Oktoberfest München will Wiesnwirte subventionieren

Gute Kultur ist schön, kostet aber auch gutes Geld: Die Betreiber des Volkssängerzelts "Zur Schönheitskönigin" zahlten 2017 sogar drauf.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • 50 Cent von jeder verkauften Eintrittskarte sollen rückwirkend für vergangenes Jahr, aber auch in Zukunft, direkt an drei Zelte auf der Oiden Wiesn gehen.
  • Darum wirbt Münchens Zweiter Bürgermeister Schmid im Stadtrat für ein "Kulturfuchzgerl".
  • Denn das Kulturprogramm auf der Oiden Wiesn ist um einiges teurer, als es die Nebenkosten in einem normalen Bierzelt sind.
Von Franz Kotteder

Jetzt ist es soweit: Von diesem Jahr an soll es erstmals Subventionen für Wiesnwirte geben. Nicht für die auf dem normalen Oktoberfest, die können sich noch so über Wasser halten, aber für die auf der Oiden Wiesn. Denn die haben auch einen Kulturauftrag, und Kultur ist schön, kostet aber Geld.

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Und deshalb soll nun das Kulturprogramm auf der Oiden Wiesn subventioniert werden. Rund eine halbe Million Euro will die Stadt künftig pro Jahr, in dem die Oide Wiesn stattfindet, ausgeben. So jedenfalls der Plan des Zweiten Bürgermeisters und Wiesnchefs Josef Schmid (CSU). Er will ihn an diesem Dienstag im Wirtschaftsausschuss des Stadtrats zur Abstimmung stellen.

Die Oide Wiesn ist zwar, was den Besucherandrang angeht, durchaus erfolgreich. Dennoch haben die dort vertretenen vier Zelte - Festzelt Tradition, Museumszelt, Herzkasperlzelt und Volkssängerzelt - Probleme, auf ihre Kosten zu kommen. Denn das Kulturprogramm ist um einiges teurer, als es die Nebenkosten in einem normalen Bierzelt sind. Das Museumszelt der Schaustellervereinigung, das über eine Gastronomie von nur knapp 500 Plätzen verfügt, machte im vergangenen Jahr gar ein Minus von beinahe 290 000 Euro. Das, so Schmid, will die Stadt nun ausgleichen - durch die Einnahmen, die sie mit dem Eintrittsgeld für die Oide Wiesn erwirtschaftet hat. In den kommenden Jahren will man einen Fehlbedarfszuschuss von maximal 250 000 Euro gewähren.

Probleme haben aber auch die anderen größeren Zelte. Besonders das 2017 neu geschaffene Volkssängerzelt "Zur Schönheitskönigin" konnte sein anspruchsvolles Kulturprogramm nicht refinanzieren, da es nur knapp 900 Plätze im Zelt selbst und davor hat. Das soll sich vom nächsten Jahr an ändern, die Stadt will dann doppelt so viele Plätze zulassen. Das Volkssängerzelt wäre dann immer noch deutlich kleiner als das Herzkasperlzelt, das daneben steht.

Damit nicht genug, denn auch das große Festzelt Tradition und das Herzkasperlzelt kamen 2017 nur so einigermaßen über die Runden und hatten mit höherem Aufwand und höheren Sicherheitskosten zu kämpfen. Um sie dabei zu unterstützen, wirbt Schmid im Stadtrat jetzt für ein "Kulturfuchzgerl".

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Will heißen: 50 Cent von jeder verkauften Eintrittskarte sollen rückwirkend für vergangenes Jahr, aber auch in Zukunft, direkt an drei Zelte gehen. 30 Cent ans große Festzelt, 10 Cent ans Musikanten- beziehungsweise Herzkasperlzelt und 10 Cent ans Volkssängerzelt. Um der "Schönheitskönigin" unter die Arme zu greifen, verzichtet das große Festzelt vorerst zu dessen Gunsten auf die Hälfte des Zuschusses.