzelt höher und besser zu lüften sein, es bekommt einen weiteren Balkon und breitere Gänge - zum Wohle aller Wankenden.

Von Franz Kotteder

Ein neues Bierzelt zu bauen, ist ungefähr so leicht, wie einen Nummer-Eins-Hit zu komponieren oder einen Bestseller zu schreiben. Das wird schnell klar, wenn man Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt so reden hört, was alles bedacht werden musste beim neuen Entwurf für das Hackerzelt auf dem Oktoberfest. "Der Charakter des Zeltes sollte erhalten bleiben", sagt er bei der Vorstellung der ersten Musterbox bei der Zeltbaufirma Deuter in der Nähe von Fürstenfeldbruck, "es ist ja schließlich eines der beliebtesten Wiesnzelte überhaupt, besonders bei der Jugend."

Andererseits gab es natürlich im alten Zelt schon den einen oder anderen Verschleiß, manches ließ sich auch verbessern, keine Frage. Aber mehr Plätze durften es nicht werden, das verbieten die Richtlinien der Stadt. Und wiedererkennen sollten die Stammgäste ihren "Himmel der Bayern" auch, wie das Hackerzelt auch heißt. Man sieht schon: Die ganze Sache läuft letztlich doch auf einen Kompromiss hinaus.

Der andererseits auch wieder viele Vorteile hat, wie Toni Roiderer erklärt. Formal hat er die Geschäftsführung zwar an seinen Sohn Thomas übergeben, als Wirt des Hackerzelts seit 1989 aber kennt er es natürlich in- und auswendig. "Am meisten Stau gab es immer im hinteren Toilettenbereich." Das wird jetzt besser, weil es künftig auf beiden Seiten sowohl Herren- als auch Damentoiletten geben wird, auch oben auf den Galerien. Auch draußen in den Wirtsgärten wird es zusätzliche Toiletten geben, die auch von den Seitenstraßen aus zugänglich sind. Roiderer sagt: "Da tut Hacker auch was für die Allgemeinheit, denn da darf man auch rein, wenn man ein Spaten-Bier getrunken hat."

Vor allem aber wird das neue Hackerzelt mit 14,2 Metern etwa eineinhalb Meter höher sein als das alte, es wird auch kein Cabriodach mehr haben, sondern ein sogenanntes "Sheddach", bei dem eine Dachhälfte etwas über die andere ragt. Das erlaubt eine natürliche Lüftung und verhindert zugleich Schwitzwasser an den neuen, absolut wasserdichten PVC-Planen. Zugleich werden dadurch die Boxen an den Seiten des Zeltes höher, um einen guten Meter. Die niedrigen Decken dort waren manchmal ein Problem für die Lüftung. Außerdem - und das ist wohl die größte Neuerung - ermöglicht die lichte Höhe nun erstmals auch einen Südbalkon im Freien. Er ist überdacht und 50 Meter lang, 560 Gäste werden dort Platz finden.

Das wiederum erklärt, warum das Zelt mehr Platz für Küche und Toiletten bekommt, obwohl es nicht größer wird von seinen Abmessungen am Boden her (93 mal 44,5 Meter). Auch die seitlichen Hauptgänge werden etwas breiter, um 80 Zentimeter. Diesen Platz braucht mancher Besucher nach der zweiten Mass zwar schon für sich alleine, künftig läuft er dabei aber weniger Gefahr, von einem der großen Tabletts, von den Bedienungen "Schlitten" genannt, am Kopf rasiert zu werden. Denn von der Küche aus gibt es nun direkte Zugänge zu den Galerien, die Service-Kräfte müssen sich nicht mehr durch die Massen zwängen. "Wir sind künftig schneller am Gast", verspricht Steinfatt.

Und was wird aus dem "Himmel der Bayern"?

Und was wird aus der berühmten Innendeko, die der Film-Bühnenbildner Rolf Zehetbauer 2004 für das Hackerzelt entworfen hat, eben den "Himmel der Bayern"? "Da bin ich in Verhandlungen mit Petrus", witzelt Roiderer, aber Steinfatt sagt: "Den blauen Himmel wird es wieder geben, auch die Sterne." Neu ist, dass der Dekorationsmaler Rudi Reinstadler ein 2000 Quadratmeter großes Gemälde mit typischen Münchner Szenen - vom Picknick an der Isar bis zur Surferwelle am Eisbach - für den Innenraum anfertigt.

Wie das Ganze einmal aussehen wird, lässt sich bei der Vorbesichtigung immerhin erahnen. Die Zeltbaufirma hat dafür extra die spätere "Donisl-Box" probeweise zusammengeschraubt, die tatsächlich wesentlich lichter und größer wirkt als früher. Exakt 3,74 Meter ist sie jetzt hoch, benannt ist sie nach dem soeben rundum renovierten Parade-Wirtshaus der Hackerbrauerei, dem Donisl am Marienplatz. Die anderen Boxen tragen Namen mit einer Beziehung zur Stadt, etwa "Biergarten-Box" oder "Zirkus-Box".

Was die neue Wiesn-Gaudi kostet, will Andreas Steinfatt nicht verraten. Seine Brauerei lässt das Zelt nur bauen, es bleibt im Besitz von Deuter, Hacker hat dafür einen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen. Steinfatt spricht von "einem siebenstelligen Betrag" - woraus man erschließen kann, dass die Baukosten noch unter zehn Millionen Euro liegen, wenn auch wohl nur knapp. Ob sich diese Ausgaben lohnen, werden die Münchner erst vom 17. September an beurteilen können, dem ersten Wiesnsamstag. Der Aufbau beginnt am 11. Juli, gut 100 Lastwagen liefern das neue Zelt dann nach und nach an.

© SZ vom 22.06.2016/infu
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