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Wiesn-Hits:Tanzen, Bier und Ehebruch

Cordula Grün

Cordula Grün - der Wiesn-Hit 2018

(Foto: SZ-Grafik)

Der aktuelle Lieblingssong ist ein junger Klassiker. Warum er so gut funktioniert? Weil er alles hat, was es im Bierzelt so braucht. Ein anderer Titel benötigte 40 Jahre, um auf dem Oktoberfest anzukommen - und DJ Ötzi.

Kaum war die Rockballade "Cordula Grün" des Wiener Songwriters Johannes Sumpich alias Josh im Sommer 2018 auf dem Markt, wurde sie im Radio rauf und runter gedudelt. Der Refrain hat dermaßen Ohrwurmpotenzial, da wunderte es nicht, dass der Song auch der Wiesn-Hit des vergangenen Jahres wurde - und auch dieses Jahr immer und immer wieder von Tausenden Kehlen mitgegrölt wird.

Das mag am Text liegen, in dem alles drin ist, was so manchem Wiesnbesucher auch liegen dürfte: Tanzen, Biertrinken, Ehebruch, das alles schön einfach zusammengereimt - Grün/tanzen geseh'n, Grün/gern wiederseh'n, und so weiter.

Dazu lebt der Text von vielen Wortwiederholungen, die auch die Besoffensten noch gut rausbringen. Zudem sind die Moll-Akkorde des Refrains einer bierseligen Stimmung durchaus zuträglich, man liegt sich in den Armen und kann im Viervierteltakt schön hin und her wackeln.

Dass Josh mit "Cordula Grün" einen Bierzelt-Kracher landen würde, dürfte ihm nicht bewusst gewesen sein. Er habe ein Lied über "Farben und Mädchen" schreiben wollen, verbreitete der Sänger. Das hat ihm übrigens ein auf Ballermann-Sound spezialisierter DJ nachgetan und das Lied "Cordula Blau" herausgebracht, in dem es weniger romantisch zu-, dafür recht explizit zur Sache geht. Bisher hat es dieser Malle-Quatsch noch nicht zum Wiesn-Hit geschafft. Aber vielleicht ist das nur eine Frage der Zeit.

Fürstenfeld - dürfte einer der ältesten Wiesn-Hits sein

Auf der Wiesn findet der Tag langsam sei End' zu jeder Uhrzeit: "Fürstenfeld" von STS wird mittags, und abends gespielt; das Lied dürfte nicht nur eines der meistgespielten in den Zelten sein - sondern wahrscheinlich auch der dienstälteste unter allen Wiesnhits.

1984 erschien der Song auf dem Album "Überdosis G'fühl", es dauerte nicht lange, bis es die Volksfeste aller deutschsprachigen Lande erobert hatte. Wie alle guten Pop-Songs lebt auch dieser von seiner Uneindeutigkeit: Die Leute vom Land konnten mitfühlen mit dem armen Steirer Bua, der in der großen Stadt Wien die Welt nicht mehr versteht - die "Stoderer" konnten sich lustig machen über das Landei und seine Verstörung darüber, dass in urbanem Zusammenhang Frauen mit schwarzen Lippen und grünen Haaren anzutreffen sind.

Welche Version die drei Herren Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz letztlich gemeint haben, hüten sie als ihr gutes Geheimnis - immerhin haben Fürstenfeld und ihre anderen Erfolge ihnen den Ausstieg aus der an anderer Stelle besungenen Hektomatik-Welt ermöglicht.

Sowieso wollten STS immer so etwas sein wie die österreichischen Crosby, Stills & Nash, was sie in ihren besten Momenten annähernd erreicht haben. Dass ihr größter Hit mit dem Baritontuba-Solo am Ende eine Brücke vom Gitarren-Folkpop zur abendländischen Blasmusik schlägt - das ist eine hübsche Pointe der volkstümlichen Art.

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Ein homoerotisches NDW-Liebeslied bringt es auf dem Oktoberfest zum Bierzelt-Hit. Ein anderer Klassiker besteht nur aus acht Worten. Und was passiert eigentlich, wenn man in München wirklich Rosis Nummer wählt?

Sweet Caroline - erst 40 Jahre nach Erstveröffentlichung ein Wiesnhit

Wären Wiesnhits Filme, dann hätten wir es hier mit großem Kino im Breitwandformat zu tun. Denn "Sweet Caroline", der Klassiker aus dem Jahr 1969 von dem großen amerikanischen Songwriter Neil Diamond, baut sich langsam auf wie eine ausgedehnte Kamerafahrt über einen amerikanischen Highway, steigert sich gemächlich, steigt dann jubilierend hoch bis zum beinahe strahlenden ersten Höhepunkt im Refrain. Und dann noch mal von vorne.

Manche sagen gar, das sei kein klassischer Spielfilm, sondern ein besserer Softporno. Mag man so sehen, schließlich wimmelt's im Text ja nur so von Berührungen.

Vor fast zehn Jahren wurde "Sweet Caroline", 40 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, zum Wiesnhit. Schuld daran war DJ Ötzi, als Songschreiber ("I bin so schön, i bin so toll, i bin der Anton aus Tirol") ein wesentlich kleineres Licht als Neil Diamond. 2009 nahm er für die Après-Ski-Saison eine Coverversion von "Sweet Caroline" auf, die in etwa ebenso erfolgreich wurde wie 2000 sein Cover des Bruce-Channel-Klassikers "Hey! Baby", das ebenfalls zum Wiesnhit wurde.

Neil Diamond dürfte das entspannt sehen, er ist Schlimmeres gewöhnt. Schließlich hat sogar Dustin The Turkey (zu Deutsch: Dustin, der Truthahn) "Sweet Caroline" nachgespielt. Und Dustin ist eine Truthahnpuppe aus dem irischen Kinderfernsehen, die mal für Irland im Grand Prix antrat. Dann schon lieber Bierzelt!

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Das behauptet der auf Krawall gebürstete Fast-Wiesn-Hit Augustiner 40 Ounce. Ein echter Bierzelt-Klassiker beeinflusst bis heute die Speisekarte im Bierzelt, ein anderer wird als inoffizielle Nationalhymne Bayerns gehandelt.   Von Oliver Hochkeppel, Hermann Unterstöger, Franz Kotteder und Dirk Wagner