Süddeutsche Zeitung

FC Bayern besucht Oktoberfest:Zum Teambuilding auf die Wiesn

Nach der überraschenden Pleite bei Hoffenheim muss der FC Bayern wieder mit Frust aufs Oktoberfest.

Wieder muss der FC Bayern mit Frust aufs Oktoberfest. Schon im vergangenen Jahr sah der Wiesn-Besuch nur bei wenigen Spielern nach Spaß aus, da trafen sich die Bayern-Profis nach dem vierten sieglosen Spiel in Folge im Käferzelt. In diesem Jahr gab es "nur" die erste Saisonniederlage in der Bundesliga zu verdauen. "Schwoamma's owe!", lautet das Rezept in Bayern, um Niederlagen schnellstmöglich zu verdauen. Und so posiert Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schon an den Stufen hinauf zur Empore mit der ersten Mass.

Nach Rummenigge betritt Thomas Müller als erster Bayern-Spieler das Käfer-Reich - ohne öffentlichen Kommentar. Auch gestern war der 30-Jährige schon der erste, der das Stadion verließ. Gewöhnlich plaudert Müller gerne, doch diesmal sagte er lediglich zu den Reportern: "'Nothing to say', wie der Engländer sagt." Wieder hatte ihm Trainer Niko Kovac am Samstagnachmittag keinen Startelf-Einsatz gegönnt.

Trainer Niko Kovac, der hier zusammen mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic anstößt, scheint bessere Laune mitgebracht zu haben - zumindest für die Fotografen. Frustsaufen im Käferzelt? Nein, soweit werde es nicht kommen, sagt der Sportdirektor: "Wir sind es ja schon gewohnt, wir sind ja letztes Jahr auch so hingefahren. Spaß beiseite. Es ist natürlich nicht schön, dass wir alle dahingehen mit einer Niederlage." Der traditionelle Wiesn-Besuch stand nicht zur Disposition: "Es ist eine Teambuildingmaßnahme, da sollen auch unsere Neuzugänge sehen, was es bedeutet, in München zu spielen und auch die Wiesn kennenlernen."

Und die Wiesn kennenlernen bedeutet: rein in die Lederhosn, Trachtenhemd und Janker überwerfen, die frisch gezapfte Mass in die Hand und ein Lächeln für die Kameras aufsetzen: Manuel Neuer, in Begleitung seiner Frau Nina Weiss, hat das in seinen vielen Jahren beim FC Bayern schon perfektioniert.

Die Neuzugänge durften wenigstens beim traditionellen Lederhosen-Fotoshooting Anfang September schon mal üben. "Ich habe so etwas noch nie angehabt. Es ist das erste Mal, es ist super", sagte Philippe Coutinho damals. "Ich glaube, ich sehe gut aus darin." Und ja, das scheint er immer noch so zu sehen.

Immerhin einer hatte auch am Samstag schon etwas zu feiern: Robert Lewandowski, auf dem Bild zusammen mit seiner Frau Anna, kann nach seinem Ausgleichstreffer seine Gegner mit folgender Bilanz einschüchtern: An jedem Spieltag gelang ihm mindestens ein Tor. In der Einzelkritik der Sport-Kollegen können Sie abstimmen, welches Wiesn-Getränk er dafür verdient hat.

Teambuilding offensichtlich erfolgreich abgeschlossen: Kingsley Coman, Serge Gnabry, Thomas Müler and Leon Goretzka (v.l.) haben sich ordentlich aufgereiht am Balkon des Käferzeltes und stoßen vermutlich auf die Gemütlichkeit an.

Bekanntlich will die Wiesn ja ein Volksfest für die ganze Familie sein - also bringen viele Spieler ihre Freundinnen, Frauen und Kinder mit, wie etwa Sven Ulreich und seine Frau Lis. Da "Ulle" bei der Niederlage gegen die TSG Hoffenheim nicht mal in der Nähe des Tores stand, mit den zwei Treffern also rein gar nichts zu tun hat, darf er seine Mass sowieso ganz ohne Frust trinken.

