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Bettwanzen:Die Feinde in meinem Bett

Oktoberfest 2019

Vielleicht nicht gemütlicher, aber sicherer als in manchen Hostel-Bett: Ein Wiesn-Besucher schläft auf dem Hügel hinter den Bierzelten. Mutmaßlich bettwanzenfrei.

(Foto: dpa)

Für alle möglichen Risiken auf der Wiesn gibt es Verhaltenstipps. Doch eine Gefahr wird unterschätzt: Sie lauert, wenn der Wiesnbesucher längst wieder schläft.

In einer der sichersten Großstädte der Welt, als die sich München zurecht bezeichnet, ist die Theresienwiese ein Hort der Gefahr. Im Zelt droht die Bierdusche von rechts oder der aufdringliche Nachbar von links, es gibt Masskrugschlägereien, Trickdiebe, betrügerische Taxifahrer, den Kotzhügel und ein Fahrgeschäft namens XXL-Racer, das einen Dutzende Male 55 Meter in die Höhe katapultiert und mit vierfacher Erdbeschleunigung kopfüber wieder nach unten bringt, auch kein Spaß.

Aber selbst, wenn man all dem entronnen ist, droht Ungemach, nämlich dann, wenn man längst wieder in der Pension, im Hostel oder im Hotel angekommen ist und friedlich schnarchend im Bett liegt. Denn dann kommt womöglich die Bettwanze. Sie krabbelt aus ihrem Versteck hervor, sucht sich eine geeignete Einstichstelle, fährt ihren Stechrüssel aus und saugt das Blut aus ihrem Opfer, dem Wiesngänger.

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Gegen die üblichen Gefahren auf dem Oktoberfest gibt es Vorsichtsmaßnahmen und Verhaltenstipps. Doch diesem Gegner sollte man nicht zu unbedarft entgegentreten. Höchste Zeit, sich mit Erkenntnis zu munitionieren, der Größe der Aufgabe angemessen angelehnt an Immanuel Kant, den wichtigsten Philosophen der Neuzeit.

Was kann ich wissen?

Der Feind, von Fachleuten als cimex lectuarius bezeichnet, ist ein oval geformtes, rotbraun gefärbtes Wesen, vier bis fünf Millimeter klein, mit Blut vollgesogen kann es annähernd doppelt so groß werden. Die Weibchen legen im Laufe ihres Lebens, das sind etwa sechs bis neun Monate, 150 Eier, aus denen kleine Larven schlüpfen, die sich im Laufe ihrer Entwicklung fünf Mal häuten, und davor jeweils eine "Blutmahlzeit" zu sich nehmen müssen, wie es in einer Broschüre des Umweltbundesamtes etwas martialisch heißt.

Angelockt von der Körperwärme und den Atemgasen des Menschen, ist das bevorzugte Verbreitungsgebiet das Bett, daher der Name. Die Bettwanze leitet den Angriff auf ihre Opfer äußerst geschickt ein. Tagsüber versteckt sie sich in den kleinsten Ritzen, in Matratzenspalten, Bettkästen und an Teppichrändern, ja sogar hinter Bilderrahmen, Fußleisten, in Steckdosen, Rauchmeldern und Klimaanlagen. Erst nachts kriecht sie hervor, oder sie lässt sich von der Decke auf ihr Opfer herunterfallen. "Nur gelegentlich, meist bei stärkerem Befall, sieht man auch mal tagsüber einzelne Tiere herumlaufen, auf dem Bettlaken zum Beispiel", erklärt Carola Kuhn, Expertin für Schädlingsbekämpfung beim Umweltbundesamt. Sie hat mit einer Kollegin die Ratgeber-Broschüre herausgegeben. Titel: Bettwanzen - Erkennen, Vorbeugen, Bekämpfen.

Eigentlich war die Bettwanze in Europa kaum mehr ein Problem. Durch den Einsatz von Pestiziden gelang es in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, die Schädlinge stark zurückzudrängen, doch dann wurde DDT, ein besonders wirksames, aber sehr giftiges Pestizid, verboten - und es kam die Globalisierung. Die Menschen reisten häufiger und an weiter entfernte Ziele und trugen die Wanzen mit ihrem Gepäck um die Welt.

Promis auf dem Oktoberfest

Was, so sehen die heute aus?

Zunächst war nach der Jahrtausendwende New York ein Bettwanzen-Hot-Spot, seit einigen Jahren verbreiten sie sich vermehrt auch in deutschen Städten. Jeder Hotelier kennt das Problem, aber fast keiner redet darüber, weil er negative Bewertungen in den vielen verschiedenen Portalen fürchtet. Fanden sich Bettwanzen früher eher in Backpacker-Hostels und preiswerten Absteigen, sind inzwischen auch Luxushäuser betroffen. Bettwanzen traten in Alpenhütten auf, sie wurden in der Business Class der Air India gesichtet und vor einigen Wochen gab es Meldungen, dass ein Donald Trump gehörendes Golfhotel in Florida, in dem der US-Präsident gerne den nächsten G7-Gipfel ausrichten will, ebenfalls mit Bettwanzen-Befall zu tun hatte.

Auch in Münchner Unterkünften sind die Bettwanzen das ganze Jahr über ein Ärgernis, im August gab es zum Beispiel Berichte über einen Befall in einer großen Hostelkette. Während des Oktoberfestes ist die Auslastung noch höher, der Bettenwechsel erfolgt in kürzeren Abständen und es sind viele Gäste aus Nordamerika in der Stadt, wo Bettwanzen stärker verbreitet sind als hierzulande. Das Problem verschärft sich also.