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Ermittlungen gegen Wiesn-Schausteller:Wilde Geschichten um die Wildstuben

Die Wildstuben ist nicht betroffen, betont Familie Renoldi.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Staatsanwaltschaft Bremen hat Vorermittlungen rund um eine Schaustellerfamilie eingeleitet, die auch auf dem Oktoberfest vertreten ist.
  • Es geht um den Anfangsverdacht von Bestechung, betroffen ist allerdings nicht die Wiesn sondern der Bremer Freimarkt.
  • Die Zuverlässigkeit der Betreiber könnte dadurch infrage gestellt sein - und die ist ein wichtiges Kriterium bei der Platzvergabe auf der Wiesn.

War da Korruption im Spiel? Die Staatsanwaltschaft Bremen hat Vorermittlungen rund um eine Schaustellerfamilie eingeleitet, die auch auf dem Oktoberfest vertreten ist, mit dem kleinen Zelt Wildstuben und der Indoor-Achterbahn Höllenblitz. Bei dem Anfangsverdacht auf Bestechung geht es aber nicht um die Wiesn, sondern um den Bremer Freimarkt, dem mit rund vier Millionen Besuchern größten Volksfest Norddeutschlands. Dort hat die aus Bremen stammende Schaustellerfamilie Renoldi ebenfalls ein Zelt stehen, in dem es vorwiegend Wildspezialitäten gibt.

Im vergangenen Jahr wollten die Renoldis dort ihr altes Zelt Almhütte durch ein neues mit dem Namen Königsalm ersetzen. Den Antrag dafür schoben sie lange nach Ablauf der Bewerbungsfrist nach, bekamen aber dennoch eine Genehmigung von der Wirtschaftsbehörde. Ein Konkurrent klagte vor dem Verwaltungsgericht dagegen, in zwei Instanzen bekam er recht.

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Wie der Bremer Weser-Kurier jetzt berichtete, untersuchte daraufhin die Zentrale Antikorruptionsstelle beim Bremer Innensenator, ob es bei der Vergabe des Platzes an die Renoldis mit rechten Dingen zugegangen sei. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen aufgenommen. Es gehe darum, hieß es, "den Anfangsverdacht auf strafbare Handlungen zu prüfen". Die Staatsanwaltschaft bestätigte das auf Anfrage, es gehe aber noch nicht "um konkrete Personen".

Für die Wiesn ist das insofern von Bedeutung, als die "Zuverlässigkeit" der Betreiber - ein wichtiges Kriterium bei der Platzvergabe - infrage gestellt sein könnte. Formalrechtlich ist Nina Renoldi in Bremen Betreiberin der Königsalm, ihre Mutter Trudi ist für die Wildstuben mit rund 780 Plätzen am östlichen Haupteingang des Oktoberfests zuständig. Sohn Klaus betreibt das große Fahrgeschäft Höllenblitz unweit davon und legt Wert darauf, "dass mein Unternehmen selbst von diesen Vorermittlungen in keiner Weise betroffen ist". Wildstuben und Höllenblitz hätten mit der Königsalm nichts zu tun.

"Renoldi - immer eine Idee voraus", steht als Motto auf der Homepage des Familienunternehmens. Es scheint sich dabei aber nicht immer um die besten Ideen zu handeln. 1999 wurde Klaus Renoldi senior wegen Anstiftung zum Mordversuch an einem Münchner Schausteller zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Zuvor war der Name der Familie schon des öfteren in Zusammenhang mit fragwürdigen Machenschaften bei der Standplatzvergabe auf dem Freimarkt aufgetaucht.

2013 wiederum kämpften die Renoldis um bessere Plätze auf dem Freimarkt und versuchten, den zuständigen Staatsrat für Inneres und Sport mit einer Flasche Champagner gnädig zu stimmen, der Sachgebietsleiter bekam zwei Fußballkarten angeboten. Das Amtsgericht Bremen verurteilte Vater und Sohn Renoldi deshalb zu Geldstrafen wegen Vorteilsgewährung.

Sollte sich der neue Verdacht in Bremen erhärten, so droht den Renoldis, die auch auf dem Cannstatter Wasen mit einer Almhütte vertreten sind, in München ebenfalls Unbill. Solange es kein rechtskräftiges Urteil gegen sie gibt, haben sie zwar nichts zu befürchten. Sollte es aber zu einer Anklage kommen und Familienmitglieder verurteilt werden, sieht das anders aus.

Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) hat sich jedenfalls bereits an den Bremer Innensenator und die dortige Staatsanwaltschaft gewandt. "Ich will genau wissen, was da los ist", sagte er zur SZ, "und wenn das gravierend ist, dann scheppert's. Zur Not auch noch einen Tag vor der Wiesn."

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