Auch Ivan Perisic und seine Frau Josipa sehen nicht so aus, als würden sie allzu schwer an der Niederlage knabbern. Perisic wurde zwar in der 60. Minute noch eingewechselt und hätte damit noch die Möglichkeit für heroische Taten gehabt - scheint ihn aber nicht nachhaltig zu frustrieren, dass es diesmal nicht geklappt hat. Vermutlich wirkt all das Lob, das in den vergangenen Wochen über ihm ausgeschüttet wurde, einfach noch nach. Als "äußerst effektiver Neuzugang" wurde der 30-Jährige bezeichnet. Vielleicht hilft das Wiesnbier manchen Fußballfans nun auch noch dabei, seinen Namen richtig auszusprechen - Perisitsch sagen viele fälschlicherweise, Perischitsch heißt es richtig und fällt mit bierschwerer Zunge womöglich sogar leichter - dann gibt's aus seiner Perspektive sogar reichlich zu feiern.

Hier ist einer der Neuzugänge zu sehen: Fiete Arp, der Name deutet schon darauf hin, ist nicht aus der Gegend und dürfte wohl zum ersten Mal auf der Wiesn unterwegs sein. Er ist beim Hamburger SV groß geworden und spielt erst seit diesem Sommer beim FC Bayern. Zusammen mit seiner Freundin Linda Wethmar posiert er recht possierlich im Käferzelt, die Jacke trägt er salopp halbseitig - was allerdings dem eingegipsten Arm geschuldet ist.

Der Tisch ist reich gedeckt, die Tracht ist drapiert, das Familienbuilding kann losgehen. Hier haben sich Lucas Hernandez und seine Freundin Amelia Lorente (die beiden links) sowie Javi Martinez und eine nicht näher benannte Dame zusammengefunden.

Die Spieler sollen sich über ihren Masskrügen "Gedanken machen, warum es passiert ist", hat Sportdirektor Salihamidzic nach der Hoffenheim-Pleite gesagt. Thiago sieht so aus, als würde er schwer darüber nachdenken. Seine Leistung in dem Spiel war eher durchschnittlich, die gelbe Karte dürfte nicht als Stimmungsaufheller gewirkt haben. Vielleicht gibt ihm ja noch jemand eine Mass?

Läuft! Ob der Gesichtsausdruck nun auf die Mass in seiner Hand, das gelungene Teambuilding oder die Anwesenheit von Sohn Gabriel und seiner Frau Julia Vigas zurückzuführen ist, feststeht: Thiago hat den Auftrag abgeschlossen.

Die Bezeichnung "Urgestein" gilt vielen als schlimme Floskel, was soll das schon sein, ein Urgestein? Nun: Man könnte ein Foto von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (links) ins Wörterbuch kleben, um das zu erklären. Der 77-Jährige ist laaaaangjähriger Mannschaftsarzt des FC Bayern, manche glauben gar, er könne durch Hand auflegen heilen. Vielleicht segnet er in diesem Moment auch gerade die Töchter von Jérôme Boateng? Wichtiger ist wohl, dass er den Bayern-Spielern nach dem Wiesn-Besuch zur Verfügung steht.

Rippenblessur hin oder her - auf der Wiesn wird der Schmerzen verdrängt und die Anstrengung nicht so: David Alaba kommt mit seiner schwangeren Freundin Shalimar Heppner, lässt es aus Rücksicht also wohl sowieso gar nicht so sehr krachen. Den Haarriss in der Rippe erlitt Alaba übrigens schon beim Spiel gegen Tottenham Hotspur - die Verletzung ist also eine Erinnerung an den sehr kurzen Siegesrausch. Bestimmt ein guter Ersatz.

Vielleicht ist das ein Bild, das man sich nach diesem Wiesn-Besuch merken sollte. Es ist nicht gewiss, dass man Thomas Müller (rechts) nächstes Jahr nochmal mit "seiner" Mannschaft im Käferzelt treffen wird. Beim Spiel gegen Hoffenheim durfte er erst ab der 60. Minute auf den Platz - noch fügt der Stürmer sich klaglos seinem Schicksal als Nebendarsteller, doch seine Unzufriedenheit ist ihm immer öfter anzumerken. Immerhin: Auf der Wiesn ringt er sich noch ein Lächeln ab. Bei Leon Gortezka, der da von links etwas bedröppelt in die Kamera kuckt, ist es dagegen nur eine Frage der Zeit, bis er wieder auf dem Platz stehen wird, er muss eine Verletzung am Oberschenkel auskurieren.

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